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Hustensaft selber machen – Rezept für Hustensirup aus Fichtenspitzen oder Rettich

Zutaten für Hustensirup aus schwarzem Rettich

Naturmedizin und die gute alte Hausapotheke stehen bei mir immer dann hoch im Kurs, wenn mein Alltag durch Unwohlsein beeinträchtigt, aber keine ernste Erkrankung anzunehmen ist. Bereits meine Mutter behandelte mich mit eisig kalten Wadenwickeln, wenn ich mit Fieber im Bett lag oder ließ mich unter riesigen Federbetten schwitzen. Erkältungen und die ersten Anzeichen einer Grippe wurden mit wunderbar köstlichem und selbstverständlich selbst gemachtem Holundersaft auskuriert. Im Sommer gab es frisch gepflückte Heidelbeeren gegen Fieber und ich konnte niemals genug davon bekommen. Selbstverständlich kam auch meine Tochter in ihrer Kindheit in den Genuss von heißer Zitrone oder Butterpflastern, sobald sich eine Erkältung ankündigte. Also alles, was ich an Wissen übernommen hatte oder auch neu durch Gespräche und Erfahrungen hinzugewann, wendete ich an.

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Beim Holunderbeeren pflücken

Beim Holunderbeeren pflücken

Während sich viele Hausmittel wie Zwiebelsaft und Zitrone zu jeder Jahreszeit leicht zubereiten lassen, weil die Zutaten jederzeit verfügbar sind, muss man für andere Rezepte jedoch bereits im Laufe des Jahres zum Sammeln unterwegs gewesen sein. Weil sich der Aufwand lohnt und die Zubereitung sehr viel Spaß macht, habe ich in diesem Artikel Möglichkeiten zur eigenständigen Zubereitungen von Hustensäften zusammen gefasst.

∇∇∇ Wie immer gilt: Hausmittel sind keine Lösung für schwerwiegende Erkrankungen. Ein Hustensaft kann lindern. Sobald sich aber hohes Fieber oder andere Symptome dazu gesellen, ist es immer ratsam einen Arzt aufzusuchen!

Hustensaft aus Fichtenspitzen selber machen

♥ Fichtenspitzen sagt man bei der Behandlung von Katarrhen der Atemwege eine lindernde Wirkung nach. Die ätherischen Öle, die in den hellgrünen Wipfeln enthalten sind, sollen schleimlösend und antibakteriell wirken. Außerdem enthalten die frischen Triebe viel Vitamin C, weshalb sie im Frühjahr geerntet, auch ein prima Mittel gegen aufkommende Frühjahrsmüdigkeit sind. Man kann die ersten Triebe also frisch vom Baum essen. Eine andere Möglichkeit ist, sie einem Salat hinzuzufügen. (Dieser Hustensirup eignet sich für einen normalen Husten. Bei Asthma oder bei Keuchhusten ist immer ein Arzt hinzuzuziehen.)

Für den Hustensirup werden die Spitzen im April / Mai gepflückt. Wenn der Winter sich erst spät verabschiedet oder in höheren Lagen gern auch noch ein wenig später.

Alles was nötig ist, sind frisch gepflückte Fichtenspitzen, ein sauberes Schraubglas (ca. 1 Liter) und die gleiche Menge brauner oder weißer Zucker (Mischungsverhältnis 1:1 zur Fichte).

Die Fichtenspitzen werden in dem Glas abwechselnd mit Zucker geschichtet, am Ende noch einmal gut angedrückt und dann an einen warmen Ort gestellt. Innerhalb weniger Stunden, beginnt sich der Zucker zu lösen und es entsteht eine hellbraune Flüssigkeit. Der ganze Prozess dauert zwei bis drei Wochen. Dann sollte sich der Zucker komplett aufgelöst haben. Zwischendurch immer mal wieder schütteln und wenden.

Am Ende die Mischung vorsichtig abseihen, die Flüssigkeit in heiß ausgespülte Flaschen füllen und bis zur Verwendung aufbewahren. Der fertige Hustensirup aus Fichtenwipfeln hält sich mehrere Monate.

Man nimmt den Hustensaft entweder löffelweise zu sich oder kann ihn in Tee oder Wasser auflösen. Fügt man der Fichten-Zucker-Mischung einen guten Schuss Grappa oder Wodka hinzu hält und schmeckt er doppelt lange. Dann eignet er sich allerdings weder für Kinder, noch zur Einnahme am Morgen.  – Ich hab das ausprobiert. Schmeckt super und hilft. ;)

♦ Bitte beachten: um die Fichten nicht zu schädigen, ist es wichtig immer nur einige wenige Triebe pro Baum zu entfernen. Sobald man merkt, dass schon jemand unterwegs war, besser eine andere Sammelstelle suchen. Und auf keinen Fall mehrere Bäume nebeneinander einfach leer räubern! Der Wald wird es euch danken.

