Food, Tradition und Handwerk, Vorarlberg
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Schobel – Von Saubirnen zu Höchstgenuss

Schobel getrocknete Äpfel Weirouge

Höchst. Vorarlberg. „Wir verarbeiten hier nur allerbeste Lackware, wenn Sie verstehen, was ich meine.“ Ja! Ich verstehe. Es ist der Satz, der die hingebungsvolle Arbeit von Harald Schobel, seine Leidenschaft für seine Produkte, von der getrockneten Bodensee-Erdbeere, über eingelegte „Schwarze Nüsse“ bis zum selbstgebrannten „Subirer“, wohl am vollkommensten beschreibt. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit.  Ein Vorarlberger, der als Werkzeugmacher seinen Berufsweg begann, über den Vater an die Schnapsbrennerei herangeführt wurde und nun ab Hof (mit angrenzender Streuobstplantage)  Edelbrände und selbst produzierte regionale Trockenfrüchte verkauft. Die Ware, unter dem Label „Schobel Höchstgenuss“ am Markt eingeführt, ist  qualitativ so hochwertig, dass auch Haubenköche aus dem Umland gerne bei Schobel kaufen.

Schobel Höchstgenuss - Eingang zum Verkaufsraum

Schobel Höchstgenuss – Eingang zum Verkaufsraum

Von der Streuobstwiese zum Genuss-Betrieb

Harald Schobel ist ein geduldiger Kämpfer. Die fruchtbaren Voraussetzungen die gegeben waren, hat er ergriffen und etwas Neues daraus geschaffen. Wer Schobel Höchstgenuss betritt, erlebt ein Unternehmen, dass bis auf die Brennerei völlig neu aufgebaut wurde. Seine Fertigkeiten hat Harald Schobel sich durch viele Versuche und Studien erst nach und nach angeeignet und mit den Jahren perfektioniert. Das zeigt anschaulich, dass Österreich nicht nur aus alten Wurzeln wächst. Es gibt auch hier Unternehmer, die frisch an den Start gehen und eine Firma von Grund auf aufbauen (was nicht ausschließt, dass sie dabei gern auf die Erfahrungen der „Alten“ zurückgreifen).

Im Falle von Harald Schobel sieht der Neuanfang so aus: vorhanden ist eine Streuobstwiese mit einem ungewöhnlichen und nur in dieser Region vorkommenden Obstsorte. Saubirnen, in Vorarlberg auch Subirer genannt, sind durch ihre Unbekömmlichkeit im rohen Zustand für den Menschen kaum von Interesse. Sie werden als Viehfutter verwendet. Das jedoch hat als solches keinen nennenswerten wirtschaftlichen Nutzen. Harald Schobel verfügt bei seinem Start über einen Streuobstgarten mit 30 bis 40 Bäume dieser Sorte.

Durch seinen Vater ist ihm bekannt, dass man aus den Saubirnen einen Obstbrand herstellen kann. Dieses Wissen macht er sich zunutze und destilliert in der heimischen Brennerei zunächst den Subirer. Ein aromatischer Obstler, den ich schwer beschreiben kann. Man muss ihn selbst verkosten.

Als der Subirer-Edelbrand bei den Vorarlberger ankommt, schöpft er Mut. Die Saubirne wächst an Bedeutung. Kompromisslos in Bezug auf die Qualität der Früchte, erweitert Harald Schobel nach und nach seine Obstplantage und baut sie so stark aus, dass die inzwischen mehrere tausend Bäume umfasst. Rückschläge wie einen Krankheitsbefall der Bäume, wehrt er tapfer ab.

Nachdem die Edelbrennerei gut läuft und Schobel sein Geld hauptberuflich noch als  Werkzeugmacher verdient, reift der Gedanke einen weiteren Produktzweig zu kultivieren: die Herstellung von Trockenfrüchten.

Regionalität und Qualität

Von Anfang an knobelt Harald Schobel über das „ideale Produkt“. Nicht das bereits bekannte Trockenobst will er anbieten, sondern eine ausgesucht feine Ware, die sich durch den Erhalt natürlicher Aromen, durch besonders schonende Trocknung und eine appetitliche Farberhaltung auszeichnen soll. In einem speziell ausgeklügelten System und modernen Trocknungsschränken, erleichtert er deshalb Tag für Tag Früchte um 90% ihres Flüssigkeitsgehaltes. Das Verfahren ist so schonend, dass sämtliche Vitamine, Enzyme, Spurenelemente und Mineralstoffe erhalten bleiben. Alle verarbeiteten Früchte kommen aus der näheren Umgebung. Regionalität ist dem Vorarlberger sehr wichtig.

