Alle Artikel in: Tradition und Handwerk

Hintergründiges zu Firmen, die noch traditionell fertigen, Fundstücke, Empfehenswertes. Vielfach aus dem Alpenraum.

Inhaberin - Variatio - Bruneck

Shopping in Bruneck – Südtiroler Design im Concept-Store Variatio

Das kleine Städtchen Bruneck im Südtiroler Pustertal hebt sich vom üblichen Einerlei moderner Innenstädte angenehm ab. Der kleine Ort unterhalb des Ski- und Wandergebietes Kronplatz konnte sich eine gesunde Mischung alter und neuer Geschäfte erhalten. So findet man neben dem alteingesessenen Metzger Bernardi, der hier als Erfinder der Fleischkonserve gilt (die edlen blauen Dosen mit dem silbernen Hirsch hat gewiss schon mancher entdeckt), gut sortierte Delikatesse- und Weinhandlungen, Pattisieres, den Haushaltwarenladen Schönhuber mit der wohl größten Sammlung Meissner Porzellan außerhalb von Sachsen und noch einiges mehr… Mittendrin haben sich zwei junge Brunecker Frauen ihren Traum erfüllt und unter dem Namen „Variatio“ eine Mischung aus Concept-Store und Galerie erschaffen. Hier kauft man Südtiroler Design von kleinen Manufakturen oder gerät im rückwärtigen Teil des Geschäftes über die ausgestellte Kunst ins Plaudern. Denn die beiden Frauen haben nicht nur die Liebe zur Heimat und zum Design gemeinsam, es verbindet sie außerdem ein gemeinsames Kunststudium, aus dem der Raum 3000, eine Ausstellungsfläche weg vom Digitalen, zurück zu mehr Kommunikation entstanden ist.

Urzitrone

Buddhas Finger und Zitronenkaviar: der Zitrusgarten in Faak am See

Kärnten. Faak am See. Muss eine Zitrone sauer schmecken? Sieht sie immer gelb aus? Wie lange braucht eine Zitrusfrucht bis sie reif ist? Ab wann trägt ein Zitronenbaum? – Das sind die Fragen die der Kärntner Bio-Zitronenbauer Michael Ceron gern und ausführlich in seinen Führungen durch seinen Zitronengarten beantwortet. Wer sich dafür interessiert, der muss nach Faak am See in der Region Villach in Kärnten.

Fuchsmühle Anthering - Kleie

Eine Müllerin und das Mehl von gestern: Fuchsmühle Anthering

Anthering. Salzburger Land. Österreichs Küche ist bekannt für gute Mehlspeisen. Fast jeder, der das Land besucht, wird sich früher oder später einer dieser Köstlichkeiten ergeben. Man muss es fast zwanghaft tun. Während die einen den Strudel lieben, schwören andere auf Knödel oder ein gutes Bauernbrot. Ich mag alles. Um die Gerichte in der gewünschten Qualität auf den Tisch zu bringen, ist es erforderlich unterschiedliche Mehlsorten zu verwenden. Die meisten Mahlgrade bekommt man in guter Qualität in den heimischen Supermärkten, aber ein traditionell gemahlenes Mehl aus einer alten Mühle mit bestimmter Griffigkeit – das bleibt etwas Besonderes und ist daher nach wie vor sehr begehrt. Gute Köche schwören darauf. Wer in Salzburgs Umgebung unterwegs ist, hat die Möglichkeit eine solche Mühle zu besuchen und das Mehl direkt von der Müllerin einzukaufen. In der Fuchsmühle in Anthering wird wie früher mit der Kraft des Wassers gemahlen – direkt vor dem Haus plätschert das Wasser des Achartinger Bachs.

Ingo Metzler mit Ziege - naturhautnah

Ziegenmolke und Panorama: Der Bergbauernhof Metzler im Bregenzerwald

Bregenzerwald/Egg. „Man muss ein Problem lösen, wenn es da ist.“ So einfach kann man die Dinge betrachten. Und genau so nüchtern und ambitioniert hat Ingo Metzler seinen landwirtschaftlichen Betrieb inklusive einer Kosmetiklinie aufgebaut. Sein Bergbauernhof  befindet sich in einer traumhaft schönen Landschaft inmitten  des Bregenzerwaldes in Vorarlberg. Untergebracht in einem modernen Produktionsgebäude und klassisch landwirtschaftlicher Hofarchitektur ist hier in Egg über die Jahre ein ganz besonderer Betrieb entstanden. Wir haben Ingo Metzler im Mai 2014 besucht – Zeit ihn endlich einmal vorzustellen.

