Restaurant-Empfehlungen, Tirol, Wanderungen
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Gault Millau auf der Alpe? Die Krinnenalpe im Tannheimer Tal / Tirol

Almwirt Krinnenalpe – Martin Rief

Inmitten der Tiroler Bergwelt, auf 1530 Metern Höhe, liegt die Krinnenalpe bei Nesselwängle im Tannheimer Tal. Sie wird, neben 71 weiteren bewirtschafteten Hütten und Almen Tirols, im aktuellen Gault Millau Hüttenguide Tirol 2018 empfohlen. Auf einer Pressereise nach Tirol habe ich die Hütte angeschaut.

Langsam zuckelt der Zweier-Sesselift Richtung Krinnenspitze hinauf. Immer kleiner wird der ohnehin kleine Ort Nesselwängle. Wie ein Teppich breitet sich das Tannheimer Tal unter uns aus. Der Tag ist sonnig und die umliegende Bergwelt prächtig. Fast zu schade, um nicht wandern zu gehen.

Seilbahn zur Krinnenalpe

Seilbahn zur Krinnenalpe

Gekommen, um zu frühstücken

Wir sind gekommen, um zu frühstücken oder zumindest das zu probieren, was man hier oben ein Frühstück nennt.

Die Krinnenalpe ist eine bewirtschaftete Alm, die 1966/67 erbaut wurde, um den Berg neben der Landwirtschaft nach und nach touristisch zu erschließen. Heute liegt sie inmitten eines Ski- und Wandergebietes. Vom Tal aus gut zu erreichen und durchaus (so wie bei uns) für einen kurzen Ausflug mit viel Aussicht gut.

Wir nehmen an einem der zahlreichen Tische Platz und erfreuen uns an der Aussicht auf die Nesselwängler Gimpelgruppe mit Gimpel, Rote Flüh, Schartschrofen und Läuferspitze. Wie eine  gigantische Skulptur präsentieren sie sich auf der gegenüberliegenden Seite des Tales.

Maria, die gute Seele des Hauses, versorgt uns mit Getränken. Die Buttermilch aus dem eigenen Stall schmeckt fantastisch. Riesige Pfannen, immer eine für zwei, werden herangetragen. Sie sind mit Eiern, Speck und Käse gefüllt und gelten als Spezialität des Hauses. Appetitlich sieht es aus, aber vielleicht hätten wir doch zu Fuß kommen sollen? Die Portionen sind üppig und schmecken so gut wie sie aussehen. Und trotzdem: in jeder Pfanne bleibt ein Rest.

„Manche träumen vom Leben auf der Alm, aber…“

Martin Rief, der Wirt der Hütte, läuft derweil noch eifrig um das Haus. Das Vieh ist zu versorgen und der Ansturm der Gäste in der Mittagszeit vorzubereiten. Nachdem das Gröbste erledigt ist, schenkt er uns ein paar Minuten Zeit. Gastfreundlichkeit scheint zu seinen Grundeigenschaften zu gehören. Ein munter dreinblickender Mann, der seine Bestimmung gefunden hat. Martin bewirtschaftet die Krinnenalpe seit 1986. – 32 Jahre lang morgens um 6.00 Uhr auf den Berg und gegen acht, neun Uhr wieder herunter ins Tal. So geht es Tag für Tag bis auf den November und ein paar Wochen im Mai und Juni. Zehn Monate im Jahr hat die Alpe geöffnet, vier Monate im Jahr in Gemeinschaft mit dem Vieh. Etwa 150 Kühe sind im Sommer auf der Alm, außerdem sind die Gäste zu versorgen und 20 Lager für Wanderer gibt es auch.

„Manche träumen vom Leben auf der Alm, aber man muss schon was tun dafür, dass es funktioniert.“ Ein wenig nüchtern fällt die Antwort auf die Frage, was das Schönste oben am Berg sei, wohl deshalb auch aus.

Wir beenden unser „Frühstück“ mit großen Pfannen Kaiserschmarrn. Zu jeder Jahreszeit das beliebteste Essen hier oben, wie Martin verrät. Zur Verdauung spendiert er einen 7-Kräuter-Schnaps, den er sich von Florian Kranebitter aus Inzing auf der →Tiroler Schnapsroute brennen lässt. „Die Kräuter wachsen rund ums Haus auf dem Berg.“ Der klare Schnaps schmeckt, aber zum Frühstück? Dafür muss man wohl Tiroler sein.

Ich mache noch einen kurzen Abstecher in Martins Küche. An einem gemütlichen kleinen Tisch darf ich zuschauen, wie er seine Bauernpfanne zubereitet. Das Rezept gibt’s obendrauf.

→ REZEPT Tiroler Bauernpfanne à la Krinnenalpe

Gault Millau oder was?

Von Gault Millau spricht hier keiner, auch wenn die Alm im neu erstellten Hüttenguide auf Seite 41 vorgestellt wird. Bergkäse, deftige Sulz und Speck aus eigener Produktion werden gelobt. Das können wir bestätigen. Von Martins Pfanne oder dem Kaiserschmarrn ist nicht die Rede. Ein Fehler wie ich finde, aber wie auch immer: die Zutaten sind frisch, der Speck aus Tirol und der Käse aus dem Tal. Es ist wie Georg S. als Rezension auf Google erklärt:

„Die Hüttenpfanne ist ein Muss. Am besten zu zweit dann passt auch noch ein Apfelstrudel rein. Sehr freundliches und aufmerksames Personal. Sollte es Zuhause auch geben. Preise normal. Machmal etwas eng, dafür kanns um so geselliger hergehen.“

Für den letzten Teil der Beschreibung muss ich wiederkommen…

Charis - Krinnenalpe Tirol

Charis – Krinnenalpe Tirol


Krinnenalpe – Nesselwängle

Tannheimer Tal / Tirol
→ krinnenalpe-tirol.at


Der Gault Millau Hüttenguide Tirol 2018 erschien im Winter 2017 zum ersten Mal. In ihm werden 72 Almhütten Tirols getestet und bewertet. Unterschieden wird in Hütten für Gourmets, Familien, Sommer, Winter und Hütten mit eigenen Produkten. 

Wonach die Hütten bewertet wurden und warum einige der Wirte keine Kenntnis von dem Guide hatten, blieb unklar. Eine Stellungnahme seitens Gault Millau steht noch aus.

Hier gibt es außerdem eine zweite Sichtweise – die Schweizerin Beatrice Käser war gemeinsam mit mir auf Tour. → Lest hier ihren Artikel.

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Travelblogger, Journalist, Online-Shopmanager bei wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von Wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit Wohlgeraten mache.
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