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Unterwegs mit… Stefan Sagmeister – Vorarlberger und Grafikdesigner aus New York

Interview mit Stefan Sagmeister

In der Interview-Reihe „Unterwegs mit…“ stelle ich sechs Fragen an Menschen die mich begeistern, die spannende Ideen und Lebenswege haben und mit denen ich mir eine Wanderung samt gemütlicher Brotzeit  vorstellen kann. Heute:

Stefan Sagmeister – Grafikdesigner aus New York

Stefan Sagmeister

Stefan Sagmeister im MKG Hamburg

Anlass für das Interview war die Ausstellung „BEAUTY“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Spannend als Interviewpartner macht ihn aber nicht nur sein großartiges Oeuvre als Grafikdesigner, sondern seine Herkunft. Stefan Sagmeister stammt aus Bregenz und reist trotz seines dauerhaften Wohnsitzes in New York nach eigener Aussage noch immer fünf- bis sechsmal pro Jahr in seine Heimat Vorarlberg.

Einige Fragen die einen direkten Bezug zur Ausstellung haben, kann man in diesem Artikel nachlesen:  Zum Artikel → Sagmeister & Walsh – „BEAUTY“ im MKG Hamburg ←

♥ Die Ausstellung BEAUTY im → Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg (MKG) läuft vom 15.12.2019 – 26.4.2020.  – Mehr über die Arbeit von Stefan Sagmeister → sagmeisterwalsh.com 

Stefan Sagmeister ist außerdem auf Instagram: →instagram.com/stefansagmeister

Sechs Fragen an Stefan Sagmeister

1. Erster Gedanke morgens beim Aufwachen?

Das ist hoffentlich jeden Tag ein anderer. (lacht) Das wäre ja sonst traurig. – Ich glaube heute sind meine Gedanken noch einem Traum nachgehangen. Ich war in einem alten Haus, das ein verrücktes Dach hatte, im Dachstuhl unterwegs…

2. Wenn Sie auf Reisen sind, was bevorzugen Sie: Hütte oder Designhotel?

Das kommt jetzt auch wieder drauf an wo ich unterwegs bin. Wenn ich in Schwarzenberg bin, im Bregenzerwald, möchte ich niemals ins Designhotel, aber

(C.S.) … in Schwarzenberg immer in den Hirschen?

Ja. ganz genau. In Schwarzenberg immer in den Hirschen. In New York möchte ich jetzt aber auch nicht in einer Hütte wohnen. Ich stehe dem Begriff des Designhotels inzwischen aber etwas kritischer gegenüber, weil ich in so vielen schon gewohnt habe. und diese sind von unglaublich unterschiedlicher Qualität. In den 80ger Jahren, 90ger Jahren hatte ich die  große Hoffnung, dass das auch eine Möglichkeit für den Ausdruck lokaler Kultur sein wird. War dann aber doch eher enttäuscht, weil  da oft nur ein internationaler Stil, vielleicht mit einem lokalen Gimmick gemacht worden ist. Also selten eigenständig lokal, was ich gesehen habe.

Aktuell war in in einem schönen in Gent / Belgien, aber das ist fast die Ausnahme. Die Regel ist ein 0815 Modernismus, der oft die gleichen Fehler wiederholt, der häufig nicht sehr funktional ist und für die Nicht- Funktionalität häufig eine nicht gleich hohe Wertsteigerung der Schönheit bietet. Der von daher auch ärgerlich ist. Es gibt natürlich alles: vom besten bis zum miserabelsten. Meine zunächst hohen Erwartungen an das Designhotel haben sich jedenfalls nicht erfüllt.

3. Speckbrett oder Drei-Gänge-Menü?

(lacht) Meine Antworten sind langweilig. Beides. Aber eigentlich  lege ich mich schon ganz gern fest. Also wenn ich jetzt in den kommenden Tagen nach Bregenz zu meiner Familie reise, dann werde ich garantiert hier und da beim Skifahren ein Speckbrett essen und ich werde aber auch garantiert zwei bis dreimal in der Woche sehr aufwendig und nobel mehrgängig essen gehen. Das bräuchte ich niemals jeden Tag. Es wäre eher ein Fluch. Aber weil das Essen in Lech so gut ist (neun meiner zehn besten Essen in Österreich, habe ich wohl in Lech gegessen), wird das so sein.

