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Schneegestöber, brennende Steine, Bergfexe – ein Wochenende am Achensee

Bootshaus am Achensee

Achensee. Tirol. Wochenenden erscheinen oft so kurz. Dabei kann man mit wenigen Stunden mehr, ein paar guten Tipps in der Vorbereitung und geschickter Planung ungemein viel herausholen. So viel, dass es noch lange nachwirkt. Wie mein Wochenende am Achensee in Tirol.

Zunächst war ich skeptisch. Pertisau am Achensee. Den Ortsnamen hatte ich mal von einem Onkel gehört, der mit dem Seniorenclub Busreisen machte. Ich musste schmunzeln und sah mich bereits zwischen Rentnern bei einem Stück Kuchen mit Sahnehäubchen sitzen.

Andererseits, der Achensee versprach Bewundernswertes: das Blau des Wassers im Sommer, Wassersportmöglichkeiten, tolle Wandergebiete im Karwendel und Rofan (beides habe ich schon mehrtägig durchlaufen) und Skigebiete zur Rechten und zur Linken beim Passieren dieser Gegend im Winter. Es versprach, spannend zu werden. Und als ich endlich ankam, wurden meine Erwartungen deutlich übertroffen. Deswegen erzähle ich am besten von Anfang an!

Tag 1 – Von Hamburg in die Berge flie(h)gen

Am Freitag startete ich mit dem Flieger von Hamburg nach Innsbruck. Mein erstes Mal auf die bequeme Art. Im Vergleich zu Auto oder Zug für Nordlichter ein unglaublicher zeitlicher Luxus!  Nach gerade mal einer Spielfilmlänge landete ich und wurde von einem Taxi nach Pertisau abgeholt.

Flughafen Innsbruck

Das Wetter war mies, aber mir egal: die Alpen waren da. Charis in Tirol.  Das war das Wichtigste! Mein Fahrer, sommers ein Maurer – im Winter ab und an als Fahrer tätig, war der Erste, der mich von der besonderen Freundlichkeit dieser Region überzeugte. Und das war es, was mich an diesem Wochenende eigentlich am meisten beeindruckte: hier wird man freundlich und aufgeschlossen begrüßt. Selten habe ich mich so willkommen gefühlt und deswegen muss ich es noch einmal besonders erwähnen: das Völkchen rund um den Achensee ist überdurchschnittlich gastfreundlich!

Angekommen im Hotel Bergland in Pertisau bestätigte sich das. Ich erhielt ein modern eingerichtetes, gemütliches Zimmer, mit Bergpanorama vom Kopfende des Bettes. Nebel? Zugezogen? Mir doch egal: allein die Möglichkeit ließ es bereits perfekt erscheinen!

Die nahe Lage zum See ermöglichte mir einen ersten Spaziergang zum Wasser. Der See wird von einem Weg gesäumt, auf dem man ihn mit tollen Aussichten umrunden kann. Das kleine Bootshaus vom Foto oben, hatte es mir sofort angetan und im Sommer, wenn man viel grün sieht oder auch bei Sonnenschein, stelle ich mir die Aussichten einfach grandios vor!

Hotel Bergland - Pertisau Achensee Achensee - Blick nach Maurach

An einem Milchbauernhof auf dem Weg zum See. Plaketten zeichnen die geförderte Milchmenge aus und diese hier den Bauern als zertifizierten Tiroler Landwirt.

Achensee - Blick nach Achenkirch

Am frühen Nachmittag holte mich Daniela Steinmann vom  Tourismusverband Achensee im Hotel ab. Wir fuhren zum nahegelegenen „Vitalberg“, in dem Geschichte und Nutzen des „Tiroler Steinöls“ auf eindrucksvolle Art und Weise geschildert wurde. (Dies geschah so umfangreich, dass ich dem Thema in Kürze einen ausführlicheren Blogeintrag widmen möchte.)

Der Eingang zum Vitalberg ist einem Bergwerks-Stollen nachempfunden. Man tritt ein und findet sich in einer Atmosphäre „unter Tage“ wieder.

Vitalberg Pertisau

Ich erhielt eine sehr lebendige Führung von einem der Inhaber, der spannendes Wissen aus der Familiengeschichte und zu den einzelnen Gewinnungsschritten des Rohstoffes bis hin zum fertigen Produkt preisgab. Interessant vor allem, dass das Öl allein in der Sommersaison gewonnen wird und dass das Schiefergestein, einmal zum Beginn der Saison entzündet bis zum Herbst durch brennt. Details von denen ich vorher wirklich gar nichts wusste.

