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Radeln und geniessen: E-Bike-Tour über die „Große Kärnten Seen Schleife“

Sonnenaufgang am Klopeinersee – Bianca

Durch den Ausbau des Radwege-Netzes und ein flächendeckes Angebot von Servicestationen, E-Bikes, Fahrrädern und Mountainbikes, will sich Kärnten einen Spitzenplatz in der Liste europäischer Radreise-Destinationen sichern.
Auf einer Radreise um die schönsten Kärntner Seen bin ich deshalb im Sommer auf der neu angelegten „Großen Kärnten Seen-Schleife“ unterwegs gewesen und habe Teile von Millstätter See, Weissensee, Faaker See, Wörthersee und Klopeiner See umradelt.

Pause am Millstättersee

Pause am Millstättersee

Morgensonne am Klopeiner See

Der Morgen graut. Vor dem Lenker unserer Fahrräder liegt noch eine letzte Biegung, dahinter soll sich eine schöne Aussicht auftun – doch stattdessen steht dort nur ein Funkmast. Verflixt. Also noch einmal wenden. Der Kies knirscht unter den Reifen, der Antrieb des E-Bikes zeigt, was er kann. Ein 500 Watt Motor mit sieben Gängen und vier Leistungsstufen. Es rüttelt, aber Muskelkraft ist kaum gefragt. Weil das Treten elektrisch unterstützt wird, ist die Technik beim Fahren wichtiger als die Kondition. Zu viert radeln wir weiter – zwei Bloggerinnen, eine PR-Managerin und ein Guide. Der restliche Teil unserer Reisegruppe hat es vorgezogen, den Tag geruhsamer zu beginnen.

Ein Stück weiter, auf 686 m, ist der Gipfel erreicht. Eine hölzerne Plattform schwebt über dem Tal und gibt einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft frei. „Sieht das toll aus!”. Zum Genießen bleibt wenig Zeit. Fotoapparate, Handys und Stative werden aufgebaut. Nur noch wenige Minuten, dann wird die Sonne hinter der Bergkette auftauchen und den Klopeiner See in ein glänzendes Licht eintauchen. Das gibt stimmungsvolle Fotos. Frühes Aufstehen, klamme Finger und steile Auffahrt sind vergessen. Die Sonnenaufgangs-Tour zur Aussichtsplattform auf dem Kitzelberg wird mit einem eindrucksvollen Naturschauspiel belohnt.

Robert Karlhofer lehnt an der Brüstung und beobachtet zufrieden das Treiben. „Genau diesen Moment habe ich euch so gern zeigen wollen.” Nach einem gemeinsamen Essen am Samstagabend, hat er sich nach vier Stunden Schlaf in der Nacht aufgemacht und auf eines der Räder geschwungen. Als Geschäftsführer der Tourismusregion Klopeiner See will er auf dieser Pressereise ein Team von Journalisten für seine Region begeistern und seine Rechnung geht auf. Die Frage nach dem Gefallen wird mit eifrigem Nicken goutiert, auch wenn die Gesichter müde und die Lust auf Gespräche noch verhalten sind.

Grenzenlos und serviceorientiert: Kärntens Radwege

Der Fahrrad-, speziell der E-Bike-Tourismus liegt in Kärnten und anderen Urlaubsregionen im Moment im Trend. Zwar gibt es schon länger Radreisen, aber die Art und Weise, wie Gäste diese Form des Urlaubs erleben, hat sich parallel zur schnellen Entwicklung der E-Bikes ebenfalls verändert. Hunderte Kilometer Fahrradweg werden teilweise grenzübergreifend ausgebaut. Einige sind völlig neu, andere werden verbessert und alte Bahntrassen bekommen neues Leben. So führt der 510 km lange Drauradweg von Toblach im Südtiroler Pustertal über Spittal an der Drau, Villach bis nach Marburg in Slowenien. Immer am Ufer der Drau entlang, ausgeschildert und mit einem aufwendigen Netz an Servicestationen überzogen. Sie reichen von Verleihstationen für Fahrräder und E-Bikes, über Shuttledienste für weniger attraktive Teilabschnitte bis zu kostenlosen Parkmöglichkeiten wie den „Fahrradbutler“ in Villach oder die speziell auf Radreisende eingestellten „Drauradwegwirte“. Einer dieser Shuttledienste ist der Anbieter „Alps2Adria“, der auch unsere Gruppe von einer Etappe zur nächsten transportiert. Das spart Zeit und macht es möglich, fünf Kärntner Seen innerhalb von vier Tagen zu besuchen.


Mehr zum Drauradweg
→ Mit dem E-Bike über den Drauradweg – Kärntens sanfter Süden ←


 

Je länger der Tourist in einer Region verweilt, umso interessanter wird er für die heimische Wirtschaft. Und die Radreisenden sind treu: Von der Tourismusbehörde in Auftrag gebrachte Studien geben die durchschnittliche Aufenthaltsdauer mit acht bis zwölf Tagen an. Damit liegen die Radfahrer deutlich über dem allgemeinen Durchschnitt von 3,6 Tagen.

