Alle Artikel mit dem Schlagwort: Tradition

Café am Beethovenplatz München

Hotel Mariandl in München: Schlafen im Vintage Style

Morgengeläut weht zum Fenster hinein. Das Bett knarrt. Im Zimmer oben sind Schritte zu hören. Ein verschnörkelter Kronleuchter schwebt in einer angepinselten Stuckrosette über der Raummitte und links in der Ecke ist ein riesiger Wasserfleck zu erkennen. Jalousien bedecken schräg hängend die deckenhohen Fenster, während das Laub der Bäume grün hinein leuchtet. Wären die drei schnörkeligen Sessel in der Mitte des Zimmers mit einem weißen Laken überdeckt, könnte man meinen, gerade aus einem hundertjährigem Schlaf erwacht zu sein. Aber wir sind hier mitten in München, nur wenige Minuten von der Theresienwiese entfernt und nur eine viertel Stunde Fußweg von der Innenstadt. Das Hotel Mariandl am Münchner Beethovenplatz ist das Gegenteil steriler Hotelarchitektur. Hier in einem alten Stadthaus aus der Zeit um 1900 lebt der Zauber der Belle Époque auf und im angeschlossenen Café am Beethovenplatz speist und frühstückt man bei täglicher Livemusik so schön, wie in einem Wiener Caféhaus.  

Oh du fröhliche | Zu Besuch beim Lebzelter und Wachszieher

Salzburg. Kerzen macht der Kerzenmann und Lebkuchen kauft man beim Bäcker. So schlicht stellte ich mir diese Gewerke hervor und wäre im Traum nicht darauf gekommen, das Lebkuchenzelter und Wachszieher noch bis vor wenigen Jahren ein und derselbe Lehrberuf in Österreich waren. Sie gehörten direkt zusammen und wurden auch so vermittelt. Wer die Geschichte durchdringen möchte und einen Handwerksbetrieb besuchen, der bis heute nach diesen Traditionen fertigt, der muss nach Salzburg zur Familie Nagy.

Salzburger Freilichtmuseum – Alpenländische Vergangenheit

Großgmain. Unweit Salzburgs, nah an der Grenze zu Deutschland befindet sich in ländlicher Umgebung das Salzburger Freilichtmuseum. Auf einem riesigen Freiluftareal von 50 ha laden seit 1984 zahlreiche traditionelle Bauernhäuser aus den unterschiedlichen Regionen des Salzburger Landes zu einer Besichtigung ein. Sie stammen aus den fünf  Gauen: Flachgau, Tannengau, Pongau, Lungau und Pinzgau. Einiges wurde auch aus Bayern „importiert“.

Und rührs ein pahr Vatter Unßer lang | Tiroler Festtagsküche

Und rührs ein pahr Vatter Unßer lang… die Zeitangaben im gleichnamigen Kochbuch (2014 erschienen bei Edition Raetia) sind alles andere als herkömmlich. Und auch bei den Mengenangaben und Rezept-Zutaten gibt es zahlreiche, die wir heute kaum mehr kennen oder nur noch in geringen Mengen zur Verfügung haben. Dass das Kochbuch der Autoren Franz und Cornelia  Haller so ungewöhnlich daherkommt, hat einen Grund: die Vorlage für diese schöne Tiroler Kochbuch bildet die Rezeptsammlung eines ihrer Vorfahren.

Kirchtag Salzburg | Schirm, Charme und Tradition

Die Salzburger Schirmmanufaktur Kirchtag erhält eine seltene Handwerkskunst am Leben: In dem Familienunternehmen werden seit über 100 Jahren handgearbeitete Stockschirme produziert. Es ist Nachmittagstrubel in Salzburgs Altstadt und die Getreidegasse ist voller Touristen. Wir schieben uns an den Selfiestangenfotografen am Mozarthaus vorbei und an einem Feinkostladen, den es schon in Wolfgang Amadeus Kindheit gab. Dann geht der Blick steil nach rechts oben. Ein Zunftzeichen. Ein hängender Schirm. Hier in der Salzburger Getreidegasse 22 ist  der Schirmmacher Kirchtag zuhaus und das nicht erst seit gestern. Kirchtag wurde im Jahre 1903 gegründet und ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz.

Lederhosen für Franz Josef | Jahn Markl in Salzburg

Salzburg. Säcklerei Jahn Markl. Gold auf Grün weist eine verschnörkelte Schrift am Salzburger Residenzplatz auf den kleinen Laden hin. In der Tür zum Seiteneingang baumelt ein Pappschild mit den Öffnungszeiten. Es hängt schon länger. Das sieht man. Im Schaufenster sind Lederhosen, Trachten, Hüte, Taschen und Blusen dekoriert, gemischt mit Blumen und Preisschildern. Über den Auslagen prangt ein mächtiges Schild: SPEZIALHAUS für Wildlederbekleidung und Trachten. Was es hier wohl gibt?

