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Jacobs Restaurant – Hamburgs schönster Elbblick

Menü Jacobs Restaurant Hamburg

Hamburg. Weiße Villen, Elblick und riesige Schiffe – es hat schon etwas Majestätisches, wenn man Hamburgs Elbchaussee stadtauswärts folgt. Zur Rechten passiert man den malerischen Jenischpark und uferseitig das beschauliche Teufelsbrück mit seiner kleinen Marina. All jene, die die Hausnummern mit der ungeraden Zahl an der Türe haben, haben das größere Los gezogen. Diese Grundstücke liegen direkt an der Elbe.

Fährt oder spaziert man weiter, erreicht man Nienstedten und aus der umtriebigen Hansestadt wird unversehens ein gemütliches Dorf. Die Häuser sind niedriger, der Blick auf die Elbe etwas freier und um eine kleine rote Backsteinkirche stehen Bäume und Bänke. Es wird ländlich!

Hier in Nienstedten am Elbufer befindet sich eines der schönsten und traditionellsten Hotels von Hamburg: das 1791 eröffnete Hotel Louis C. Jacob.

Louis C. Jacob – Viel Geschichte und ein Neuanfang

Glaubt man der Geschichte, hat sich der französische Landschaftsgärtner Daniel Louis Jacob in die Zuckerbäcker-Witwe Margaretha Catharina Burmester verliebt. Vor der französischen Revolution geflüchtet, kauft er ihr das Anwesen ab und heiratet sie. 1791 eröffnet er erstmals eine Herberge mit Weinausschank auf dem Grundstück Elbchaussee 401-403.

Von Beginn an macht sich das Haus einen Namen und ist schon bald über Hamburgs Landesgrenzen hinaus bekannt. Vier Generationen lang ist das Hotel in Familienbesitz und erlebt eine glanzvolle Zeit, bis es durch Aussterben der Familienlinie an einen Pächter übergeht. In den siebziger Jahren ist das Hotel fast am Ende. Das Inventar wird versteigert, eine Ära scheint vorbei.

1993 wandelt sich das Blatt – aus dem alten Jacob wird ein modernes Luxushotel, Das Herzstück des Hauses bleibt der alte Trakt an der Elbe mit dem traumhaften, bereits von Louis angelegten Lindengarten mit Elbblick. Auch ein Eiskeller, der um 1850 angelegt wurde, wird freigelegt und dient nur als Weinkeller.

Das neue Louis C. Jacob bleibt Luxushotel mit fünf Sternen und Rückzugsort für illustre (und zahlungsfähige) Gäste aus aller Welt. – Die Restaurants „Jacobs Restaurant“ und „Das kleine Jacob“ sind auch bei Hamburgern beliebt.

Lobby Hotel Louis C. Jacob Hamburg

Die Lindenterasse in Jacobs Restaurant

Meine Anfahrt ist umständlich, denn das vorweg: Wer aus der Innenstadt anreist, nimmt lieber Auto oder Taxi. Das Jacob liegt für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs etwas weniger gut. Aber der Gast wird entlohnt mit Aussicht und gutem Service. Insofern: wer sich wie ich auf öffentliche Verkehrsmittel einlässt, der hat halt das Glück ein Glas Wein mehr trinken zu können.

Man betritt das Hotel über den Haupteingang, der ohne viel Pomp daherkommt, dafür mit schönem Blumenschmuck und ohne, dass dem Besucher die Tür aufgerissen wird. Gleich hinter der Tür wartet ein hanseatisch zurückhaltender Empfang. Angenehm.

Kaminzimmer Hotel Louis C. Jacob Hamburg

Links neben der Rezeption führt der Weg in ein Kaminzimmer. Bereits hier laufe ich Restaurantleiter Christoph Koch in die Arme, der mich sofort freundlich in Empfang nimmt. Meine Verabredung ist bereits da und wirft einen Blick in die Küche des Hauses. Ich darf kurz hinterher. Ein besonderer Moment an diesem Abend.

Wir gehen ein paar Treppen hinab und schauen in das Herz des Hauses: das Reich von Küchenchef  Thomas Martin. Der gebürtige Mannheimer hat mit seinem Team bereits alle Hände voll zu tun. Wir sehen zu, wie gekonnt der Gruß des Hauses und einige Vorspeisen auf den Tellern angerichtet werden und automatisch wächst der Appetit.

Durch den Speisesaal des Jacob werden wir auf die historisch interessante Lindenterrasse geleitet und nehmen an einem fein gedeckten Tisch mit Elbblick Platz.