Unichhof - Kuh Lotte

Selbstversorger mit Panorama und Kuhmist: Der Unichhof Aldein

Südtirol.Aldein. Es ist ein trüber Junitag 2015 –  für Südtiroler Verhältnisse zu frisch und zu nass. Wir sind zeitig aufgestanden, haben in aller Frühe die → Filzerin Rita auf dem Amorthof besucht und nun sitzen wir in einer Küche. Vor uns eine Tasse Kaffee und eine leckere Mischung aus Wasser und Sirup. In unterschiedlichen Farben abgefüllt stehen  Flaschen vor uns auf dem Tisch. Sie haben kein Hersteller-Etikett. Jede davon wurde hier am Hof abgefüllt. Handgeschriebene Klebezettel mit Geschmack und Datum zeigen an was drin ist. – Unser Plan sah anders aus:  Zum Unichhof sind wir gekommen, um uns anzuschauen wie man Schüttelbrot herstellt. Danach sieht es heute nicht aus.

Oh du fröhliche | Zu Besuch beim Lebzelter und Wachszieher

Salzburg. Kerzen macht der Kerzenmann und Lebkuchen kauft man beim Bäcker. So schlicht stellte ich mir diese Gewerke hervor und wäre im Traum nicht darauf gekommen, das Lebkuchenzelter und Wachszieher noch bis vor wenigen Jahren ein und derselbe Lehrberuf in Österreich waren. Sie gehörten direkt zusammen und wurden auch so vermittelt. Wer die Geschichte durchdringen möchte und einen Handwerksbetrieb besuchen, der bis heute nach diesen Traditionen fertigt, der muss nach Salzburg zur Familie Nagy.

Baschtelehof Ultental | Käse, Ziegen, Zufriedenheit

St.Nikolaus. Ultental. Wolken vernebeln die Berge, als wir an einem Junitag das Ultental hinauf nach St. Nikolaus brausen. Ich hatte Sommer erwartet, Sonne und blauen Himmel. Dass die umliegenden Alpenkämme verhangen sind, die Nebelschwaden tief hängen und der Regen hart auf das Autodach klopft, hat dennoch einen besonderen Reiz. Die Wiesen sind satt grün, das verwitterte Holz der alten Bergbauernhäuser, die es im Ultental noch zahlreich gibt, leuchtet wunderschön dunkel. Die roten Geranien, die von den Balkonen ranken, zeichnen sich ab wie auf den schönsten Postkartenmotiven. Ich lenke den Wagen auf schmalen Straßen immer weiter bergauf. Bei ca.1250 m ü.M. fahren wir schließlich auf einem schmalen Weg parallel zum Tal.  Links geht es den Berg steil hoch, rechts steil hinunter. Wir passieren einsame Bergbauernhöfe und ein hölzernes Tor unter einem Stall. Abenteuerlich!

Kaffee rösten mit Leidenschaft | 220Grad Salzburg

Die Salzburger Kaffeerösterei 220Grad ist inhabergeführt und bietet neben der Veredelung der Bohnen, Kaffeeseminare und jede Menge Hintergrundwissen an. “Bitte zweimal No.2 und einmal was zum ausprobieren!”.  Als Sieglinde den kleinen Verkaufsraum der Kaffeerösterei 220Grad in der Maxglaner Hauptstraße 29 betritt, weiß sie genau, was sie haben möchte. Margret, die Inhaberin, greift in die gewünschten Bohnen, wirft das Mahlwerk an, hält einen kurzen Schwatz und verpackt. So geht es wohl mehrmals am Tag, denn die Kunden, die die 2013 eröffnete Rösterei in der Salzburger Vorstadt  aufsuchen, sind fast immer Wiederholungstäter. Sie kennen die Sorten und haben Vertrauen in eine gute Beratung. Als ich die Rösterei nach ca. zwei Stunden intensivem Erzählen verlasse, kann ich verstehen, warum das so ist.