Natürlich sind Großprojekte wie der Drauradweg mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Kärnten leistet sich dafür einen eigenen Radkoordinator: den Ex-Rennradprofi Paco Wrolich. Der brennt für sein Thema und lässt es sich nicht nehmen, die eine oder andere Tour selbst zu begleiten. So bleiben ihm die Schwierigkeiten, die sich in der Entwicklung und Logistik der Wege ergeben, nicht verborgen. Mal scheitert der Rücktransport der Fahrräder, mal nimmt er die Nachbarregionen stärker in die Pflicht: „Die Italiener hinken ein wenig hinterher, aber sie orientieren sich stark an uns und wir geben unser Know-how gern an sie weiter.”.


Interview mit Paco Wrolich
Radwege in Kärnten – Interview mit Radkoordinator Paco Wrolich


Licht- und Schattenseiten

Bei aller Begeisterung für die Erschließung der Region profitiert nicht jeder von den touristischen Errungenschaften. Schlimmer noch: es kursieren Gerüchte über Bauern, die auf ihren Privatwegen für Schäden von Radfahrern aufkommen mussten, obwohl diese deren Land ohne Zustimmung befuhren. Verbotsschilder sind die Folge.

Wohlwollender fällt die offizielle Unfallstatistik im österreichischen Straßenverkehr aus. Während 2018 laut statista.at auf Österreichs Straßen 409 Personen tödlich verunglückten, fielen dabei 181 dem Auto und 102 Personen Motorradunfällen zum Opfer. 41 Menschen erlagen Verletzungen, die durch einen Fahrradunfall entstanden und blieben damit hinter den Fußgängerunfällen (47) zurück. Leider differenziert die Statistik nicht zwischen Rädern, E-Bikes und Mountainbikes, sodass sich keine Rückschlüsse auf erhöhte Gefährdungen ziehen lassen. Fragt man unterwegs bei den Gästen nach, so gilt der Fahrradtourismus als naturnah und aufgrund des gut ausgebauten Streckennetzes als besonders familienfreundlich und sicher.

Zukunftsmusik

Für die Sommersaison 2019 hat sich Österreichs südlichstes Bundesland die „Große Kärnten Seen-Schleife” ausgedacht.  340 km Fahrradweg umrunden die bis zu 28° warmen und meist mit Trinkwasserqualität ausgezeichneten Kärntner Badeseen. Das ist aufgrund der wunderschönen Wasserfarben dieser Seen, auch optisch ein eindrucksvolles Erlebnis. Die bekanntesten sind der Millstätter See, der Weissensee, der Wörthersee, Faaker See, Ossiacher See und der eingangs erwähnte Klopeiner See.


Region Millstätter See→millstaettersee.com
Region Klopeiner See→klopeinersee.at
Region Villach – Faaker See – Ossiacher See →visitvillach.at
Region Weissensee→weissensee.com
Region Wörthersee→woerthersee.com


 

Die wirkliche Neuerung durch die „Große Kärnten Seen-Schleife” bleibt auf allen Abschnitten des Radweges noch etwas im Unklaren. Eine durchgängige und eindeutige Beschilderung wie beim Drauradweg oder dem Alpe-Adria-Radweg steht noch aus. Die See-Umrundungen um den idyllischen Weissensee, den Camper-freundlichen Millstätter See oder den türkisblauen Faaker See waren schon in der Vergangenheit möglich. Das zeigt, dass die Regionen ständig an neuen Ideen feilen und die Entwicklung wohl niemals komplett abgeschlossen sein kann.

Und so fasst es Eva Meissnitzer vom Tourismusverband Villach, Faaker See und Ossiacher See auch zusammen: „Die Gäste sind viel aktiver und Bewegung wird immer wichtiger. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.“.

Offenlegung: Diese Reise wurde von der Region Millstätter See in Kooperation mit den anderen Regionen und Fufda PR organisiert. Ich war Gast, aber bin in meiner Berichterstattung an nichts gebunden.

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Charis

Freie Journalistin, Reisebloggerin, Social Media und PR für Hotels und Destinationen bei Charis Stank – wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten.de
Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint,es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.
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Der Alpenraum ist in seiner Vielfältigkeit schier unerschöpflich. Kaum hat man ein Tal bereist, warten hinter den Bergen schon neue Abenteuer. Ein Puzzlespiel, bei dem es fast unmöglich erscheint, es ausreichend und umfassend zu beschreiben. Ich habe es mir dennoch zur Aufgabe gemacht und berichte auf blog.wohlgeraten über Land und Leute, Wanderungen, gute Küche, Architektur und vieles mehr.

1 Kommentare

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    Johannes sagt

    Super Artikel, und vor allem traumhafte Fotos 😍 den Sonnenaufgang am Klopeinersee würde ich mir eingerahmt ins Wohnzimmer hängen! Wir fahren zum E-Biken immer nach Südtirol, den Via Claudia Augusta Radweg rauf und runter fahren, auch zu empfehlen! Vor allem kann man mit dem E-Bike Bergstrecken ausprobieren, die einem mit dem Mountainbike zu anstrengend wären, besonders für meine Frau daher sehr interessant 😁

    LG Hannes

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