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Wolle vom Dachstein: Die Lodenwalke Steiner 1888

Wollsocken von Steiner 1888 - wohlgeraten.de

Mandling. Steiermark. 1888 steht in großen Lettern am Eingang zur Lodenmanufaktur Steiner 1888 in Mandling an der Südseite des Dachsteins. 1888 ist auch das Jahr der Gründung dieser uralten und von Traditionen geführten Wollmanufaktur am äußersten Rande der Steiermark. Auf meinem letzten Besuch in Österreich war ich vor Ort und habe mich in der Steiner Wollwelt durch die Produktion führen lassen. Ein spannendes Vergnügen, in dem viel Wissenswertes über Wollproduktion und das Hause Steiner vermittelt wird. (Immer Montags und Donnerstags 10.00 Uhr und 15.00 Uhr für Gäste!)

lodensteiner-1888

Seit 125 Jahrn existiert die Wollmanufaktur Steiner 1888, in der noch heute in über 40 Arbeitsschritten Rohwolle gereinigt, versponnen, veredelt und verwebt wird. Bis hin zum traditionellen Vorgangs des Walkens, den man hier als große Besonderheit auf einer alten Hammerwalke vollzieht. Auf dieser besonderen Maschine, die seit 1888 an ein und derselben Stelle platziert ist, wird noch heute nach altem Verfahren der „Schladminger“ produziert. Ein besonders dichter Loden, der sich durch eine grau schwarz melierte Optik auszeichnet, besonders haltbar, wind- und wetterfest ist und in dieser Form nur hier hergestellt wird.

(Hammerwalke Steiner 1888)

hammerwalke-steiner

Die Geschichte der Firma ist eng mit der Geschichte der Landschaft und dem Leben der Mandlinger verwoben. 1909 erklimmen zwei Steiner-Brüder erstmals die Dachstein-Südwand. Einer von Ihnen ist Franz Steiner – der Urgroßvater des derzeitigen Geschäftsführers. Sie schützen sich vor den Unwägbarkeiten des Bergwetters mit Loden aus der familieneigenen Walke.Und sie sind nicht die einzigen, die das tun. Unter den Bergsteigern haben sich die Steiners mit Ihren Loden und feinen Wollprodukten schon bald einen guten Namen gemacht.

Meine ersten Begegnungen mit Steiner-Wollstoffen machte ich daher Ende der 90er Jahre auf der internationalen Stoffmesse in Paris. Große Designer gingen auf diesem Stand ein und aus und so ist es kein Zufall, dass sich Steiner Wollstoffe heute in den Kollektionen von YSL, Burburry, Louisa Vuitton, Boss, D&G, Bogner, Sportalm, Lodenfrey, Adidas und Nike wiederfinden. 230.000 Meter werden pro Jahr  hier produziert.

Wolle entstammt zu 100% der Natur und wächst nach, weil die Tiere geschoren werden. Wolle wärmt auf angenehme Art und Weise, kann bei entsprechender Ausrüstung sehr stark wasserabweisend sein (weshalb Schäfer zum Beispiel immer mit einem Lodencape ausgerüstet waren), Wolle entflammt nicht so leicht wie technische Materialien und ist auch für empfindliche Menschen je nach Qualität und Art der Wolle angenehm tragbar.

Während früher die Wolle von den Bergschafen der Umgebung kam, führt Steiner inzwischen Wolle, die in großen Gebinden zusammengenäht sind, aus aller Welt ein. So verarbeitet man Alpaka, welches eine geringe Quellfähigkeit aufweist, in Kombination mit Merinowolle, die saugfähiger ist. Diese Mischung lässt sich gut in den schönsten Farben einfärben.  Es gibt 100 % reine Merinowolle aus denen zum Beispiel die Decken „Susanna“ sind. Eine Decke, die wir selbst besitzen und die sich auch nach jahrelanger Nutzung und vielen Wäschen weder in der Farbe noch in der Form zum Nachteil verändert hat.

Aus Angorawolle fertigt man hier Decken und aus hochwertigem Kashmir werden feinste Wollstoffe und Decken gewebt.

Während ein Kilo Bergschafwolle für ca. 3 € zu haben ist, kostet das Kilo Kashmir schon 100 €. Das erklärt die hohen preislichen Unterschiede, denn versponnen und verwebt werden die Materialien auf ähnliche Art und Weise.

Die einzelnen Schritte des Webens sind grob erklärt:

Zunächst wird die Rohwolle gewaschen und je nach Qualität bereits jetzt eingefärbt. Wenn Wollsorten gemischt werden, dann geschieht das jetzt.