Das erste Containerschiff lässt nicht lang auf sich warten. Aufmerksam, wie man hier ist, wurde natürlich längst neben der Menükarte ein Fernglas bereitgelegt. Das erlebt nun schnell seinen ersten Einsatz. – Statt Gämsen und Hirschen, wie ich es sonst gewohnt bin, sind es hier die Schiffe, die einen besonderen Zauber ausüben.

Einfachheit auf höchstem Niveau – Ein Slogan hält Wort

Die Beratung zum Menü ist fachkundig. Wer hier hanseatische „Steifheit“ erwartet, wird enttäuscht. Es geht locker und unkompliziert zu. Ganz anders, als ich es bei meinem ersten Besuch vor nunmehr zwanzig Jahren erlebt hatte. Die Crew hat Spaß, lächelt und das wirkt sich auf Befinden und Genuss der Gäste positiv aus. Der warme Sommertag begünstigt das Treiben.

Die Karte ist durch Gerichte mit regionaler Ausrichtung geprägt. Dank einer gewissen Übersichtlichkeit ist das Festlegen auf eine Menüfolge nicht sonderlich schwer. Einfachheit auf höchstem Niveau – damit wirbt Jacobs Restaurant und das trifft durchaus den Kern.

Wir entscheiden uns für das Menü – roh marinierter Loup de Mer, Samtsuppe vom Hummer, lauwarmer Gemüsesalat, glasierter Saint Pierre, Erdbeere, Baiserschaum und Limette. Nur den Rehrücken tausche ich gegen das Holsteiner Kalbsfilet mit Ibericoschinken und Waldpilzen. Die einzige Entscheidung, die ich an diesem Abend möglicherweise ein wenig bedaure.

Sophia

Meine Verabredung Sophia Schilik – Die Kölner Food-Journalistin hatte die Idee für diesen wunderbaren Abend.

Der Gruß aus der Küche kommt auf Kieselsteinen. Und weil ich meinen Abend genießen will, muss ich an dieser Stelle passen und Bilder sprechen lassen. Ich konnte mir in der Fülle der Gänge leider nicht alle Details merken. Schmeckt oder schmeckt nicht, sind in meiner Erinnerung dann stets die entscheidenen Argumente.

Aber es schmeckt. Und wie!

Gruß Jacobs Restaurant Hamburg

Die einzelnen Gänge werden am Tisch angerichtet. Hier ein Löffel Soße, die Hummersuppe zunächst nur aus dem Hummerfleisch bestehend, wird vor unseren Augen aufgegossen.

So bietet das Jacobs nicht nur dem Gaumen, sondern auch dem Auge einen gewaltigen Genuss. Aufmerksames Hinschauen und Zeit nehmen für jeden Gang lohnt sich.

 

Nach Champagner, Vorspeise und Zwischengerichten, ist der Fond vom Holsteiner Kalb mein einziger Kritikpunkt an diesem Abend. Heftig salzig kommt er daher und trifft so einfach nicht meinen persönlichen Geschmacksnerv. Das Fleisch ist köstlich und auch der wilde Brokkoli ist eine Bereicherung. Vielleicht hätte ich halt doch lieber das Reh genommen…

Das abschließende Dessert, die kleinen Süßigkeiten aus der Patisserie und die nun fast leere Terasse mit Blick auf die nächtliche Elbe lassen keinerlei Unbill zu. Ich bin rundweg zufrieden. Ein traumhafter Abend.

Ausklang am Kamin

Als der Service die Kissen ins Haus trägt, ziehen wir uns mit einem letzten Glas Wein vor den Kamin zurück. Wer von hier noch einmal um die Ecke schaut, kann noch einen Blick auf Bar und den Eiskeller (Weinkeller) werfen.

♥ Ein Abend im Jacobs kostet. Ganz klar – es handelt sich um ein luxuriöses und nicht alltäglich wiederholbares Vergnügen. Trotzdem möchte ich das Jacobs von Herzen empfehlen. So viel Genuss auf hohem Niveau, schöne Aussicht und selbstverständliche Atmosphäre in einem besonderen Umfeld kann man in Hamburg nur an ganz wenigen Orten erleben.


Jacobs Restaurant | Hotel Louis C. Jacob

Elbchaussee 401-403
D 22609 Hamburg
Telefon +49 40 822 55 0

jacobs-restaurant.de


Charis by Sophia Sch.

Charis – Foto © Sophia Schillik

Charis
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3 Kommentare

  1. Avatar
    Vroni sagt

    Schade, dass es sehr teuer ist. Wir haben es trotzdem in unsere Wunschliste für Hamburg aufgenommen.
    Veronika

  2. Avatar
    Werner H. sagt

    Was für ein schöner Bericht über dieses wunderbare Haus. Bravo!

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