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Schreibmaschinenmuseum Partschins | Von Olivetti bis Mailing Hansen

In Partschins im Meraner Land/Südtirol findet man in einem modernen Museums-Bau nicht nur die Ursprünge der Evolution der Schreibmaschine, sondern auch viele aufregende Seitenarme auf dem langen Weg der Textverarbeitung. 

Ein kleines Schild an der Straße weist den Weg:  Schreibmaschinenmuseum Partschins. Wir toschmunzeln. Ein Schreibmaschinenmuseum. Hier? Zahlreiche Bauernhöfe, Apfelplantagen und Weinberge lassen gute Küche vermuten. Auch Wandern und Bergsteigen ist ein großes Thema. An die Erfindung der Schreibmaschine erinnert hier nun wirklich nichts.

Wir fädeln uns die schmalen Sträßchen hinauf, folgen den Schildern und landen auf einem kleinen Parkplatz direkt vor dem Museum. Es ist später Nachmittag. Viel Zeit bleibt nicht. Das Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer ist ein moderner Neubau inmitten der kleinen Ortschaft, die ansonsten für einen imposanten Wasserfall am Fuße des Naturparks Texelgruppe bekannt ist. Wer den Meraner Höhenweg wandert, kommt an Partschins vorbei.

Schreibmaschinenmuseum Partschins

Die Dame am Einlass hat gleich Feierabend, drückt jedoch ein Auge zu und gewährt uns späten Einlass. Wir rechnen mit ein paar wenigen Maschinen, die auf den Partschinser Peter Mitterhofer zurückgehen. Was wir nicht wissen, ist, dass es sich um eine riesige Sammlung mit ca. 2000 Exponaten handelt – zusammengetragen vom Südtiroler Informatiker Kurt Ryba, beständig ergänzt von Interessierten und Gästen.

Das Museum ist in mehrere Ebenen aufgeteilt. Die Schaukästen mit den zahlreichen Exponaten werden immer wieder von szenischen Darstellungen historischer Schreibstuben und kryptographischer Apparaturen unterbrochen und langweilig wird dem Besucher zwischen all den Glaskästen ganz sicher nicht.

Im Untergeschoss begegnet man der Hauptperson: Peter Mitterhofer. Er wurde in Töll bei Partschins 1822 geboren und wird mit seinen hölzernen Schreibmaschinenmodellen und einigen Originalobjekten aus dem Jahr 1864 vorgestellt. Mitterhofer, so wird berichtet, war von Beruf Tischler und technologisch seiner Zeit weit voraus. Nach Lehr- und Wanderjahren, die er nicht nur in seiner Heimat (damals noch zu Österreich gehörend), sondern auch in angrenzenden Ländern absolvierte, kehrte er kenntnisreich und aufgeschlossen in seine Heimat zurück. Der junge Mann musizierte gern. Seine Instrumente, die den alpenländischen Zithern und  Xylophonen ähnelten, baute er vielfach selbst. So muss es sich ergeben haben, dass er außerdem begann, an ersten Schreibmaschinenmodellen zu tüfteln. In einer Tragkraxe trug er diese, von der Öffentlichkeit nicht als bahnbrechende Erfindungen wahrgenommenen, Holzschreibmaschinen nach Wien an den kaiserlichen Hof, wo man sein visionäres Talent verkannte und schmählich abwies. Verbittert musste er mit ansehen, wie Amerikaner Patente anmeldeten, für Geräte, die er selber längst erfunden und gebaut hatte.

Schreibmaschinenmodell Peter Mitterhofer Partschins

Das Museum zeigt über mehrere Etagen teils sehr seltene Schreibmaschinen, teils Modelle, die wir alle kennen. Italienische Olivettis sind dabei, Malling Hansen _ eine seltene Kugelkopfschreibmaschine aus Dänemark, Sholes&Glidden, Franklin, Underwood (alle USA), Diskret und Triumph aus Deutschland, Taurus aus Italien, Royal Gold (USA), sowie Kinderschreibmaschinen, Stempel, Farbbänder und vieles mehr, was mit Schriften und ihrer Sichtbarmachung in Verbindung gebracht werden konnte. Es sind Schreibmaschinen, die in den Vorzimmern der Führungsetagen standen, in großen Büros, große Werke bekannter Schriftsteller wurden auf ihnen getippt oder schnelle Meldungen der Journlisten auf der ganzen Welt.