Maßgeschneidert für die Wälderin – Juppenwerkstatt Riefensberg – Bregenzerwald

„Maßgeschneidert für alle Wälder“ steht auf einem Plakat des öffentlichen Landbus im Bregenzerwald. Darunter strahlt eine Frau in Tracht. Sie trägt das Kleid der Wälderin: eine schwarze „Juppe“ aus Leinen. Was  spielerisch eingesetzt ist, hat einen bedeutsamen Hintergrund. Die Juppe ist eines der wenigen traditionellen Kleidungsstücke, welche noch vom ersten bis zum letzten Schritt von Hand angefertigt werden. Das Leinen wird gefärbt, appretiert, geglästet (glänzend gemacht), gefältelt und dann von Hand zum Kleid genäht. Und: es wird tatsächlich auf Maß angefertigt. Ausschließlich für eine Wälderin. Das Recht, eine solche Juppe zu erwerben und zu besitzen, obliegt nur einer echten Wälderin. Ausnahmen werden nicht gemacht. Blut zählt mehr als Geld und wenn man den Schilderungen zuhört, dann möchte man dies sofort glauben. Niemanden sonst beliefern die geschickten Kunsthandwerkerinnen der Region, die ihr Wissen in der Juppenwerkstatt Riefensberg freundlich den Besuchern weitergeben. Und dadurch ist dieses Kleidungsstück  etwas besonderes: maßgeschneidert für die Wälderin, die ihre Juppe ein Leben lang trägt und mit Glück sogar an ihre Kinder vererbt.

Thomas in seinem Jamei Käsestand

Jamei Laibspeis | Genuss statt Fernweh – Allgäuer Bergkäse in Hamburg

Hamburg. Kempten. „Wie hält man das aus, wenn man in Hamburg lebt und die Berge so sehr liebt wie Du?“ Das ist eine der Standardfragen, wenn ich nach meinem Wohnort gefragt werde und natürlich frage ich mich das immer wieder selbst. „Ist doch alles Käse.“ denke ich. Fernweh plagt mich. Berge an Arbeit statt Berge entdecken. Dann brauche ich Brücken und eine dieser Brücken ist tatsächlich der Käse. Wer meine Bilder in den sozialen Netzwerken verfolgt, wird ihn immer wieder entdecken: große leckere Stücken vom feinsten Allgäuer Bergkäse. Das ist kein Zufall. Aber wo kommt er her?

Schobel – Von Saubirnen zu Höchstgenuss

Vorarlberg. „Wir verarbeiten hier nur allerbeste Lackware, wenn Sie verstehen, was ich meine.“ Ja! Ich verstand es. Es ist der Satz, der die hingebungsvolle Arbeit von Harald Schobel, seine Leidenschaft für ein 1A-Produkt, wohl am vollkommensten beschreibt. Dieser beeindruckende Vorarlberger, der als Werkzeugmacher seinen Berufsweg begann,  über den Vater ans Schnapsbrennen herangeführt wurde und nun von einem kleinen Hof mit angrenzender Streuobstplantage aus,  Edelbrände und Trockenfrüchte verkauft, die ich so nie vorher gegessen habe. Strobel ist ein geduldiger Kämpfer. Die fruchtbaren Voraussetzungen, die gegeben waren, hat er ergriffen und etwas daraus geschaffen. Das beweist, das Österreich nicht nur aus alten Wurzeln wächst. Es gibt auch hier Unternehmer, die frisch an den Start gehen und eine Firma von Grund an aufbauen. Auch wenn sie dabei auf die Erfahrungen der „Alten“ gerne zurückgreifen. *Harald Schobel Vorhanden war eine Streuobstwiese. Auf ihr wuchs eine, nur in dieser Region vorkommende Sorte Birnen, die  Saubirne genannt wird und die, durch ihre Unbekömmlichkeit für den Menschen nicht von Interesse, als Viehfutter aber von Nutzen war. 30 – 40 Bäume dieser Sorte …

Vorarlberg – Das bescheidene Juwel

Vorarlberg. Beim Reisen ist es manchmal wie mit der Liebe. Man begegnet sich mehrfach und nichts passiert. Man quert einen Landstrich, findet ihn schön. Dabei bleibt es. Dann, mit etwas mehr Zeit und Muße, erkennt man plötzlich, da ist mehr als gedacht. Man wird neugierig und mit ein wenig Glück,  verliebt man sich. Es entsteht der Wunsch mehr zu entdecken. Und genau das, könnte sich so in der Region Vorarlberg, dem kleinsten Bundesland Österreichs abspielen!