Führung Vitalberg Pertisau

Im Anschluß gab es Glühwein mit Daniela im Vitalberg-Cafe mit Seeblick. Dann österreichischen Lieblings-Senf mit Estragon kaufen, Sauna-Abend in der schönen Wellness-Landschaft des Hotel Bergland und Kraft schöpfen für den Skitag am Samstag! Perfekt!

Tag 2 – Neuschnee, Freeriden in Christlum und das volle Verwöhnprogramm!

Ausgestattet mit der Achensee-Card und meinem Snowboard trabte ich morgens durch dicke Schneeflocken Richtung Bushaltestelle. Zugegeben: ich hatte schon vielversprechendere Wetterlagen in den Bergen erlebt. Die Busfahrt um den See machte jedoch Freude (Ein praktisches Plus für alle Gäste: mit dieser Karte kann man unbegrenzt Bus fahren und zahlreiche Vergünstigungen vor Ort nutzen!) Umsteigen in Maurach und dann ab Richtung Achenkirch. Ich musste kaum warten und fuhr in nahezu menschenleeren Bussen, vorbei an der Rofan-Seilbahn ins Skigebiet Christlum.

Warten auf den Bus

Dort erwartete mich mein Snowboardguide Hubert von der  Skischulde Achensee. Snowboardfahrer sehen immer gut aus und sind sowieso die coolsten. Ich muss das also für ihn nicht zusätzlich erwähnen. Gilt immer! :)

Besonders toll fand ich ihn für die grandiose Idee umgehend mein seit neun Jahren fest eingestelltes Board in der Fussstellung umzubauen, gefolgt von dem Plan, mich in den Neuschnee zum bisher kaum bekannten Freeriden zu schicken. [Hier war perfekt, dass über Nacht viele Zentimeter Neuschnee gefallen waren. ich würde also allenfalls in Watte kippen…oder gegen einen der herumstehenden kleinen Bäume. Ja nun? Wozu trägt man Helm?]

Hier sieht man, mit wieviel Liebe zum Detail mein Brett neu eingestellt wurde!

Das Freeriden im beschaulichen Skigebiet Christlum entpuppte sich als großer Genuss. Klar kippte ich, wie schon von mir erwartet, mehrfach in den tiefen Schnee (wenn man nämlich von seiner Angst gebremst wird, dann plumpst man einfach um) und arbeitete mich mühsam heraus. An anderen Stellen gelang eine Menge und ich bekam großes Lob und als Belohnung eine jeweils anspruchsvollere Passage. Das machte Spaß und ich kenne nur wenige Momente, die ich als erholsamer empfinde, weil man danach unweigerlich in eine angenehme Erschöpfung fällt. Der Schnee, die frische Luft und die Freude dabei entschädigen für alles! Und die gute Laune von Hubert war ansteckend.

Freeriden in Christlum / Achensee

Nach reichlich zwei Stunden im Schneetreiben kehrten wir an der Talstation ins schöne Restaurant des Familienhotels „Seealm“ ein.

Hier erwartete mich Tiroler Gastlichkeit vom Feinsten und am brennenden Kaminfeuer schaufelte ich eine riesige Pfanne „Tiroler Gröstl“ fast komplett leer.

Seealm Achensee 

Mit Bus und Achensee-Card ging es bequem rund um den See zurück nach Pertisau, wo ich mich auf einen angenehmen Wellness-Aufenthalt im Hotel Wiesenhof freuen konnte.

Die Bushaltestelle an der Talstation: das Gelb des Schildes war meine Sonne! …

Ein Rettungs-Hubschrauber im Anflug. Wenn der Himmel zugezogen ist, dann leuchtet alles was rumfliegt und steht dreifach bunt. Auch schön!

Hubschrauber über Christlum am Achensee

Auf der Fahrt um den See konnte ich noch eine echte Besonderheit bestaunen: Achenkirch hat eine der ersten Snowkite-Schulen Österreichs. Mit bunten Kite-Schirmen über den Schnee ziehen lassen – die Windverhältnisse gaben das heute her und Hubert hatte begeistert davon berichtet. Es sah genial aus und wenn mehr Zeit gewesen wäre: DAS hätte ich auch sofort noch probieren wollen!