Der zweite Schritt ist die Spinnerei, wo es zum wolfen, krempeln und ringspinnen geht. Die Maschinen dort sehen zum Beispiel so aus:

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Ist das Garn fertig, gelangt es zum spulen, kettschären und letztlich zum Weben.

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Ist ein Webstuhl neu herzurichten, das heißt aufzuspannen, dauert es neun Stunden bis der Kettbaum fertig ist. Jeder Kettfaden wird hierbei von Hand mit einem klassischen Weberknoten eingeknüpft.  Das braucht Geduld und handwerkliche Präzision.

Ist der Kettbaum fertig, wird wie auf einem klassischen Webstuhl mit „Weberschiffchen“ gewebt. Schuß für Schuß entsteht so das Gewebe.

  • Impressionen aus der Weberei –

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Ist der Stoff als Loden gewünscht, erfolgt im nächsten Schritt das Walken, wobei die Wolle verdichtet wird. Hier  käme zum Beispiel beim Schladminger die uralte Hammerwalke zum Einsatz. Andere Maschinen rauen die Oberfläche auf. Das geschieht zum Beispiel durch lockenwicklerartige Bürstchen, die den Stoff weicher und fülliger machen und damit mehr Lufteinschlüsse zulassen.

Wasserabweisend würde der Wollstoff mit dem Verfahren des Strichrauens, bei dem die Wollfaser in eine Richtung gelegt wird und so das Wasser daran abperlen kann.

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Nach dem Scheren, Dekatieren und Dämpfen kommt der Stoff in die gründliche Endkontrolle, denn nur völlig fehlerfreie Ware darf das Haus verlassen, bzw. an Stoffrollen werden Unregelmäßigkeiten stets am Rande des Stoffes markiert, damit der Schneider beim Zuschnitt diese Stellen umgehen kann.

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Die Ecken der schönen Steiner-Wolldecken werden von Hand rund geschnitten und an der Maschine per Hand mit der typischen Wollnaht versäubert.

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Mein Eindruck war, dass bei Steiner noch Hand in Hand gearbeitet wird. Eine moderne Geschäftsführung versucht das Unternehmen mit alten Techniken, aber modernstem Design erfolgreich in die Neuzeit zu führen. Es handelt sich um eine sympathische Mischung aus Tradition und Moderne, was nicht zuletzt ein Blick aus einem Fenster auf der zum Dachstein gewandten Seite verrät: Dorfalltag, der landestypisch ist.

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Nach meinem Besuch habe ich noch einen Blick in den angeschlossenenen Verkaufsraum geworfen. Neben den Decken und schönen Wollkissen, gab es die herrlich warmen Wollsocken, die es auch bei wohlgeraten gibt und die eines unserer ersten Produkte waren. Auch jetzt hatte ich sie bei meiner Reise dabei. Außerdem höre ich von meinem Kunden immer wieder, wie angenehm warm und gemütlich das Material aus reiner Bergschafwolle empfunden wird. Wenn man die Umgebung kennt, in der sie gemacht werden, versteht man besser, warum das funktioniert.

Wollsocken von Steiner 1888 - wohlgeraten.de

Eine Besonderheit stellt der Schladminger Wollofen dar. Dieser Ofen ist eine Sonderproduktion, die Steiner mit einem Ofenbauer vor Ort entwickelt hat. So weit ich gehört habe, gibt es nicht viele davon. Für nähere Infos stelle ich gern einen Kontakt her.

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Und hier mein letzter Blick. Die Hammerwalke, die direkt mit dem Wasser des Gebirgsbachs angetrieben wurde, steht hinter der alten Mauer mittig im Bild. Das ist also der älteste Teil des Gebäudes. Davor schließt sich der moderne Verkaufsraum an. Die restlichen Firmenteile liegen dahinter.

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Wer nach Mandling fährt, dem empfehle ich einen Besuch. Wer eine gute Beratung zu den Decken sucht, eine spezielle Farbe möchte oder einen Namen in die Decke gestickt haben möchte, der schreibt mich an!

Wohlgeraten verkauft Decken, Wärmflaschen, Wollsocken von Steiner 1888 in vielen Farben. Sonderwünsche erfüllen wir und auch den guten Schladminger Loden kann ich für Euch als Meterware bestellen.

Und wer wissen mag, wie man rundumher schön Urlaub machen kann, für den habe ich bestimmt in Kürze auch noch den einen oder anderen Tipp parat! Denn ich bin immer wieder unterwegs…

Charis

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Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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