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Museum LUMEN am Kronplatz – Bergfotografie ganz oben erleben

Lumen - Museum für Bergfotografie

Südtirol. Kronplatz. Dort, wo früher Skifahrer und Wanderer auf dem Kronplatz aus Seilbahn-Gondeln kletterten,  lugt heute eine riesige Linse hinter einem Fenster hervor:  LUMEN, das neue Museum für Bergfotografie, ist seit Dezember 2018 oberhalb von Bruneck beheimatet. Nach Plänen der Südtiroler Architekten Gerhard Mahlknecht und Stefano D’Elia (EM2 Architekten) entstand das Museum auf Wunsch der Betreibergesellschaft im ehemaligen Gebäude der Seilbahn. Am 20. Juli 2019 wurde das LUMEN nun offiziell eröffnet.

Über Lage, Entstehung und Planung habe ich bereits im vergangenen Sommer umfangreich berichtet. LUMEN – Museums-Neubau am Kronplatz „Fotos beweisen, was in den Bergen passiert.“

Außerdem interessant: Das Restaurant AlpINN des Südtiroler Sternekochs Norbert Niederkofler befindet sich im voll verglasten Seitenflügel des LUMEN. Wer seine „Cook the Mountain“-Philosophie auf der Zunge spüren will: hier ist die Gelegenheit!

Restaurant Alpinn - Lumen - Kronplatz

Museum Lumen – Restaurant AlpINN – Kronplatz

Hoch hinaus – Ein Rundgang durch das Lumen

Als wäre man auf 2.275 m Höhe, nicht ohnehin schon weit oben, startet ein Rundgang durch das Museum LUMEN für den Besucher mit einer weiteren Bergfahrt. Statt Treppen geht es in einen gläsernen Aufzug, an dessen Rückwand Bilder auf die Thematik der Bergfotografie einstimmen.

Aufzug im LUMEN Museum – Kronplatz – *klick öffnet Liftfahrt

Fahrstuhl im Lumen-Museum v

Fahrstuhl im Lumen-Museum

Geschichte der Fotografie

Das Museum ist in drei Ebenen unterteilt. Der Besucher läuft von oben nach unten und wird zunächst mit der Geschichte der Fotografie vertraut gemacht. Neben einer ansehnlichen Sammlung historischer Objekte vom  Holz-Modell bis zur Polaroid-Sofortbild-Kamera werden die Prinzipien der Fotografie erläutert. Ein Schaukasten zeigt eine in alle Einzelteile zerlegte Digitalkamera.

In einer Wunderkammer finden sich alte Abzüge, Positive  und Zelluloid-Filmrollen neben handkolorierten Postkarten oder modernen Speichermedien. Direkt nebenan führt der Weg durch eine Dunkelkammer, wie sie (zumindest der analog geprägten Generation) noch vertraut sein dürfte.

Alle Objekte sind in übersichtlichen Schaukästen und gut beschriftet ausgestellt. Wer alles anschauen will, sollte etwas mehr Zeit einplanen, denn es gibt wirklich viel zu sehen. (Das LUMEN eignet sich deshalb auch bei weniger gutem Bergwetter!)

Vorbei an einem Walk of Fame mit berühmten Pionieren der Bergfotografie, wandert man hinab ins tiefer liegende Stockwerk.

Wall of Fame
• Auguste Rosalie und Lois- Auguste Bisson machten die ersten Aufnahmen vom Mont-Blanc
• Joseph Tairraz, Bergführer aus Chamonix bestieg den Mont Blanc und machte erste Panoramabilder
• Jules Beck dokumentierte als Erster die Berge der Schweiz über 4.000 m
• Bernhard Johannes fotografierte die Zugspitze und Kaiserin Sissi in den Bergen
• Vittorio Sella begründete seinen Ruf mit Bildern im Nass-Kollodium Verfahren auf Glasplatten

The Shutter – Die Riesenlinse

Die einstige Öffnung der ehemaligen Bergstation, also der Teil, in den die Gondeln einfahren, wurde mit einer riesigen Glasfront verschlossen. Vor dieser befindet sich heute eine riesige Linse, die sich temporär öffnet und schließt und dabei mit einem Film ein Stück Geschichte der Bergfotografie erzählt. Unbedingt stehenbleiben!

Der vermarktete Berg

Während draußen Paraglider und Wolken vorbeisegeln, wandert der Besucher weiter die Stufen hinab. Bildpostkarten und Produktbeispiele zeigen den wirtschaftlichen Aspekt der Bergfotografie, erläutern den Einfluss auf den Tourismus und die Werbung und wie die Berge vermarktet werden. Das LUMEN fokussiert sich bewusst auf einzelne Aspekte und bereitet sie nach modernsten Ausstellungsprinzipien auf.  Es macht Spaß, diesen greifbaren Beispielen zu folgen.