Kirchtag Salzburg | Schirm, Charme und Tradition

Die Salzburger Schirmmanufaktur Kirchtag erhält eine seltene Handwerkskunst am Leben: In dem Familienunternehmen werden seit über 100 Jahren handgearbeitete Stockschirme produziert. Es ist Nachmittagstrubel in Salzburgs Altstadt und die Getreidegasse ist voller Touristen. Wir schieben uns an den Selfiestangenfotografen am Mozarthaus vorbei und an einem Feinkostladen, den es schon in Wolfgang Amadeus Kindheit gab. Dann geht der Blick steil nach rechts oben. Ein Zunftzeichen. Ein hängender Schirm. Hier in der Salzburger Getreidegasse 22 ist  der Schirmmacher Kirchtag zuhaus und das nicht erst seit gestern. Kirchtag wurde im Jahre 1903 gegründet und ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz.

Amorthof | Zu Filz und Blümchenkaffee bei Rita

Altrei. Südtirol. “Ich wollte ein Produkt machen, bei dem die Leute sagen: Das ist von der Rita. Das ist mir gelungen und darauf bin ich stolz!” Ihre Augen leuchten, als sie diesen Satz sagt. Rita, die Bergbäuerin vom Amorthof trägt ein blaues Kopftuch und eine dieser auffallend blauen Raiffeisen-Schürzen, die in Südtirol fast auf jedem Hof zu sehen sind. Als wir kurz vor acht bei Nieselregen und für den Juni ungewöhnlich kühlen Temperaturen in Altrei ankommen, wartet sie bereits munter in der Hofeinfahrt auf uns. Der große, kuschlige Hofhund streicht um ihre Beine. Saftig grün ist es hier oben und still. Nur ein paar Rinder grasen auf einer Wiese neben dem Bauernhaus.

Lederhosen für Franz Josef | Jahn Markl in Salzburg

Salzburg. Säcklerei Jahn Markl. Gold auf Grün weist eine verschnörkelte Schrift am Salzburger Residenzplatz auf den kleinen Laden hin. In der Tür zum Seiteneingang baumelt ein Pappschild mit den Öffnungszeiten. Es hängt schon länger. Das sieht man. Im Schaufenster sind Lederhosen, Trachten, Hüte, Taschen und Blusen dekoriert, gemischt mit Blumen und Preisschildern. Über den Auslagen prangt ein mächtiges Schild: SPEZIALHAUS für Wildlederbekleidung und Trachten. Was es hier wohl gibt?

Wein mit Geschichte | Chàteau la Nerthe in Châteauneuf du Pape

Châteauneuf du Pape. Provence. Wir fahren einen sanften Hügel hinauf. Links und rechts neben uns breiten sich die berühmten Weinberge von Châteauneuf du Pape aus. Noch sind allein die knochigen Reben zu sehen. In wenigen Wochen wird alles grün sein. Dann, wenn das Klima heiß und trocken wird und diese schönen Region der Provence von durchschnittlich 2800 Sonnenstunden verwöhnt wird*. Laut Wikipedia  weht hier an 130 Tagen im Jahr der Mistral Die Strahlen der Märzsonne wärmen schon ein klein wenig und erste Blümchen wagen sich unter den Bäumen vor der Schloßanlage von Chàteau la Nerthe ins Licht.

Der Nase nach! Auf Trüffelsuche in der Provence

Monteux. Provence. Behäbig tappt ein gemütlicher und sehr wohlgenährter Labrador auf uns zu. Sein Fell gleicht dem staubigen Rücken eines Esels nach der Feldarbeit. Er schaut wirklich lieb aus, aber DAS soll der Trüffelhund sein??? Im selben Moment entdecke ich einen freundlich blickenden Franzosen, der geschäftig hin und herläuft. Das ist Eric Jaumard. Er trifft die letzten Vorbereitungen für unsere Trüffelsuche und die anschließende Verkostung auf seinem Anwesen. Mitte März ist der späteste Termin für eine Suche des Wintertrüffels bei La Truffe du Ventoux und wir sind dabei! Wir verleben ein Genießerwochenende im traumhaften Hotel Crillon Le Brave und die Trüffeljagd ist ein Teil unseres Programms.