Hustensaft aus schwarzem Rettich selber machen

Ein Rezept, für das man nicht so früh im Jahr unterwegs sein muss, ist der Hustensirup aus schwarzem Rettich. Dieser Rettich wird erst im Herbst geerntet und ist schärfer, als seine weißen sommerlichen Varianten. Er enthält sowohl Vitamin C als auch einen Stoff, der sich Senfölglycosid nennt. Das sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminosäuren gebildet werden. Sie unterstützen die antibiotische Wirkung dieses traditionellen Hausmittels.

Für einen Hustensaft aus Rettich ist eine Knolle frischer schwarzer Winterrettich, Kandiszucker und ein Glas erforderlich. Das Glas sollte ein wenig kleiner als die Rettichknolle sein, da man es zum Reinstellen verwendet.

Die Rettichknolle wird am Wurzelende etwa 1,5 cm dick abgeschnitten und der Deckel beiseite gelegt. Aus dem großen Teil schält man nun vorsichtig mit Messer und/oder Löffel das weiße Fruchtfleisch heraus. Es sollte immer so viel Hülle stehenbleiben, dass der ausgehöhlte Rettich nicht in sich zusammenfällt. Mein Versuch hat ca. 1 cm Wanddicke gut überstanden. Am Schluß bohrt man mit einem Spieß (chinesische Stäbchen sind dafür super) ein Loch in den Bereich, in dem vorher das Blattgrün stand.

Das herausgeschnittene Rettichfleisch wird klein gehäckselt. Das kann mit dem Messer erfolgen oder man schreddert es auf eine andere Art. Wichtig ist nur, dass austretende Flüssigkeit aufgefangen wird, denn diese ist das eigentliche Elixier.

Der ausgehöhlte Rettich wird mit dem Loch nach unten auf ein Glas gesetzt. In die Hülle füllt man abwechselnd die geschredderte Masse und den Kandiszucker. Ist sie voll, setzt man den Deckel drauf und lässt es bei Zimmerwärme stehen. In kürzester Zeit beginnt der Rettichsaft unten aus dem Loch zu tropfen. Spätestens am kommenden Tag kann man den Sirup dann löffelweise einnehmen oder in Tee aufgelöst trinken.

Wer mag kann den Vorgang wiederholen oder mischt die übrige Rettichmasse 1:1 mit Kandiszucker und presst diesen am Folgetag durch ein Sieb tropfend kräftig aus. funktioniert genauso gut.

Bücher zum Thema Hausapotheke

Viele Tipps für weitere Hustenlöser habe ich in folgenden Büchern gefunden. Sie enthalten neben Plänen, wann die Kräuter und Heilpflanzen zu sammeln sind, u.a. wissenschaftliche Erkenntnisse. Beide Bücher sind beim Südtiroler Verlag Edition Raetia erschienen und mit vielen Bildern und Verweisen sehr anschaulich gestaltet.

Alpenmedizin – Arnold Achmüller

Arnold Achenmüller ist Apotheker und beschäftigt sich seit Jahren mit der Volksmedizin, mit Heilkräutern und mit althergebrachten Hausmitteln. In Abstimmung auf wissenschaftliche Erkenntnisse erläutert er im Buch Alpenmedizin, wie Heilpflanzen wirken, wo man sie einsetzen kann und was sonst noch hilft, wenn man eines der genannten Leiden verspürt. Im Buch werden zahlreiche Rezepte zum Selbermachen aufgeführt. Hier ist zum Beispiel auch erläutert, wie man Zwiebelsaft als Schichtsirup selber herstellt und welche Blüten oder anderen pflanzlichen Bestandteile alternativ verwendet werden können.

An diesem Buch gefällt mir persönlich der wissenschaftliche Ansatz und der sehr verantwortungsvolle Umgang mit den Informationen. So werden unter anderm Tagesdosierungen thematisiert oder auch Neben und Wechselwirkungen untereinander nicht verschwiegen.

ISBN 978-88-7283-654-5
€ 24,90 (Stand 2019)

Wickel, Salben und Tinkturen – Arnold Achmüller

• Das Kräuterwissen der Bauerndoktoren in den Alpen •

Auch in diesem Buch geht es um die Heilkräfte der Natur. Der 1982 geborene Brunecker hat Rezepte regionaler Bauerndoktoren zusammengetragen, auf ihre Wirksamkeit geprüft und um zeitgemässe Ratschläge ergänzt. Im Buch ist ein Sammelkalender enthalten, auf dem noch weitere Tipps zum Kräuter sammeln gegeben werden.

Es gibt Rezepte für reizlindernden Hustentee und eine Anleitung wie man Sirup aus Isländisch Moos gegen Husten und Heiserkeit selber machen kann.

ISBN 978-88-7283-534-0
€ 24,90 (Stand 2019)

 

♥Der Weg in die Apotheke ist also längst nicht immer der Beste. Ich empfehle, vielleicht auch mit dem Blick auf Weihnachten oder andere Feiertage, einen Umweg über den Bücherladen. Der Aufwand lohnt…

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Charis

Freie Journalistin, Reisebloggerin, Social Media und PR für Hotels und Destinationen bei Charis Stank – wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten.de
Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint,es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.
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