Besonders einprägsam wirkt ein simulierter Helikopterflug, dem man durch eine Virtual-Reality-Brille folgen kann. Meine Empfehlung: unbedingt hinsetzen. Man verliert das Gefühl für den Raum, fliegt dabei aber mit „seiner“ Crew atemberaubend durch die Dolomiten!

Adrenalin und Spiegelsaal

Über einen Raum, der sich „Adrenalin“ nennt und sich in Schwarz und grellen Neon-Farben dem extremen Bergsport widmet, gelangt man zur nächsten Attraktion des Museums. Im Spiegelsaal, in dem tausend bunte Bilder eines Filmes endgültig das Gefühl für Raum und Zeit aufheben, nimmt man ein regelrechtes Farbbad.

Ambrotypie – „Artist in Residence“ Kurt Moser

Unzählige Fotografen, Schriftsteller und Filmemacher haben den Südtiroler Dolomiten bereits ein Denkmal gesetzt. Dabei ist den steinernen Riesen, die am 26. Juni 2019 ihr zehnjähriges Jubiläum als UNESCO-Weltnaturerbe feiern, ohnehin schon Unsterblichkeit beschieden. Jeder Blick auf Langkofel, Brenta oder die Drei Zinnen ist einzigartig. Lichtverhältnisse, Blickwinkel, Jahreszeiten lassen sie immer wieder neu erscheinen.

Der Fotograf und ehemalige Kameramann Kurt Moser hat mit der wieder entdeckten Technik der Ambrotypie eine neue Form gefunden, die Berge zu „konservieren“. Mit seinem Projekt „Lightcatcher“ und einem überdimensionierten Nachbau frühzeitlicher Glasplatten-Kameras schlägt er im LUMEN die Brücke zwischen Vintage-Fotografie und Neuzeit. Als „Artist in Residence“ steht ihm ein kompletter Raum zur Verfügung.

Zu sehen sind mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand erstellte Portraits Südtiroler Bergbauern und Landschaftsaufnahmen der Dolomiten. Gemeinsam mit seiner Projektpartnerin Barbara Holzknecht gelingt es ihm, sie so auf Glasplatten zu bannen, dass ihre Lichtbildnisse die nächsten Jahrhunderte überstehen werden.

Voraussetzung für die Ambrotypie sind spezielle Apparate und Kenntnisse über die nötigen chemischen Prozesse. Ein aufwendiges, aber spannendes Verfahren, bei dem man sich keinen Fehler erlauben darf.

Kurt Moser

→ lightcatcher.it

Die Grenzen zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung verschwimmen im LUMEN. Wenn man wollte, könnte man dem Museum dieses Phänomen vorwerfen. Aus meiner Sicht überwiegt die gute Mischung und ein Feuerwerk sehenswerter Effekte.

Beim Verlassen des Museums lohnt ein Blick nach oben. Einer Seilschaft nachempfunden hängen Bilder herab. Durch Schlitze in der Decke sieht man den blauen Himmel. Wenn man nach einem langen sonnigen Tag mit der Gondel zurück ins Tal gleitet, glaubt man für einer kurzen Moment, den Wirren unserer Zeit entflohen zu sein…


LUMEN – Museum für Bergfotografie

Kronplatz – Plan de Corones, Bruneck – Brunico
Montag bis Sonntag geöffnet. Die genauen Zeiten bitte der Webseite entnehmen oder an der Talstation erfragen.
Eintritt 17 € (Es gibt Vergünstigungen)
→ www.lumenmuseum.it


 

Offenlegung:  Die → Region Südtirol hat mir ermöglicht ausgewählte Beispiele besonderer Architektur zu besuchen. Ich stelle vor, was mir gefallen hat. Besonders bedanken möchte ich mich bei Uta Radakovich, die durch ihre enorme Ortskenntnis und viele Geschichten meine Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Vielen Dank!

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Charis

Travelblogger, Journalist, Online-Shopmanager bei wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von Wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit Wohlgeraten mache.
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5 Kommentare

  1. Avatar

    What a spectacular place for a Museum and that huge lens is amazing. I also love how the restaurant AlpINN is perched on the edge of the cliff. Lumen looks like a really interesting and fun attraction.

  2. Avatar

    This is WOW! This place looks interesting and peaceful. Just by looking at your photos, I can understand why you felt you have ‚escaped the turmoil of our time for a brief moment‘. I specially like the adrenaline and mirror hall!

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    These places look incredible! Lumen and The Shutter in particular intrigue me. I hope to visit them someday!

    • Avatar

      What an interesting location and design for a museum! Not expecting to find one there for sure. Sounds and looks like it would be an educational experience to visit!

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