Steingutfliesen für Wohlgeraten: Wie der Hirsch auf die Kachel kam

Hamburg. Reisen in die Berge liebe ich. Stets halte ich die Augen nach neuen Produkten für mein wohlgeraten offen. Doch auch in Hamburg findet man Handwerk, das traditionell arbeitet und mich begeistert. So erging es mir im Sommer auf einem Wochenendbummel. Vor einem winzigen Laden mit angeschlossener Werkstatt stapelten sich Unmengen von Fliesen in Blau, Grün und wunderschönen Türkis-Tönen. Es sah ein wenig aus wie der Töpferstand von König Drosselbart. Meine Begeisterung für Kunsthandwerk und Töpferkunst ist eher verhalten, aber diese hier, die waren einfach schön. Leuchtende Farben, angenehm schwer – ich war sofort fasziniert. Das Ergebnis sieht man hier: Wohlgeraten hat nun eigene Motive: Kacheln die lebensmittelecht sind. So, dass man sie als Untersetzer,  Schinken- oder Sushiplatte, Küchenkachel oder gar im Außenbereich zur Zierde einsetzen kann. Sie sind nämlich frostsicher! Es gibt ein Edelweiß, einen Hirsch und eine Ziege und wie alles gemacht wurde, das erkläre ich hier:

Strolz Leuchten – Eine Wälderin zwischen Tradition und Moderne

Andelsbuch/Bregenz. Es ist ein sonniger Morgen im Mai, als wir den Werkraum in Andelsbuch besichtigen. Die Sonne flutet den riesigen hellen Raum mit den unterschiedlichen Schaufenstern Bregenzerwälder Handwerker. Raumausstatter sind dabei, Tischler und eine Leuchten-Designerin. Anna Claudia Strolz kommt gut gelaunt auf uns zu. Dabei hätte die junge Geschäftsfrau und Designerin der ausgestellten Leuchten einen guten Grund angespannt zu sein. Nicht nur, dass sie in wenigen Wochen ihr neues Ladengeschäft in Bregenz eröffnen wird. Sie ist gleichzeitig Mutter von drei Kindern und fertigt einen Teil Ihrer hier ausgestellten Modelle selbst an. Im 2013 eröffneten Werkraum Bregenzerwald ist sie von Anfang an Mitglied. Ambitioniert schildert sie uns Ihren Werdegang und zeigt stolz „Ihr“ Schaufenster in dieser riesigen, überdimensionalen Vitrine Bregenzerwälder Handwerks.

Werkraum Bregenzerwald – Handwerkskultur, Schaufenster und Treffpunkt

Andelsbuch. Manchmal liegt Österreich ganz nah an Hamburg. Letzte Woche zum Beispiel. Ich bummele durch Ottensen und entdecke in einem Restaurant den unten abgebildeten Stuhl. Ich kenne ihn gut, denn bei meinem letzten Besuch in Vorarlberg habe ich mich spontan in ihn verliebt. Wo, das erzähle ich mit den folgenden Bildern.

Käsekeller Bregenzerwald

Käsekeller Bregenzerwald – Tradition und moderne Technologie in Lingenau

Lingenau. Kellerhöhe 7 m. Kellerlänge 70 m. Kapazität: 32.500 Käselaibe auf Fichtenholzbrettern. Die Eckdaten des Käsekellers des Bregenzerwaldes am Ortseingang von Lingenau klingen beeindruckend. Noch spannender wird es, wenn man selbst vor den meterhohen Regalreihen steht und auf die Käselaibe schaut.

Maßgeschneidert für die Wälderin – Juppenwerkstatt Riefensberg – Bregenzerwald

„Maßgeschneidert für alle Wälder“ steht auf einem Plakat des öffentlichen Landbus im Bregenzerwald. Darunter strahlt eine Frau in Tracht. Sie trägt das Kleid der Wälderin: eine schwarze „Juppe“ aus Leinen. Was  spielerisch eingesetzt ist, hat einen bedeutsamen Hintergrund. Die Juppe ist eines der wenigen traditionellen Kleidungsstücke, welche noch vom ersten bis zum letzten Schritt von Hand angefertigt werden. Das Leinen wird gefärbt, appretiert, geglästet (glänzend gemacht), gefältelt und dann von Hand zum Kleid genäht. Und: es wird tatsächlich auf Maß angefertigt. Ausschließlich für eine Wälderin. Das Recht, eine solche Juppe zu erwerben und zu besitzen, obliegt nur einer echten Wälderin. Ausnahmen werden nicht gemacht. Blut zählt mehr als Geld und wenn man den Schilderungen zuhört, dann möchte man dies sofort glauben. Niemanden sonst beliefern die geschickten Kunsthandwerkerinnen der Region, die ihr Wissen in der Juppenwerkstatt Riefensberg freundlich den Besuchern weitergeben. Und dadurch ist dieses Kleidungsstück  etwas besonderes: maßgeschneidert für die Wälderin, die ihre Juppe ein Leben lang trägt und mit Glück sogar an ihre Kinder vererbt.