Vom Fell zum Riemen – Herstellung des Ledergürtels „Riemer“ in einer Manufaktur

Echte Handarbeit in einer kleinen Manufaktur ist eine Faszination, der man sich nur schwer entziehen kann. Dieser Prozess, wenn etwas entsteht, wenn man auswählt, vergleicht und sich festlegt, wenn es beginnt, nach den Materialien zu riechen, wenn eifrige Hände verändern und bewegen: Das ist ein ganz besonderer Prozess! Ich liebe ihn sehr. Der schönste Moment ist für mich das fertige Produkt. So ging es mir unlängst in einer kleinen Ledermanufaktur am südlichen Alpenrand. Ich war zunächst hunderte von Kilometern gefahren. Es war mein erster Besuch dort und es galt, Unmengen an Möglichkeiten und Material zu sichten.  Die kleine Manufaktur erinnert nicht an eine Fabrik, aber umso mehr an ein riesiges Kuriositätenkabinett. Also genau die richtige Atmosphäre für mich. Inspiration ohne Ende und die Alpen drum herum. Die Entscheidung  fiel mir trotzdem schwer und ohne genaue Planung gibt es keine guten Produkte. So reisten wir kurze Zeit später ein zweites Mal an. Diesmal mit klaren Vorstellungen und präzisen Vorgaben. Was daraus entstand sieht man hier:  der Ledergürtel „Riemer“. Der Gürtel wurde nach meinen Vorgaben aus dem …

Gmundner Keramik: Österreichs Geschirr-Manufaktur am Traunstein

Salzburger Land. Gmunden. Die markanten Konturen des Traunsteins stechen mir zuerst ins Auge, als ich auf Gmunden zufahre. In Gmunden ist die Keramik zuhaus. Erste Erwähnungen sind auf das Jahr 1492 datiert. Bis ins 17. Jahrhundert geht das bekannte Muster „grün geflammt“ zurück und 1905 wird das Gebäude erbaut, in welchem noch heute die Fertigungsräume liegen und deren Besuch ich hier kurz beschreiben möchte. Gmunder Keramik ist ein variantenreiches Geschirr, welches zu 100% in Österreich gefertigt wird. Jedes Teil wird im Haus gegossen, gebrannt, bemalt und verpackt. Jedes Stück ist ein Unikat. Die Geschirrserien sind traditionell und aufgrund moderner Fertigungstechniken dennoch zeitgemäß im Design und in der Ausrüstung. Alle Teile Gmundner Keramik sind seit 2003 spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Nach schwierigen Zeiten ist es gelungen den Traditionsbetrieb auf neuen Kurs zu bringen. Nicht ganz leicht war es, denn zahlreiche Inhaberwechsel und die starke Konkurrenz von Billigimporteuren drohten dem alten Unternehmen, welches 87% der Österreicher kennen und wovon in fast jedem Haushalt Österreichs ein Teil steht, das Wasser abzugraben. Im Folgenden beschreibe ich meine Eindrücke von einer …

Großglockner Wallfahrt – Pinzgauer Wallfahrt nach Heiligenblut

Salzburger Land. Großglockner. Auf meiner letzten Reise in die Alpen traf ich eine Journalistin, die mir  von Österreichs größter Wallfahrt an der Großglockner Hochalpenstraße berichtete. Da ich immer wieder nach interessanten Wanderungen und Unternehmungen in den Alpen gefragt werde, möchte ich dieses hier kurz vorstellen. Sofern ich selbst einmal die Möglichkeit habe, folgt selbstverständlich ein Live-Bericht!

Kohl Bergapfelsäfte – eine virtuelle Sause

Südtirol. Sicher bin ich nicht, ob der freundliche Apfelbauer mich nach diesem Foto hätte noch kosten lassen.. Aber dennoch: die Apfelplantagen Südtirols haben schon immer eine große Anziehungskraft auf mich ausgeübt. So auch beim Befahren der alten Brennerstraße Richtung Süden, auf der man kurz vor Bozen die Region um Lengstein Ritten passiert. An den Berghängen wachsen saftige Trauben, knackige Bergäpfel, Esskastanien und vieles mehr. Das Rittener Hochplateau gehört zu einem der schönsten Wandergebiete in den Alpen. Man fährt zum Skifahren auf’s Rittener Horn, im Herbst zum Toergellen oder erwandert im Sommer das Gebiet mit Europas schönsten Erdpyramiden. Eher durch Zufall las ich unlängst auf Facebook von einem Obsthof, dessen edle Apfelsaftflaschen mir bei meinem letzten Besuch in der Region aufgefallen waren. Der Kohl-Obsthof Troidner ist am Ritten ansässig und stellt auf 900 m über dem Meeresspiegel sortenreine Bergapfelsäfte her, die wohl nicht nur in den Alpen Ihresgleichen suchen! Neben sortenreinen Pressungen wie  Rubinette, Pinova, Jonagold, Elstar, Gravensteiner und Rouge, gibt es wunderbare Variationen mit Marille, Hollunder oder  Beerenfrüchten. Ich hatte damals eine Flasche Bergapfelsaft mit …