Wer bei Trockenobst an fade weiße Apfelschluffen denkt, wird fortan enttäuscht. Die Farben von Schobels Trockenfrüchten sind intensiv und leuchtend. Sie kommen ohne Zusatzstoffe aus und schmecken aromatisch und frisch. Das diese Qualität eine gute Vorbereitung und hochwertige Basisware voraussetzt, erklärt sich eigentlich von selbst. Eine der größten Herausforderungen für die Schobels, besteht deshalb darin, das frische vollreife Obst schnell zu entsteinen, zu schneiden und entsprechend vorzubereiten, um es  so frisch wie nur irgend möglich in die Trockenschränke zu bringen. Besonders bei Früchten wie Erdbeeren muss das sehr schnell gehen. 120 kg werden in der Saison an einem Tag geschnitten – bis zu zwei Tonnen pro Jahr. Alles kommt aus der Region. Da das alleine praktisch unmöglich ist, wird Harald Schobel an solchen Tagen von seiner Frau unterstützt. Ab und an kommen auch fremde Gehilfen.

♦ Etwas einfacher als bei den Erdbeeren vom Bodensee ist die Verarbeitung von Äpfeln und Birnen. Diese Früchte lassen sich für einen Moment lagern.

Liebling der Haubenköche: Schobels Schwarze Nüsse

Auf eine Spezialität seines Sortiments ist Harald Schobel besonders stolz, denn daran hat er  viele Jahre intensiv gearbeitet. In einem uralten Verfahren konserviert er Walnüsse und legt sie in einen süßen gewürzten Sirup ein, um sie dann als sogenannte „Schwarze Nüsse“ an seine Kunden, aber auch zahlreiche Haubenköche abzugeben. Diese Nüsse werden in dünne Scheiben geschnitten zu Käse oder anderen Kleinigkeiten gereicht. Eine ungewöhnliche und inzwischen selten gewordene Rarität aus dem Alpenraum.

Schobel Höchstgenuss - Schwarze Nüsse

Schobel Höchstgenuss – Schwarze Nüsse

Die Herstellung Schwarzer Nüsse ist zeitaufwendig. Die Früchte müssen etwa am Johannistag im Juni geerntet werden. Zu dieser Zeit sind die Walnüsse noch lange nicht reif. Händisch werden sie mehrfach eingestochen und dann über Wochen hinweg gewässert. Es folgt ein Prozess des Aufkochens und Würzens, bis sie schließlich in den eigens hergestellten Sirup eingelegt werden.

Gut eingelegte Schwarze Nüsse sind eine solche Spezialität, dass selbst von Vorarlberger Haubenköchen gern bei Schobel Höchstgenuss erworben werden.

♥ Ich habe sie zum ersten Mal in Vorarlberg auf der →Messe Gustav  beim Chefs Table von Haubenkoch Valentin Bargher probiert. Köstlich!

Sternekoch Valentin Bargher vom Rössle in Braz

Sternekoch Valentin Bargher vom Rössle in Braz

Zukunftsmusik

Harald Schobel möchte den Betrieb klein halten.  Trockenfrüchte von Schobel Höchstgenuss, die Schwarzen Nüsse und der Obstbrand werden im gehobenen Fachhandel vertrieben. Die eingelegten Schwarzen Nüsse passen zu Wild, Käse oder zu einem Dessert. Auch den Sirup kann man verwenden.

Für Harald Schobel gibt es viel zu tun. Ich wünsche ihm  von Herzen den Erfolg den er verdient.

♥ Temporär werden die Trockenfüchte  von Schobel Höchstgenuss und auch seine Schwarzen Nüsse über meinen → Onlineshop Wohlgeraten vertrieben.


Schobel Höchstgenuss

Harald Schobel
Frühlingsgarten 7
6973 Höchst
Österreich


Ein weiteres interessantes Rezept für Walnüsse ist dieses:

→ Rezept für Nussler – Nusslikör einfach selbermachen ←

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Charis

Freie Journalistin, Reisebloggerin, Social Media und PR für Hotels und Destinationen bei Charis Stank – wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten.de
Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint,es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.
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Kategorie: Food, Tradition und Handwerk, Vorarlberg

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Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint, es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.

2 Kommentare

  1. Pingback: Fenkart Schokoladenmanufaktur - Hohenems | Wohlgeraten Tagebuch - Alpen - Leben - Stil

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    Christina sagt

    Haha, wie interessant! Die Familie Schobel ist mir sehr gut bekannt (und natürlich ihr Schnaps) und mein Mann kommt aus der kleinen Gemeinde Höchst (von dem sich der Name ableitet ;-D). Und genau bei dir lerne ich, dass sie auch noch Trockenfrüchte herstellen! Das wusste ich nämlich noch nicht. :-)

    Liebe Grüße
    Christina

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