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Schlamm und Dolce Vita: Fango in Abano Terme

Thermalwasserpool

Wenige Kilometer vom romantischen Venedig und der alten Universitätsstadt Padua entfernt, liegen die italienischen Kurorte Abano und Montegrotto  Terme. In dieser Region, nahe der Euganeischen Hügel hat sich bereits in der Antike eine außergewöhnliche Bäderkultur entwickelt, die auf natürliche Thermalquellen zurückzuführen ist. Das Besondere an den heißen Quellen ist der Reichtum an gelösten mineralischen Substanzen, welcher durch eine kilometerlange Wanderung des Wassers durch unterirdische Gesteinsschichten zu erklären ist.

Das warme Wasser, vulkanischen Ursprungs, zieht hauptsächlich Gäste in gehobenem Alter an und das nicht erst seit heute. Ein wenig Kleingeld ist zudem hilfreich. Schon Goethe und andere kluge Geister haben ihre müden Knochen in das heilsame Sprudelwasser Abanos getaucht und auf die Wirkung des Jungbrunnens vertraut.

Als Szenetreff eignet sich der Kurort (er gilt als einer der größten weltweit) eher weniger. Wieso ein Besuch sich dennoch und schon deutlich vor Eintreten der Altersstarrheit lohnt und sogar Spaß machen kann, soll dieser Artikel erläutern.

Grand Hotel Orlogio Abano

Ein langer Weg: von den Alpen in die Euganeischen Hügel

Das Thermalwasser der Euganeischen Hügel hat einen weiten Weg hinter sich gebracht, wenn es in der Po-Ebene durch Vulkanschlote wieder an die Oberfläche tritt. Oder vielleicht sollte man besser formulieren trat, denn seit Beginn dieses Jahrhunderts sprudeln die Quellen nicht mehr von allein. Je nach Lage müssen die Hotels und Anbieter der Thermalkuren heute zwischen 300 und 1000 m in die Tiefe bohren, um auf ein Wasser zu stoßen, dass in seiner Qualität an allen Orten der Region als gleich effektiv zu bewerten ist.

Das Wasser, welches als Regenwasser in der Gegend oberhalb von Verona in den Voralpen in die Erde eindringt, sucht sich auf 80 km und einer Zeit zwischen 25 – 60 Jahren (hier gehen die Quellen auseinander) seinen Weg durchs Gestein und erhält dabei seine geothermische Aufladung. Auf dieser Reise findet auch die Anreicherung mit den so entscheidenden Mineralien statt. Chemisch wird das Wasser als Salz-Brom-Jod-Hyperthermal eingestuft, was 5-6 g gelöste Mineralsalze pro Liter bedeutet.

Entscheidend ist nicht nur die Zusammensetzung, sondern vor allem die Temperatur des Wassers, das beim Austritt aus der Erde 83 °C beträgt. Frieren muss in Abano Terme niemand, denn die Wassertemperatur reicht aus, um in allen Hotels eine gut funktionierende Heizung zu betreiben.

Katze am Thermalwasserbecken

Nutzung und Effekte des Thermalwassers

Für die Nutzung des Thermalwassers ist eine Lizenz erforderlich, die sich einzelne oder zusammengeschlossene Betriebe teilen. Damit ist es möglich große Schwimmbecken zu befüllen, die sich innerhalb oder im begrünten Außenbereich der gepflegten Hotelanlagen befinden. Allein das Schwimmen in den badewannenwarmen Fluten entspannt die Muskulatur, macht angenehm müde (Brom!) und sorgt für eine bessere Durchblutung der Gelenke. Hier ist es besonders angenehm, dass viele Bäder über spezielle Massagedüsen verfügen, die den Effekt angenehm verstärken. Richtig viel schwimmen ist in den Thermalschwimmbecken eher weniger angesagt. Wer sich sportlich betätigen mag, geht in die normalen Becken.