Snowkiten

Nach kurzer Pause im „Bergland“,  erwartete mich das wunderschöne „Hotel Wiesenhof“ in unmittelbarer Nähe zum Wellness-Programm mit „Tiroler Steinöl“.

Ich bestieg eine komfortable Holzbadewanne und konnte mit Blick auf Berge und Schnee, 30 wohlige Minuten im warmen Wasser chillen. Was für eine Wohltat nach diesem Skitag! Von der Wanne ging es zur Entspannungs-Massage und von dort ab in den Ruheraum mit Panoramablick auf die umliegende Bergwelt des Karwendel-Gebirges. Mehr Luxus geht schwer!

Die Saunen des Hotel Wiesenhof sind vielseitig und von einer kleinen Hütte, die in einem ehemaligen Bienenhaus untergebracht ist, ging es direkt hinaus in den reichlich vorhandenen Neuschnee! Wie gerne hätte ich so etwas allwöchentlich in Hamburg! Ich fühlte mich pudelwohl!

Hotel Wiesenhof - Blick aus der Sauna Frischer Schnee!

Nach mehreren Stunden Faulenzens, nahm ich Platz in der Nähe des Kamins mit gemütlicher Hütten-Atmosphäre. Bei Wein und Enzian-Schnaps erholte ich mich mit einem guten Buch und einem exzellenterem mehrgängigen Essen. Dass ich auch hier über die Maßen freundlich bedient wurde und mich obwohl alleinreisend, äußerst wohl fühlte, soll unbedingt noch erwähnt werden!

Speisen im Hotel Wiesenhof

Die nette ungarische Kellnerin, mit der ich über Heimat und Berge plauderte, machte dieses Bild von mir. Ich hatte einen richtig schönen Abend!

ch-wiesenhof

Tag 3 – Noch mehr Schnee, eine versetzte Schneeschuhwanderin und zum Abschluß eine fröhliche Abfahrt mit Schuß!

Eins vorweg: beim Aufwachen dachte ich: Das darf nicht wahr sein. Das mir? – Mein Blick wanderte vom Bett nach draußen. Außer Flocken und Schnee, Schnee, Schnee war da gar nichts. Das Räumfahrzeug kratzte den Parkplatz frei und auf der Straße dieses wunderbar dumpfe Geräusch einer festgefahrenen Schneedecke, wenn eines der seltenen Autos vorbeirollte. Ich haderte: wieso nicht ein winziger Streifen Sonne in der ganzen kurzen Zeit? Und wollte eigentlich nur eins: liegenbleiben und faul sein!

Der dritte Tag,  so war es mein Wunsch gewesen, sollte aber von einer Schneeschuhwanderung gekrönt sein. Also: raus. Koffer packen. Frühstück und ab in die herrlich funktionellen Skiklamotten, die man heute so trägt.

An der Rezeption ein letztes Plaudern mit den lieben Wirtsleuten vom Bergland und dann tat sich: Nichts. :)) Arthur von der Agentur Natur hatte mich nicht auf dem Zettel. Erreichbar war er auch nicht. Wie sich herausstellte, war er zum Zeitpunkt unseres Nachfragens tief in eine Meditation versunken. Und da wir in einer Zeit leben, in der wir meinen, jeder von uns müsse in jeder Sekunde telefonisch ereichbar sein, wurde ich zunächst etwas nervös. Nur noch ein paar Stunden blieben mir und es war die Frage: Spazieren gehen auf gut Glück oder warten?

Mit einer im Urlaub wirklich lächerlich kurzen Stunde Verspätung gingen wir los. Es hatte wundervoll geschneit und die umliegenden Wiesen versprachen die besten Wanderverhältnisse, die man haben kann. Und was mich zusätzlich entschädigte: kein hektisch ambitionierter Guide erwartete mich, sondern Arthur wirkte regelrecht tiefenentspannt. Er erklärte mit viel Ruhe und Charme die Funktionen der Schneeschuhe, das Anlegen und die leicht erlernbare Technik des Gehens.

ERklärung Schneeschuh

Im Schneeschuh Schneeschuh festzurren

Vorbei an der hinter dem Hotel liegenden Karwendel-Bergbahn (mit kleinem Skigebiet) wanderten wir den Berg hinauf und genossen Luft, aufbrechende Sicht und gute Gespräche. Nun endlich hatte ich auch die Möglichkeit den See doch noch einmal in voller Pracht von weiter oben zu bestaunen. Sah toll aus!

achensee-von-oben

(Man kommt bergauf ins Schwitzen, aber wirklich anstrengend war es  nicht. Mit Verschnaufen und kleinen Fotostopps kommt man gut voran und geht deutlich bequemer, als ohne Schneeschuh!)