Stubai – Werkzeug aus den Tiroler Bergen

Stubaital. Tirol. Er hielt mir eine Zange hin: „Hier. Das passt doch zu wohlgeraten.“ Das war im letzten Sommer in einem kleinen Laden für Schlosserbedarf in Kitzbühl. Die kleine Zange war aus schwarzem Werkzeugstahl und hatte rote Kunststoffgriffe. Ganz klassisch, ohne Schnickschnack und mit einer Prägung auf der ich Austria-Stubai lesen konnte. In meinem Kopf ratterte es los. Ich kannte das Stubaital. Das ist mein Lieblingstal. Ich wusste, dass dort Holzverarbeitung angesiedelt war und eine alte Glockengiesserei. Aber Werkzeug? Die Recherche führt mich nach Fulpmes im Stubaital, wo aus einem genossenschaftlichen Zusammenschluss von über zwanzig Handwerksbetrieben die Firma Stubai Ihren Hauptsitz hat. Seit Generationen wird dort Eisen in Werkzeug und Bergsteigerbedarf verwandelt, der weit über die Grenzen Tirols und Österreichs  hinaus bekannt ist. Die ersten Schmiede gab es bereits im 14. Jahrhundert. Im Jahr 1897, dem Geburtsjahr meines Großvaters, begründet sich der genossenschaftliche Zusammenschluss aus dem in den sechziger Jahren die Firma STUBAI hervorgehen wird.  Traditionell befinden sich Forstwerkzeuge, Spenglerbedarf und Bergsportartikel im Sortiment. Eben alles das, was im Tal gebraucht wurde und womit sich schon …

Thomas in seinem Jamei Käsestand

Jamei Laibspeis | Genuss statt Fernweh – Allgäuer Bergkäse in Hamburg

Hamburg. Kempten. „Wie hält man das aus, wenn man in Hamburg lebt und die Berge so sehr liebt wie Du?“ Das ist eine der Standardfragen, wenn ich nach meinem Wohnort gefragt werde und natürlich frage ich mich das immer wieder selbst. „Ist doch alles Käse.“ denke ich. Fernweh plagt mich. Berge an Arbeit, statt Berge entdecken. Dann brauche ich Brücken und eine dieser Brücken ist tatsächlich der Käse. Wer meine Bilder in den sozialen Netzwerken verfolgt, wird ihn immer wieder entdecken: große leckere Stücken vom feinsten Allgäuer Bergkäse. Das ist kein Zufall. Aber wo kommt er her?

Schobel – Von Saubirnen zu Höchstgenuss

Vorarlberg. „Wir verarbeiten hier nur allerbeste Lackware, wenn Sie verstehen, was ich meine.“ Ja! Ich verstand es. Es ist der Satz, der die hingebungsvolle Arbeit von Harald Schobel, seine Leidenschaft für ein 1A-Produkt, wohl am vollkommensten beschreibt. Dieser beeindruckende Vorarlberger, der als Werkzeugmacher seinen Berufsweg begann,  über den Vater ans Schnapsbrennen herangeführt wurde und nun von einem kleinen Hof mit angrenzender Streuobstplantage aus,  Edelbrände und Trockenfrüchte verkauft, die ich so nie vorher gegessen habe. Strobel ist ein geduldiger Kämpfer. Die fruchtbaren Voraussetzungen, die gegeben waren, hat er ergriffen und etwas daraus geschaffen. Das beweist, das Österreich nicht nur aus alten Wurzeln wächst. Es gibt auch hier Unternehmer, die frisch an den Start gehen und eine Firma von Grund an aufbauen. Auch wenn sie dabei auf die Erfahrungen der „Alten“ gerne zurückgreifen. *Harald Schobel Vorhanden war eine Streuobstwiese. Auf ihr wuchs eine, nur in dieser Region vorkommende Sorte Birnen, die  Saubirne genannt wird und die, durch ihre Unbekömmlichkeit für den Menschen nicht von Interesse, als Viehfutter aber von Nutzen war. 30 – 40 Bäume dieser Sorte …