Für eine therapeutische Nutzung der Thermalquellen gibt es spezielle Anwendungsmöglichkeiten, die der Regeneration, aber auch der Vorbeugung von Gelenkerkrankungen und Vergleichbarem dienen. Neben Inhalationen, die Atemwegserkrankungen behandeln, ist es hauptsächlich das Fango, für das Abano und die umliegenden Thermen so berühmt sind.

Fango – Der heilende Schlamm aus der Po-Ebene

Fango ist italienisch und bedeutet im Grunde nichts anderes als Schlamm oder Schlick. Ein lehmhaltiger Boden, der im Falle von Abano aus einem Baggersee in der Gegend von Arquà Petrarca stammt und in speziellen Becken mit dem Thermalwasser aufbereitet wird.

Die Behandlung erfolgt nach einem stets gleichbleibendem Muster: das Fango wird im warmen bis heißen Zustand auf die nackte Haut aufgetragen. Besonders der Rücken und die Gelenke werden dick mit dem Heilschlamm eingerieben, bevor man sich auf einer Liege in Tüchern eingepackt zum Schwitzen hinlegt. Nach ca. 20 Minuten der Ruhe wird der Körper mit lauwarmem Wasser abgespritzt und in einem schonend warmen Thermal-Ozon-Bad auf normale Körpertemperatur zurückgebracht. Die so intensivierte Muskelentspannung sollte für eine aktivierende Massage genutzt werden, die aufgrund der tiefen Durchwärmung des Körpers besonders gut wirken kann. Eine Ruhephase im Anschluß schließt den Zyklus ab, der zwischen sechs und zwölf Mal in ein bis zwei Wochen wiederholt werden sollte.

Der für das Fango benutzte Lehm muss bestimmte Charakteristika aufweisen, wie eine bestimmte Dichte und wird dann  in einem zweimonatigen Prozess von Thermalwasser durchdrungen bis sich eine schlammige Masse ergibt, die eine medizinische Wirkung entfalten kann.

Appetitlich sieht das nicht aus und wer seine Hotelanlage durch eine der hinteren Türen verlässt, hat dann auch das Gefühl in einer Betonfabrik untergekommen zu sein.

Fangobecken in Abano Terme

Die obere Schicht der Fangobecken, eine grünliche Masse, die von Algen durchsetzt ist, ist das sogenannte „Gelbe vom Ei“, die heilsame, pharmakologische Schicht, die in der Behandlung zum Einsatz kommt. Der Reifeprozess des Schlamms ist der entscheidende Faktor und nur Betriebe, die hier über ausreichend Erfahrung verfügen und gewissenhaft an das Thema herangehen, können als empfehlenswert eingestuft werden. Von der anfänglich etwas schauerlichen Kulisse sollte man sich also keineswegs abschrecken lassen!

Damit die therapeutische Wirksamkeit des Fangos nicht als bloße Behauptung im Raume steht, haben die Kurorte um Abano Terme in den 80er und 90er Jahren umfangreiche und kostenintensive Studien an der Universität Padua in Auftrag gegeben, mit dem Ergebnis ein Bakterium zu finden, welches in dieser Form an keiner anderen Stelle der Welt vorkommt. Darauf ist man stolz, hat es in Paris beim europäischen Patentamt hinterlegt und lässt sich diese Einzigartigkeit natürlich auch entsprechend bezahlen.

Leinentücher für das FangoFangoaufbereitung

Wie wirkt das Fango?

Wie wirkt das Fango aber nun eigentlich und für wen kommt es in Frage? Und warum sollte es auch für jüngere Menschen von Interesse sein?

Hauptindikation für eine therapeutische Behandlung sind Erkrankungen der Gelenke oder Degenerationen des Skeletts. Natürlich stehen Arthrose und Osteoporose ganz oben auf der Behandlungsliste, was erklärt, wieso die Thermen vor allem von älteren Menschen aufgesucht werden.

