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Nachtrodeln – Winterspaß im Tiroler Stubaital

Rodelhütte Tirol

Bist Du jemals in der Dunkelheit rodeln gewesen? Wenn nicht, dann hast Du in jedem Fall eine absolute Wintergaudi verpasst.

Ich kenne das Nachtrodeln vor allem aus den Tiroler Bergen. Im Stubaital in Neustift war ich mehrfach am Elfer rodeln. Mal zu Silvester (wenn genug Schnee lag), mal etwas später im Jahr, wenn die Temperaturen bereits etwas milder waren.

Mit dabei war oft meine (damals noch) kleine Tochter, die viel Spaß an den wilden Rodelpartien hatte. Selbst meine Eltern habe ich überzeugen können. Mit der ganzen Familie oder Freunden zusammen macht es noch mehr Spaß. Das Rodelvergnügen steht je nach Mut und Sportlichkeit so ziemlich jeder Altersklasse offen. Vorsicht ist bei allem Spaß jedoch oberstes Gebot.

Eisgratbahn Stubaier Gletscher Tirol

Natürlich kenne ich die Sorge, dass jemand meint, der Partie , die in den Alpen durchaus etwas anspruchsvoller als im Mittelgebirge sein kann, nicht gewachsen zu sein. Dazu kann ich folgendes erzählen:

Wie nennt man einen schiffbrüchigen Rodler?

Eines Abends, wir hatten bereits einen fröhlichen Skitag hinter uns, sind wir  mit den Gondeln am Elfer-Lift hinaufgefahren. Mit dabei war die ganze Familie und jeder Erwachsene hatte einen Schlitten für sich. Oben angekommen setzte sich die Meute in Bewegung. Die Rodelbahn war perfekt ausgeleuchtet und es waren nicht allzuviele Fahrer unterwegs, sodass wir juchzend die Piste heruntersausen konnten. In den steilen Kurven, bremste ich immer rechtzeitig ab, auf den Geraden gab ich Asche. Es war ein Heidenspaß, zumal die Piste an diesem Abend glücklicherweise auch keine vereisten Stellen aufwies (Finger weg von vereisten Bahnen!).

Noch ziemlich weit oben am Berg – ich schätze nach dem ersten Viertel – traf ich in einer Kurve auf eine Frau, die etwas zu suchen schien. Ich hielt an und fragte nach. Sie reagierte dankbar und erklärte mir auf englisch, dass ihr Schlitten verloren gegangen sei. Sie hatte die Kurve zu schnell genommen und war umgekippt und unglücklicherweise hatte sie den Schlitten dabei weiterschlittern lassen.

Ich bot natürlich an, sie ein Stück mitzunehmen. Ich nahm ja an, dass ihre Familie hinter den nächsten Kurven auf sie wartet.

Die Frau war in etwa doppelt so schwer wie ich. Ich stemmte mich mit aller Kraft in den Schnee. An ein Mitlenken von ihr war nicht zu denken. Sie hatte keinerlei Gefühl dafür. Um den Kontakt zu halten, begann ich ein wenig Smalltalk zu halten, während wir (dem höheren Gewicht geschuldet) in wilder Fahrt den Berg hinab jagten. Es stellte sich heraus, dass die Dame (den Namen habe ich leider vergessen) aus Südafrika angereist war und ihren allerersten Urlaubstag in Tirol verbrachte. Noch nie zuvor hatte sie Schnee gesehen, nie zuvor war sie rodeln.

Insgeheim gratulierte ich mir zu diesem Glücksgriff und hoffte noch immer, schnell auf die Familie zu treffen. Aber Fehlanzeige! Wir nahmen sie unterwegs mit in die Hütte, hatten einen fröhlichen Abend bei Glühwein, Tee und Kaiserschmarrn und irgendwie brachte ich sie tatsächlich bis ins Tal.

Unten im Tal wartete ihre Famile. Überglücklich ging sie hin, um von ihrem wunderbaren Rodelerlebnis zu erzählen. Ich selbst brauchte erst einmal ein heißes Bad…

→ Wichtig zu wissen bleibt auf jeden Fall: oben am Berg bleibt keiner! Irgendwie geht es immer hinab und die offiziellen Rodelbahnen werden auf jeden Fall vor Schluß der Veranstaltung noch einmal gründlich abgefahren. Spätestens hier würden verloren gegangene Rodler eingesammelt!