Knickerbookerl – Leder-Notizbuch nicht nur für Alpenfreunde

Einen Moment festhalten und mit Freunden und Familie teilen, geht heute schnell. Man sieht es auf diesem Blog. Etwas tolles sehen, das Handy zücken: Klick! Und dann sind es nur noch ein paar Tastengriffe weiter, bis wir zeigen, was uns Freude bereitet hat und die ganze Welt es sehen kann. Natürlich macht das Spaß. Manchmal macht es sogar Sinn, nur leider ist es in der Vielzahl der Bilder und Eindrücke verdammt kurzlebig! Was bleibt denn davon?

Vom Fell zum Riemen – Herstellung des Ledergürtels „Riemer“ in einer Manufaktur

Echte Handarbeit in einer kleinen Manufaktur ist eine Faszination, der man sich nur schwer entziehen kann. Dieser Prozess, wenn etwas entsteht, wenn man auswählt, vergleicht und sich festlegt, wenn es beginnt, nach den Materialien zu riechen, wenn eifrige Hände verändern und bewegen: Das ist ein ganz besonderer Prozess! Ich liebe ihn sehr. Der schönste Moment ist für mich das fertige Produkt. So ging es mir unlängst in einer kleinen Ledermanufaktur am südlichen Alpenrand. Ich war zunächst hunderte von Kilometern gefahren. Es war mein erster Besuch dort und es galt, Unmengen an Möglichkeiten und Material zu sichten.  Die kleine Manufaktur erinnert nicht an eine Fabrik, aber umso mehr an ein riesiges Kuriositätenkabinett. Also genau die richtige Atmosphäre für mich. Inspiration ohne Ende und die Alpen drum herum. Die Entscheidung  fiel mir trotzdem schwer und ohne genaue Planung gibt es keine guten Produkte. So reisten wir kurze Zeit später ein zweites Mal an. Diesmal mit klaren Vorstellungen und präzisen Vorgaben. Was daraus entstand sieht man hier:  der Ledergürtel „Riemer“. Der Gürtel wurde nach meinen Vorgaben aus dem …

Gold auf 1130 m Seehöhe: Bergkräutertee!

Kärnten. Es ist gegen halb sieben Uhr morgens, als ich nach einer Nacht im Auto von Kärnten in Richtung Südtirol weiterreise. An der Straße sehe ich Schilder, die auf Kräutergärten und ähnliches verweisen. Ich biege auf gut Glück ab, fahre durch den nächsten Ort hindurch und folge wahllos Schildern, die zu Bergbauernhöfen führen. Meine Abenteuerlust ist geweckt und ich bin sicher, etwas zu entdecken. Um sieben Uhr morgens stehe ich vor einem wunderbar am Hang und in der Sonne gelegenen Bergbauernhof. Ich befinde mich 1130 m über dem Meeresspiegel.

Wollsocken von Steiner 1888 - wohlgeraten.de

Wolle vom Dachstein: Die Lodenwalke Steiner 1888

Mandling. Steiermark. 1888 steht in großen Lettern am Eingang zur Lodenmanufaktur Steiner 1888 in Mandling an der Südseite des Dachsteins. 1888 ist auch das Jahr der Gründung dieser uralten und von Traditionen geführten Wollmanufaktur am äußersten Rande der Steiermark. Auf meinem letzten Besuch in Österreich war ich vor Ort und habe mich in der Steiner Wollwelt durch die Produktion führen lassen. Ein spannendes Vergnügen, in dem viel Wissenswertes über Wollproduktion und das Hause Steiner vermittelt wird. (Immer Montags und Donnerstags 10.00 Uhr und 15.00 Uhr für Gäste!) Seit 125 Jahrn existiert die Wollmanufaktur Steiner 1888, in der noch heute in über 40 Arbeitsschritten Rohwolle gereinigt, versponnen, veredelt und verwebt wird. Bis hin zum traditionellen Vorgangs des Walkens, den man hier als große Besonderheit auf einer alten Hammerwalke vollzieht. Auf dieser besonderen Maschine, die seit 1888 an ein und derselben Stelle platziert ist, wird noch heute nach altem Verfahren der „Schladminger“ produziert. Ein besonders dichter Loden, der sich durch eine grau schwarz melierte Optik auszeichnet, besonders haltbar, wind- und wetterfest ist und in dieser Form nur …

