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Optimieren ist was für Männer

Nationalparkranger-Woche in Graubünden

Bei manchen Telefongesprächen fällt mir fast der Telefonhörer aus der Hand. Vor Entsetzen. So wie eben… Es ging um meinen Onlineshop Wohlgeraten.

Das Telefon klingelt. Ich hebe ab, nenne meinen Namen, ein Herr ist am Apparat: „Guten Tag. Hier ist Herr sonundso. Ich möchte bitte Herrn Stank sprechen.“

Ich, ruhig: „Kann ich helfen, worum geht es?“

Er, forsch: „Ich möchte ihren Mann sprechen. Wir sind durch den Online-Auftritt aufmerksam geworden. Dann rufe ich wieder an, wenn Herr Stank zu sprechen ist. Es geht um SEO-Optimierung.“ 

„Da werden sie keinen Erfolg haben. Es gibt hier keinen Herrn Stank. Wieso verlangen sie eigentlich nach ihm?“

Er, dreist: „Bei meinem letzten Anruf wurde mir gesagt, Herr Stank sei dafür verantwortlich und den möchte ich sprechen.“

Ich weise darauf hin, dass dies nicht sein kann, da ich die Geschäfte im Alleingang führe und dass niemand auf einen Herrn verwiesen haben kann, den es nicht gibt. Statt sich zu entschuldigen, legt er auf.

Jetzt frage ich mich ernsthaft nach dem Weltbild dieses Verkäufers. Wieviel Kompetenz traut er Frauen zu? Die Stimme klang nach einem Mann im mittleren Alter, wenig älter als ich, wenn nicht überhaupt in meinem Alter. Erscheint es ihm tatsächlich zeitgemäß bei bestimmten Themen den Mann im Hause zu verlangen?

Für mich war es einen kurzen Moment lang zum lachen. Aber dann habe ich überlegt. Es ist ein guter Grund  nachzudenken, wie wir uns Kunden gegenüber verhalten: Sollten die alten Rollenbilder nicht endlich in die Tonne?

Ich habe viele Männer, die gern bei wohlgeraten kaufen, obwohl ich selbst am Anfang meinte, dass sie sich vermutlich nicht angesprochen fühlen würden. Ich bin ebenso nicht frei von Vorstellungen und Vorurteilen. Es macht mir jedoch Spaß, zu erleben, weil sie sich interessieren und letztlich ganz anders einkaufen, als ich es vermutet hätte. Sie äußern Wünsche und ermutigen mich bestimmte Produkte zu ergänzen. Sie geben mir Tipps und nehmen Anteil. Das inspiriert mich und macht mir Freude, weil ich sowohl Männer und Frauen glücklich durch meinen Shop surfen sehe.

Mir ist bewusst, dass es viele Dinge gibt, in denen manche Männer kompetenter sind als ich. Das betrifft vor allem die technische Seite und sicher auch den SEO-Bereich. Aber da spreche ich eben auch nur für mich. Andere Frauen sind in diesem Bereich genauso kompetent. Es ist ein Tausch. Ich gebe von dem was ich kann und präsentiere und schöpfe aus dem, was ich bei ihnen finde oder von ihnen mit auf den Weg bekomme.

Und deswegen wünsche ich mir, dass man mir die Optimierung meines Shops zutraut. Niemand sagt, dass dies im Alleingang geschehen muss, aber ich wünsche, dass man Frauen diese Kompetenz nicht von vorherein abspricht! Wir sind mutig und wir sind auf der Höhe der Zeit. Wer das immer noch nicht kapiert hat, der ist schlichtweg von gestern.

Deswegen an alle Telefonverkäufer für SEO-Optimierung: fragt mich nie wieder nach Herrn Stank. Ich werde durch die Leitung springen!

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Charis

Freie Journalistin, Reisebloggerin, Social Media und PR für Hotels und Destinationen bei Charis Stank – wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten.de
Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint,es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.
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Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint, es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.

5 Kommentare

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    Roland sagt

    Liebe Charis!
    Danke für diese großartige Geschichte. Man kann wohl Deinen (leicht) aufkeimenden Zorn verstehen, aber gut, dass Du es so nett formuliert hast, dass man unwillkürlich lachen muss. Auch wenn es gruselig ist.
    Trotzdem: Je mehr man, und gerade als Mann drüber nachdenkt, desto mehr erscheint eine solche Verhaltensweise einfach aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Und so darf man das abhaken – es gibt immer ewig Gestrige.
    In so einem Zusammenhang frage ich mich dann, was so jemand von meinem Leben halten würde. Ich arbeite von Zuhause, meine Lebensgefährtin fährt ins Büro. Und die Nachbarn sehen mich schon auch tagsüber die Wäsche aufhängen. Ja klar, soll meine Liebste das um 9.00 Uhr Abends machen?

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      Du hängst Wäsche auf? Bist Du verrückt? :)
      – Ich hab ja auch sehr gelacht und bin sicher, es gibt genug bessere Beispiele. Nur im ersten Moment war ich komplett entsetzt. Und ich hielt es deswegen einfach für mitteilenswert.

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    Lass Dir doch von so einer Flachpfeife keine Selbstzweifel einreden. Der Anruf sollte Anlass geben, nicht über die Kompetenz von Frauen, sondern stattdessen über die Inkompetenz mancher Männer nachzudenken… :-)

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      Stimmt. Hat mich einfach zum nachdenken angeregt, weil ich es fürchterlich doof fand.
      Hält mich aber von nichts ab! :)

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    „Eine neue (wissenschaftliche) Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden oder als belehrt erklären, sondern viel mehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und die heranwachsende Generation von vorne herein mit der Wahrheit vertraut gemacht wird.“ Max Plank

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