Diese Ausrüstung kann ich empfehlen:

  • Warme Skibekleidung möglichst mit Schneefang
  • Dicke wasserfeste Winterstiefel mit Profil (der Schnee sollte nicht in die Stiefel kommen können)
  • Mütze und Handschuhe – ich hatte meist meine Snowboardhandschuhe mit Protektoren an. Etwas dicker kann nicht schaden. Auch die Handschuhe sollten unbedingt wasserfest sein!
  • Eine Stirnlampe (der Rodel kann mal über das Ziel hinausschießen o.ä.)
  • Für Kinder auf jeden Fall: Skihelm!
  • Handy (Um Hilfe zu holen, falls doch mal etwas schief geht)

Das würde ich zuhause lassen:

  • Teure Fotoausrüstung
  • Rucksäcke (Gepäck nervt nur)
  • Picknick  (Auf den Hütten gibt es gutes Essen. Drinnen Aufwärmen gehört dazu.)
  • Alkohol in Flaschen – Klar ein kleiner Gipfelschnaps gehört dazu. Grundsätzlich muss man aber dringend den Überblick behalten. Ab und an kann so eine Piste auch mal vereist sein. Also besser Hände weg vom Alkohol!

Das sind die Rodelbahnen im Tiroler Stubaital

In der Schlick 2000 in Fulpmes geht es jeden Mittwochabend von der Mittelstation Froneben über die beleuchtete Skiabfahrt rasant zu Tal. Achtmal pro Winter kann dieser Spaß zusätzlich durch einen Besuch der Ski-Night-Show „Night of Colours“, die ein farbenfrohes Spektakel darstellt, aufgewertet werden. Die Bahnauffahrt ist dann von 19:30 – 22:00 Uhr möglich.

Nachtrodeln Schlick 2000:                  Mittwoch von 19:30 bis 21:00 Uhr

Night of Colours Schlick 2000:            Mittwoch 01.02. / 08.02. / 15.02 / 22.02. / 01.03. / 08.03. 

Unter den drei mit dem Naturrodelbahngütesiegel des Landes Tirol ausgezeichneten Rodelbahnen der Elferbahnen in Neustift befindet sich auch die längste, beleuchtete, beschneite und präparierte Rodelbahn im Stubaital. Montags, mittwochs und freitags findet auf zwei Bahnen Nachtrodeln statt. Die Rodelbahn ins Pinnistal wird dann mittels Petroleumlampen in romantisches Licht getaucht und Damen dürfen sich zur Ladies-Night am Mittwoch über eine kleine Überraschung freuen. Rodeln können an der Talstation geliehen werden.

Nachtrodeln am Elfer

Rodelbahn Elfer-Dorf Neustift:           Montag, Mittwoch, Freitag von 19:30 bis 01:00 Uhr

Rodelbahn Elfer Pinnistal:                 Montag, Mittwoch, Freitag von 19:30 bis 22:00 Uhr

Rund um die Serles laden gleich drei Rodelbahnen zum nächtlichen Stelldichein: Maria WaldrastGleins und Mieders. Bei letzterer ist die Auffahrt am Dienstag- und Freitagabend mit den Serlesbahnen möglich. Der Rodelverleih an der Talstation sorgt für die passende Ausrüstung.

Nachtrodeln Serlesbahnen Mieders

Rodelbahn Mieders:                             Dienstag & Freitag 

Auffahrt mit der Gondelbahn von 19:00 bis 20:30 Uhr – Rodelbahn bis 02:00 Uhr beleuchtet

Rodelbahn Gleins:                                Dienstag bis Sonntag bis  00:30 Uhr beleuchtet

Rodelbahn Maria Waldrast:                 täglich bis 23:00 Uhr


→ WEITERE INFOS ZUM NACHTRODELN IN TIROL  

findet Ihr auf der Seite vom Tirol-Tourismus! http://www.tirol.at/reisefuehrer/sport/rodeln/nachtrodeln


Schnee-Herz


Unterkünfte im Stubaital

Gletscher Chalet  Stubai                                        Schönherrhaus Neustift

