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BUS:STOP Krumbach – ungewöhnliche „Wartehäusle“ im Bregenzerwald

Bregenzerwald. Krumbach. Auf den Bus warten, ist in der Regel unspektakulär. Neugierig von Haltestelle zu Haltestelle zu pilgern, das wird selten empfohlen. Anders ist das im kleinen Ort Krumbach im Bregenzerwald, in dem die Wartehäuschen von den Krumbachern liebevoll „Wartehüsle“ genannt werden. Dort haben sich Ortsansässige, heimische Architekturbüros und Handwerker aus der Umgebung  etwas Besonderes für den Öffentlichen Nahverkehr ausgedacht.

Vorarlberg ist bekannt für moderne, zeitgemäße und innovative Architektur. Aber auch hier steht nicht immer Geld für große öffentliche Gebäude zur Verfügung. Also hat man in Krumbach eine besonders witzige und sehr charmante Lösung ersonnen.

Sieben Architekten aus unterschiedlichen Ländern wurden eingeladen, einen Urlaub in Krumbach zu verbringen. Als Gegenleistung bat man jeden von ihnen, ein Wartehäuschen zu entwerfen. Ortsansässige Architekturbüros und Handwerker setzen die Entwürfe in hoher handwerklicher Qualität um. Was herausgekommen ist, lohnt den Besuch! Ich stelle die sieben originellen Haltestellen hier vor: Hinfahren lohnt!

Busstop Krumbach

Krumbach im Bregenzerwald


Sou Fujimoto – Japan
Partnerarchitekt Bechter Zaffignani Architekten

Ein Wald aus aus wilden dünnen Stahlstangen hält eine schmale Stiege, auf der man emporklettern kann. Die Station ist am Ortseingang und bietet keinerlei Schutz, dafür aber umso schönere Ausblicke auf Krumbach!

Busstop Krumbach – Entwurf aus JapanBusstop Krumbach – Entwurf aus Japan


 

Amateur Architecture Studio – China
Partnerarchitekt: Hermann Kaufmann

Durch die nach hinten verjüngte aber offene Bauweise entsteht eine Art Camera Obscura, durch die eine fokussierte Wahrnehmung der dahinter liegenden Landschaft möglich ist. Die Sitzbänke laden ein, auch wenn vor Wind und Niederschlägen wenig Schutz geboten wird. Ein Schmuckstück aus viel Holz!

Busstop Krumbach – Entwurf aus China


 

Architecten de Vylder Vinck Taillieu – Belgien
Partnerarchitekt: Thomas Mennel – memux

Die geometrische Lösung der Belgier mit vielen Dreiecken und Spitzen entstand nach einer Rückfahrt von der Mailänder Möbelmesse. Inspiriert von der Alpenquerung und einem nicht näher beschriebenen Wandbild in Gent entstand ein triangelartiger Spitzbau aus Metall, der Schutz bietet und eine Sitzgelegenheit integriert. Praktisch!

Busstop Krumbach – Entwurf aus Belgien


Alexander Brodsky – Russland
Partnerarchitekt: Hugo Dworzak / Architekturwerkstatt

Einer der Plätze mit den wenigsten Freiflächen. Die gesamte Haltestelle musste ein klein wenig verlegt werden. Der Turm des Russen ist praktisch. Tisch und Stuhl wirken einladend und die Verglasung an drei Seiten bietet Schutz vor Wind und Regen und trotzdem ist es hell. Das obere Stockwerk ist offen gehalten, sogar Vögel können ein und ausfliegen. Möglicherweise ist es die dem Zweck am ehesten dienende Umsetzung.

Busstop Krumbach – Entwurf aus Russland


Ensamble Studio – Spanien
Partnerarchitekt: Dietrich/ Untertrifaller Architekten

Wer durch die Berge reist, stößt immer wieder auf Sägereien und hohe Stapel von Holz. Die Spanier haben aus diesem Wissen eine der originellsten Lösungen erdacht. Das Bushäuschen sieht von weitem aus wie übereinander gestapelte Holzbretter. Es ist sehr grob gearbeitet und durch die lockere Bauweise bietet es so wenig Schutz wie eine offene Ruine. Dafür ist es unglaublich witzig und fotogen.

Busstop Krumbach – Entwurf aus SpanienBusstop Krumbach – Entwurf aus Spanien


Smiljan Radic – Chile
Partnerarchitekten: Bernardo Bader

Im Glaspavillion des Chilenen habe ich mich sofort hingesetzt und hatte eigentlich keine Lust mehr weiter zu gehen. Es war warm, hell, die Holzstühle erinnerten an eine gemütliche Gaststube. Wenn der Bus hier nicht kommt, beibt man gern sitzen…

Busstop Krumbach – Entwurf aus Chile


Rintala Eggertsson – Norwegen
Partnerarchitekten: Baumschlager Hutter Partners

Eine absolut multifunktionelle Lösung. Die Norweger haben die Haltestelle direkt an einen angrenzenden Tennisplatz gebaut. Von vorn ist es ein Wartehaus, auf der Rückseite läuft man die Treppe rauf, nimmt auf der Tribüne Platz und kann dem Tennisspiel zuschauen. Eine witzige Lösung, die in spielfreien Zeiten vermutlich das eine oder andere Liebespaar anzieht. Raffiniert!