Engel Flügel Weckglas

Hinter jeder Tür ein Mensch – Unser Adventskalender 2012

Ja oder nein? Gerade zu Advent und Weihnachten gibt es an manchen Orten viel zu viel. An anderen deutlich zu wenig. Weswegen wir uns entschieden haben nicht wahllos Geschenke zu machen, sondern lieber mal da zu helfen, wo Hilfe direkt ankommt oder dringend Not tut. Und dennoch: ein Adventskalender ist eine Möglichkeit in der Vorweihnachtszeit Freude zu schenken.

Tuifl-Maske Krampuslauf Tirol

Brauchtum in Tirol | Krampuslauf

Stubaital. Tirol. In diesen Tagen beginnen in zahlreichen Orten in den Alpen die Krampus- oder auch Tuifl-Läufe, ein Brauch, von dem ich bis zum Herbst 2012 noch nichts gehört hatte. Gruselig geht es bei diesen Umzügen zu und ich würde mir das Spektakel gern einmal ansehen. Unsere Drechslerei, von der ich bei jedem Besuch die handgesägten Holzherzen aus altem Stadlholz und Küchenbretter aus Tiroler Alpenholz mitnehme, wirkt nach außen hin sehr beschaulich. Man könnte sie als unmodern bezeichnen, weil sie keinerlei Zugang zu moderner Technik hat. Es gibt keine Webseite und noch nicht einmal eine Mailadresse.  Wenn ich etwas kaufen möchte muss ich hinfahren und es selbst abholen oder ich kann es eben nicht verkaufen. Aber in meinen Augen ist diese Werkstatt sehr gemütlich.

Tiroler Reine Seife Gletschermilch

Duft der Alpen: Tiroler Reine Seife

Innsbruck. Tirol. Es war mir tatsächlich nicht zu blöd. Ich hatte ein Stück Tiroler Reine Seife Gletschermilch im Gepäck, als ich vor kurzem  „Top of Tyrol“ auf dem Stubaier Gletscher besuchte. Denn aus den Tiroler Bergen kommen die Grundstoffe, die die Tiroler Reine Seife zu einem besonderen Erlebnis für die Sinne werden lassen. Und weil ich die Dinge so gern in der Umgebung zeige, mit der ich sie verbinde, musste die Seife einmal im Rucksack mit hoch auf den Gletscher.

Besprechungszimmer raumgestalt

wohlgeraten zu Besuch bei raumgestalt

Bernau. Schwarzwald. Im April 2012 führte unsere Rundreise  „wohlgeraten unterwegs“ zunächst in den tiefsten Schwarzwald – nach Bernau. Die Firma raumgestalt ist eine kleine, inhabergeführte Firma. In einer denkmalgeschützten, mit Liebe zum Detail restaurierten Scheune von 1776 werden von einem kleinen Designteam praktische Dinge für den Haushalt, Geschenkideen und Möbelstücke kreiert. Frau Rothe, die Inhaberin, begrüsst uns herzlich und führt uns durch die Räumlichkeiten. Wir erfuhren viel über das traditionelle Schwarzwaldhaus und erhielten Einblick hinter die Kulissen unseres Lieferanten. Viele der ca. 250 Artikel von raumgestalt werden in der Scheune selbst konfektioniert. Einiges übernehmen Frauen aus der näheren Umgebung. So haben diese die Möglichkeit der Heimarbeit, was gerade in ländlichen Regionen wie dem Schwarzwald  Tradition ist und den Frauen hilft, Beruf und Versorgung der eigenen Haushalte miteinander zu vereinbaren. Im Schwarzwald gibt es traditionell viel Holzhandwerk. Schreiner aus den umliegenden Ortschaften liefern beispielsweise Holzbretter, die wir bei wohlgeraten verkaufen. Ebenso haben die ortsansässigen Schreiner geholfen das alte Bauernhaus zu restaurieren: als die Zimmerleute unbedingt alte Holzdielen gegen einen neumodischen Betonboden eintauschen wollten, setzte sich die …