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Die große Ära der Schreibmaschinen dauerte nicht einmal  ein Jahrhundert, aber mit Ihrer Entwicklung einher gingen Erfindungen wie die deutsche Chiffriermaschine Enigma, die im zweiten Weltkrieg tragische Berühmtheit erlangte.

Das Schreibmaschinenmuseum in Partschins schenkt dem Besucher einen Einblick in Modelle weltweit. Nicht entgehen lassen sollte man sich die dicht bestückten Regale im Keller des Hauses, die nicht nur Sammlern das Herz aufgehen lassen.

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Alles in allem ein wunderbarer Ferientipp für das Meraner Land. Das Museum lohnt nicht nur bei Regen und Kälte. Zahlreiche Veranstaltungen, wei Sonderausstellungen, Poetry Slams und Lesungen dürften auch im Sommer die Besucher anlocken. Eine Facebookseite informiert.

Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer Partschins

Kirchplatz 10
39020 Partschins (BZ)
Tel. +39 0473 967581
http://www.schreibmaschinenmuseum.com/de/

April – Oktober
Mo – Fr 14.00 – 18.00
Di – Do 10.00 – 12.00 / 14.00 – 18.00
Sa 10.00 – 12.00
Sonntags und an Feiertagen geschlossen

November – März
Nur am Dienstag  10.00 – 12.00

Preise
7,00 € Erwachsene
6,30 € Senioren (ab 65 J.), Gruppen ab 10 Personen (p. P.) und Inhaber der Touristcard
2,00 € Jugendliche  bis 16 J. und  Studenten (mit Ausweis)
15,00 € Familienkarte
Kinder bis 6 Jahre kostenfrei

Einige Modelle, die hier zu sehen sind: Remington Portable von 1915, Corona 1923, Stoewer 1926, Continental 1929, Diamant 1927, Olivetti ICO 1931, Royal Signet 1932, Optima 1960, ABC 1958, Olivetti Valentine 1970, Olivetti P203 1970, Smith Corona Compact 1954, Picht, Blindenschreibmaschine 1902 uvm.

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Mehrere Fotos hat mir Peter Breuer zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

 

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Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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6 Kommentare

  1. Hanna sagt

    Das muss ich meinem Opa mal erzählen. Der liebt Schreibmaschinen!

  2. Reinhard R. sagt

    Schöne Bilder – was für Modelle es gibt. Danke für den Hinweis. Wenn wir das nächste Mal in die Gegend kommen, denke ich hoffentlich wieder daran.

  3. Auch ich kann nur alle einigermaßen Interessierte anregen, dieses Museum zu n besuchen. Danach noch eine kleine Weinverkostung in der benachbarten Stachelburg beim Baron Kripp, einem engagierten Biobauern mit Weingütern auch in Ungarn.
    Andreas

    • Danke für den Tipp zur Weinverkostung. Das ergänzt es sicher prächtig. Wir waren spät dran und haben dann noch ein tolles Restaurant entdeckt. Aber darüber berichte ich an einem anderen Tag. Liebe Grüße nach Südtirol!

  4. Immer wieder ist bei meinen Besuchen in Südtirol dieses Museum irgendwo aufgetaucht. Nach dem Bericht werde ich mir das im November auf jeden Fall anschauen! Danke für den tollen Beitrag

    • Mir ging das ähnlich. Ich bin schon vorher an dem Schild vorbei gekommen und dachte immer, was das wohl ist. Es lohnt sich wirklich. Da es z.B. auch Dechiffriermaschinen usw. beherbergt wird es Dir gewiss gefallen. Bin ich mir ziemlich sicher.

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