Busstop Krumbach – Entwurf aus NorwegenBusstop Krumbach – Entwurf aus Norwegen

Alle Bushaltestellen werden mehrfach täglich von den regionalen Buslinien angesteuert und können abgefahren oder erwandert werden.

Der Ort Krumbach liegt an einem Verkehrsknotenpunkt im Vorderen Bregenzerwald. Es gibt stündliche Busverbindungen ins Rheintal und in den Hinteren Bregenzerwald. Inhaber der Bregenzerwald-Gäste-Card können neben den Seilbahnen der Region auch die öffentlichen Busse gratis benützen: „Landbus Bregenzerwald-Wälderbus“ der Region Bregenzerwald inklusive Bregenz (ausgenommen Stadtbus), Dornbirn (ausgenommen Stadtbus), Lech, Raggal und Fontanella/Sonntag im Großen Walsertal. (Quelle: www.krumbach.at)

Neugierig geworden?


Offizielle Informationen findet man hier

BUS:STOP KRUMBACH

kultur krumbach
http://www.kulturkrumbach.at/
Durchgehend geöffnet…


Danke an Vorarlberg Tourismus für die Organisation der Besichtigung! Ein  spannendes Projekt.


 

Charis
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Charis

Travelblogger, Journalist, Online-Shopmanager bei wohlgeraten.de – blog.wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von Wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit Wohlgeraten mache.
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6 Kommentare

  1. Peter Rieger sagt

    Im Bregenzerwald ist die Akzeptanz des ÖPNV stärker ausgeprägt und damit auch die Identifikation der Bürger damit. Das ist bei uns nur in geringem Umfange gegeben. Ich fahre oft mit Bus und Zug und sehe, wie sich der Frust vieler entlädt, sei es durch Vandalismus oder Verunreinigung. Bei uns wären solche Bushäuschen innerhalb von Tagen entsprechend verschandelt, weshalb es sich empfiehlt, nüchternste Gebrauchsbauten mit wenig Zerstörungsmöglichkei einzusetzen. Witterungsschutz ist voll ausreichend

  2. Peter Rieger sagt

    Es gibt im Bregenzerwald eine wunderbare Architektur, die genau zum Ausdruck bringt, wie sich die Bewohner mit ihrem Ländle identifizieren. Gleiches gilt übrigens auch für die öffentlichen Verkehrsmittel und eben die zugehörigen Bauten der Infrastruktur, wie die Wartehäuschen. Ich habe dort viel weniger Vandalismus festgestellt, weil sich die Leute auch an Funktionsbauten erfreuen und hinter ihnen stehen.
    Bei uns ist das flächig nicht der Fall, weil der ÖPNV erst wieder aus der akzeptanzmäßigen Talsole herauskommen muß. Bis dahin sind – noch so gut gemeinte und liebevoll gebaute Bushäuschen eher Magnete für Vandalen.

  3. Ein geniales Archiktur Projekt auf der grünen Wiese. Das wertet die Gegend definitiv auf und schafft Bewusstsein für natürliche Materialien.

  4. Hallo liebe Charis, nun hast du mich natürlich neugierig gemacht mit deiner Bemerkung über deinen Bregenzerwald-Besuch! Hört sich ja ganz so an, als ob wir uns mal gemeinsam in das Wartehüsle der Chilenen setzen könnten! Wie wär’s im Winter? Stelle mir das bei viel Sonne und Schnee wunderschön vor! ;-) Viele Grüße, Nadine

  5. Der Bregenzerwald ist einfach architketonisch in jeder Hinsicht wunderschön. Mein liebster Ort ist allerdings Bezau. Witzig, die Bushaltestellen sind mir auch gleich aufgefallen:-)

    Viele Grüße
    Regina von travelschick

  6. Straßenmöblierung, zu denen auch Wartehäuschen gehören, sind in der Regel hässlich, lieblos und ein eigentlich möglichst bald zu entsorgender Schrott, der meist schöne Situationen im Stadt- oder Dorfbild vestellt. Fotografen wissen ein Lied davon zu singen. Schön, dass einmal etwas Originelles und Anspruchsvolles gerade in der Provinz entstanden ist (wenn es die Großstädte schon nicht schaffen etwa ein corporate design für all die nüttzlichen Kleinigkeiten vom Schaltkasten über den Papierkorb, die Leuchten und auch die Wartehäuschen zu schaffen). Das alle hat mit ästhetischer Lebensqualität und Baukultur zu tun,
    Andreas Gottlieb Hempel

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