Ich glaube, die Schönheit hat halt viel auch mit der Abwechslung zu tun. Das war möglicherweise ein Fehler beim Bauhaus. Es war eben nicht erkennbar damals, dass die Wiederholung der gleichen Elemente einen unglaublichen Einfluß darauf hat, wie wir sie sehen. Es  gibt ein wunderbares Interview von Niemeyer  (brasilianischer Architekt) der von einem Besuch von Walter Gropius bei ihm in Rio de Janeiro erzählt und als dieser sein Haus besichtigt, als erstes fragt „Ist das reproduzierbar?“. Niemeyer schaut ihn an und sagt, was für eine dumme Frage. – Ich glaube  das wir die Abwechslung als sehr menschlich und als etwas sehr Freudiges empfinden. Das geht ins Essen hinein und das spricht auch die Architektur an.  Wir empfinden eine Siedlung, in der sich viele Elemente immer wiederholen ganz anders, als wenn das gleiche Haus allein auf einem Platz stünde. Das gibt ein anderes Gefühl und wurde in den zwanziger Jahren einfach noch nicht so erkannt. Erst im Nachhinein konnte diese Erkenntnis korrigiert werden.

Aber: wer keine Nebeneffekte will, der muss im Bett bleiben.

4. Ski- oder Sonnenbrille?

Skibrille. Das ist einfach, weil ich keine Sonnenbrille trage.

5. Lieblingsziel in den Bergen?

Oberlech, weil meine Familie dort ein Appartment hat. Weil es erfolgreich klein geblieben ist. Es keine Hotelburgen, es gibt keine Ketten, es ist alles noch in Familienhand. Es gibt von James Turrell, einem meiner Lieblingskünstler, einen privat finanzierten Skyspace. Dort ist es zum Beispiel fantastisch zum Sonnenuntergang.

→ Skyspace Lech

Ich mag aber auch Schwarzenberg sehr gern und überhaupt den Bregenzerwald.  – Alle sieben Jahre mache ich für ein Jahr ein Sabbatical. Und mein letztes habe ich gedrittelt, war erst vier Monate in Mexico City, dann vier Monate in Tokio und dann noch vier Monate in Schwarzenberg…

Außer Mexiko City kann ich komplett folgen. Das wäre auch meine perfekte Wahl gewesen. Aber nun zum Schluß:
6. Was wäre die Lieblingsrolle in einem Heimatfilm?

Gilt die Feuerzangenbowle vom Heinz Rühmann?  Und wenn man weiter schauen würde, dann „Kottan ermittelt“ oder „Indien“ mit Josef Harderer. Das lohnt sich. Zwei Lebensmittelprüfer, die durch Oberösterreich durch die grauenhaften Landschaften fahren und in den Gastwirtschaften schauen, ob in der Küche ordentlich gekocht wird.

Vielen Dank Stefan Sagmeister. Es war mir eine Freude. 


Einen Einblick in die Happy Show, die vorangegangene Ausstellung von Stefan Sagmeister, die ich in Zürich angesehen habe, gibt es hier:

Museum für Gestaltung Zürich – „The Happy Show“ für Grafikdesign-Fans


♥ Danke an den Texter und Grafikdesigner Peter Breuer für einige Fotos
Charis
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Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel aus so vielen Teilen, dass man es niemals ganz zu Ende spielen kann. Ich wage es dennoch Teile davon gedanklich zusammen zu fügen und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Reiseziele, Küche, Architektur, Gesundheit, Wanderungen und vieles mehr.

1 Kommentare

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    Volkmar Dr. Kleint sagt

    Sympathisch und interessant.
    Seit meiner Jugend habe ich mir– wahrscheinlich fehlerfrei zitiert –eine genial kurze Aussage von F. Schiller gemerkt:
    „Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung.“

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