Oberhalb von Pertisau besuchten wir die erst 2003 erbaute sehr gemütliche Rodelalm, in der man sich auf’s beste mit Tiroler Leibgerichten vollschlagen kann. Ich wählte Schmalzbrote, um wenigstens ein Foto mit einem Opinel machen zu können. (Diesmal hatte das Wetter mir nämlich sämtliche Picknickfotos für wohlgeraten verhagelt. Eines musste nun doch wirklich sein…) Und zum Nachtisch Kaiserschmarrn. Yeah!

Rodelhütte oberhalb von Pertisau Jause Rodellhütte

Kaiserschmarrn!

Kaiserschmarrn

Mit dem Rodel ging es anschließend in fröhlicher Fahrt zurück ins Tal und von dort noch eine gute Stunde rund ums herrlich frisch verschneite Pertisau. Die Sonne drängelte hinter den Wolken, konnte sich den Weg aber noch nicht endgültig bahnen.

Winterlandschaft Achensee

Perspektive vom Schneeschuh aus

Schneeschuperspektive

Vorbei an zahlreichen Hotels, kleineren Fremdenzimmer-Vermietungen und mit vielen Informationen versorgt ging es zurück ins Hotel, wo ich mich schnellstens in meine Reisegarderobe begeben musste.

Fremdenzimmer Pertisau

Das Taxi wartete – 15.00 Uhr! Und die ersten Mützen Blau erschienen am Himmel über dem See.

Achensee im Winter

Auf dem Flughafen Innsbruck schien mir die Abendsonne zum Abschied. Ich war ein wenig traurig. So, wie ich es immer bin, wenn ich hier abfahren muss.

Flughafen Innsbruck - Sonne zum Abschied

Aber die Berge sind doch näher als man denkt. In weniger als zwei Stunden war ich zurück in Hamburg, wo mich kräftiges Schneetreiben erwartete. Hatten die getauscht?

Fazit: Ein echt wohlgeratenes Wochenende –  so schön wie immer in Tirol. Ich möchte ganz schnell wiederkommen!

Charis

Danke an Manuela von der Tirol Werbung, die mich einlud, Daniela vom Achensee Tourismus, den Wirtsleuten im Bergland und im Wiesenhof, Hubert von der Skischule und Arthur und an Hermann Albrecht von „Tiroler Steinöl“. Die Zeit am Achensee habt ihr zu dem gemacht was es war und ich zehre noch heute von dem hohen Grad an Erholung. Es war toll!

 

 

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Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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5 Kommentare

  1. Sandra sagt

    Der Bericht ist zwar schon ein paar Tage alt, jedoch wollte ich kurz loswerden, dass die Bilder und der Bericht (trotz des schlechten Wetters) sehr gelungen ist ;-)

  2. Hehe, Charis,
    wie nett geschrieben, man kann Deine Affinität zu den Bergen so richtig nachvollziehen. Auf die Idee mit dem Flieger nach Innsbruck zu fliegen, bin ich bisher nicht ernsthaft gekommen. Aber ich freue mich schon auf eine Woche Kaunertal Anfang nächsten Monats. Danach kann es dann gerne Frühling werden.

    Viele Grüße, Bernd

  3. Daniela sagt

    Liebe Charis!

    Das hört sich nach einem perfekten Achensee WE an!!! Super, dass es dir so gut gefallen hat. :)
    Auf jeden Fall – sehr gerne auf ein baldiges Wiedersehen!

    Liebe Grüße aus’m noch immer tief verschneiten Achenkirch
    Daniela

  4. Hallo Charis!

    Es sieht so aus, als ob du am Achensee sehr viel Spaß gehabt hättest – und deinen Aufenthalt im schönen Tirol auch sonst in vollen Zügen genossen hättest!

    Wir (meine Familie und ich) waren ja auch vor einigen Wochen am Achensee (wie du weißt) – und es hat uns auch gut sehr gut gefallen, auch wenn unser Freizeitprogramm ein wenig anders war:

    So oder so: Ich hoffe man trifft sich dann mal am Achensee. Einer gemeinsamen Schneeschuhwanderung steht dann eigentlich nichts mehr im Wege ;-)

    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart,

    Markus

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