Wer beispielsweise einen Kreuzbandriss oder eine Knieverletzung hatte, wird jedoch früher mit Problemen rechnen müssen. Die entzündungshemmenden Faktoren, die über die Haut aufgenommen werden, die intensive Muskelentspannung und der Abtransport von ersten Ablagerungen in den Gelenken, helfen vorbeugend einen altersbedingten Schmerz möglichst lange zu unterbinden. Wer früh beginnt, der tut sich trotz fehlender Beschwerden nachweislich einen riesigen Gefallen. Mit Fangopackungen aus gereiftem Schlamm ist es effektiv möglich, den Verschleiß des Bewegungsapparates zu verlangsamen. Ein Effekt, den zum Beispiel sportlich sehr aktive Menschen nicht unterschätzen sollten. Man gewinnt Zeit! Und das ist naturgemäß nicht erst mit sechzig aufwärts sinnvoll, sondern beginnt sehr viel früher. Mit vierzig, spätestens fünfzig Jahren lohnt es sich über eine Stabilisierung des Ist-Zustandes nachzudenken. Später trägt man die Früchte davon.

Thermal-Ozon-Bad

Wie lange und wie oft?

Wer sich für eine Fango-Kur entscheidet, sollte einmal im Jahr für ein bis zwei Wochen in die Welt des heilsamen Schlammes eintauchen.  Das Schwimmen in den heißen Quellen stellt eine gute Ergänzung der Behandlung dar, ist aber für den erholsamen Effekt noch nicht einmal  zwingend erforderlich. Wer lieber wandert oder am Nachmittag gemütlich durch die Gassen von Padua oder Venedig bummelt: warum nicht? Alles was entspannt, tut gut!

Fango kann man sich wie ein starkes Infrarot, welches den Körper durchdringt, vorstellen. Nur wer akute Entzündungen, Krampfadern oder ein Krebsleiden hat, darf sich einer Fangobehandlung nach aktuellen Erkenntnissen nicht unterziehen. Für chronische Entzündung ist die Behandlung hilfreich. Nach einem Zustand der kurzfristigen Verschlechterung, erholt sich der Körper, um in eine Phase der deutlichen Verbesserung der Beschwerden überzugehen.

Eine endgültige Bilanz über die Resultate einer Fangokur lässt sich erst nach ca. einem Monat ziehen, denn die eingeleiteten Prozesse wirken nach. Wer eine Fango und Mayr-Kur miteinander verbindet ist sicher mutig (die gute italienische Küche lauert an jeder Ecke!),  aber weil man durch das Fango extrem schwitzt, ist der Einstieg wesentlich leichter und die harte Einstiegsphase deutlich schneller vorbei.

→ Mehr Infos über eine Mayr-Kur hier

Die Euganeischen Hügel und das Veneto laden also nicht nur zu Wandern, Weintrinken, Kulinarik und großartiger Kultur ein: sie sind auch ein Ort tiefster Entspannung. Und: die alten Römer waren vor uns allen da!

→ Mein erstes Fango – Erlebnisbericht 

Petrarca

Wie kommt man hin?

Mit dem Pkw
Autobahn A4 Mailand – Venedig, Ausfahrt Padua West

Mit dem Zug
Bahn bis Padua. Dort vom Busbahnhof (12 km bis Abano) mit dem Linienbus, der alle 20 Minuten fährt

Mit dem Flieger

Flughafen Marco Polo in Venedig, dann Mietwagen für ca. 140 €/Woche, 45-60 Minuten Fahrzeit
Weitere Flughäfen: Treviso ca. 70 km, Verona ca 90 km , Bologna ca. 90 km entfernt

Weitere Infos über das Tourismusbüro www.visitabanomontegrotto.com

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Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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2 Kommentare

  1. Andreas Gottlieb Hempel sagt

    Beneidenswerter Aufenthalt sehr gut beschrieben! Da kann man sich ja aufs Alter, Arthrose und Osteoporose freuen.

Jeder Kommentar freut mich!