Otter Ankermesser – Ein Stück Solingen

Hamburg. Solingen. Heute musste ich ziemlich lachen und ich weiß noch gar nicht, ob mehr über die Sache oder mehr über mich. Die großen Otter-Ankermesser waren ausverkauft und mussten nachbestellt werden. Also mailte ich Otter an, telefonierte noch einmal kurz mit der freundlichen Mitarbeiterin, die die Bestellungen bearbeitet und freute mich auf umgehende Lieferung. Das klappte prima, denn innerhalb von zwei Tagen kam alles an. Nun sind unsere Lieferungen nicht immer riesig groß. Manchmal bei Gläsern, kommen Speditionen und bringen riesige Kartons. Wenn es sich aber um kleine Produkte, wie Taschenmesser handelt und wir nur wenige Artikel dieser Firma führen, kann das schon mal ein recht kleines Päckchen sein. Die von Otter kamen klein verpackt. Sehr klein. In einem wabbelig gepolsterten Umschlag fielen sie mir fast aus dem Briefkasten entgegen. Beim Auswickeln desselben dann die Situation, über die ich so schmunzeln musste: die Messer waren mehrfach in Papier gewickelt. Aber nicht so wie man sich das vorstellt, in teuer eingekauften Packpapier, sondern nein: ganz außen drum in einem Solinger Blatt vom Sonntag. Genau so, wie …

Gmundner Keramik: Österreichs Geschirr-Manufaktur am Traunstein

Salzburger Land. Gmunden. Die markanten Konturen des Traunsteins stechen mir zuerst ins Auge, als ich auf Gmunden zufahre. In Gmunden ist die Keramik zuhaus. Erste Erwähnungen sind auf das Jahr 1492 datiert. Bis ins 17. Jahrhundert geht das bekannte Muster „grün geflammt“ zurück und 1905 wird das Gebäude erbaut, in welchem noch heute die Fertigungsräume liegen und deren Besuch ich hier kurz beschreiben möchte. Gmunder Keramik ist ein variantenreiches Geschirr, welches zu 100% in Österreich gefertigt wird. Jedes Teil wird im Haus gegossen, gebrannt, bemalt und verpackt. Jedes Stück ist ein Unikat. Die Geschirrserien sind traditionell und aufgrund moderner Fertigungstechniken dennoch zeitgemäß im Design und in der Ausrüstung. Alle Teile Gmundner Keramik sind seit 2003 spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Nach schwierigen Zeiten ist es gelungen den Traditionsbetrieb auf neuen Kurs zu bringen. Nicht ganz leicht war es, denn zahlreiche Inhaberwechsel und die starke Konkurrenz von Billigimporteuren drohten dem alten Unternehmen, welches 87% der Österreicher kennen und wovon in fast jedem Haushalt Österreichs ein Teil steht, das Wasser abzugraben. Im Folgenden beschreibe ich meine Eindrücke von einer …

Tuifl-Maske Krampuslauf Tirol

Brauchtum in Tirol | Krampuslauf

Stubaital. Tirol. In diesen Tagen beginnen in zahlreichen Orten in den Alpen die Krampus- oder auch Tuifl-Läufe, ein Brauch, von dem ich bis zum Herbst 2012 noch nichts gehört hatte. Gruselig geht es bei diesen Umzügen zu und ich würde mir das Spektakel gern einmal ansehen. Unsere Drechslerei, von der ich bei jedem Besuch die handgesägten Holzherzen aus altem Stadlholz und Küchenbretter aus Tiroler Alpenholz mitnehme, wirkt nach außen hin sehr beschaulich. Man könnte sie als unmodern bezeichnen, weil sie keinerlei Zugang zu moderner Technik hat. Es gibt keine Webseite und noch nicht einmal eine Mailadresse.  Wenn ich etwas kaufen möchte muss ich hinfahren und es selbst abholen oder ich kann es eben nicht verkaufen. Aber in meinen Augen ist diese Werkstatt sehr gemütlich.