Gletscherchalet Bergfex Stubaital Tirol Schönherrhaus Neustift Stubaital Tirol

Relais & Châteaux Hotel Jagdhof                      Bruggerhof Fulpmes

Jagdhof Neustift Stubai Bruggerhof Fulpmes Stubaital Tirol

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Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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3 Kommentare

  1. Anna sagt

    Vielen Dank für den Beitrag. Das Nachtrodeln haben wir bisher noch nie gemacht. Allerdings wollen wir im Herbst wieder ins Stubaital. Wir sind zurzeit auch noch auf der Suche nach einem Hotel.

  2. citrusfreund sagt

    In der kleinen “ wahren Begebenheit“ beim Nachtrodeln stellt Charis ihre Rolle und ihr Verdienst recht bescheiden dar – als damals dazugestoßener Augenzeuge möchte ich schon hinzufügen, dass die Südafrikanerin sich ihrer nicht ungefährlichen Lage in keinster Weise bewusst war – sie ahnte weder , daß es bis zum Ziel noch viele Kilometer einsamer Piste waren, mit Laufen nicht einfach zu bewältigen. Sie wusste ja nichts weiter über das Ziel, die Kälte, die Dunkelheit und Glätte.
    Ihr schwerer Schlitten war an der Kurve, an der sie ziemlich orientierungslos im Halbdunkel herumstapfte, geradeaus über die Kurvenkante weitergeschossen, war unerreichbar sicher 100 Höhenmeter irgendwo tiefer am steilen Hang im Wald. Zum Glück war sie irgendwie rechtzeitig „abgestiegen“. Die Einkehr in der Hütte auf halber Höhe fand sie großartig, keine Bedenken, dass sich jemand weiter um sie sorgen könnte. Inzwischen war in der Talstation längst ihr Ehemann in Diskussion mit dem dortigen Personal und eine Suche wurde von der Bergrettung erwogen – aber wo ?! Inzwischen dürfte bei besser ausgebautem Handynetz solche Situation sehr viel schneller zu lösen sein, vor einigen Jahren aber eben noch nicht.
    Von null auf hundert aus Südafrika zum Nachtrodeln in die Alpen – das sollte jedenfalls nicht die normale all-inclusiv-wellness- Urlaubsvariante werden !

  3. Andreas Gottlieb Hempel sagt

    Liebe Charis,
    ja, nachtrodeln, vor allem bei Vollmond ist toll! Oder war toll bis zum schweren Sturz von Julia auf der vereisten Abfahrt von der Geislerhütte unter halb des Sass Rigais ins Villnösstal, Südtirol. Sie hatte noch Glück, nicht an einen Baumstamm zu knallen als sich ihr Schlitten überschlug. Es genügte ein schlimmer Bruch des Oberschenkels. Zum Glück war die Bergwacht auf den Ruf von 118 innerhalb einer Viertelstunde bereits mit dem Land Rover da und unten im Tal wartete bereits der Sanitätswagen, der sie ins Krankenhaus von Brixen brachte – 12 Tage war sie nach der Operation mit 45 cm langer Narbe dort, das Eisen, das die Knochen wieder zusammenhielt ist heute noch nach fast 10 Jahren im Körper (dort kann wenigstens der Knochen nicht nochmal brechen). Die Ärzte erzählten, dass die Verletzungen beim Rodeln häufiger und schwerer seien als bei den Skiläufern. Fazit: nie mehr rodeln! Und leuchte der Vollmond noch so toll.
    Wer es trotzdem weiter tut, dem sei größte Vorsicht angeraten – sonst geht das geile Juchzen schnell in Hilfeschreie über. Und unbedingt auch als Erwachsener einen Helm tragen!
    Übrigens sind Schneewanderungen bei Mondlicht auch ganz toll.
    Und: Prost in der Hütte, kein Alkohol, kein Jägertee beim Sport!
    Ski Heil wünsche ich als ehemaliger Skilehrer, der sich weigert auf Kunstschnee zu fahren – also garnicht mehr beim derzeitigen Schneemangel, denn nichts ist doofer als auf einer weißen Krawatte durch braune Wälder zu gleiten, mal ganz abgesehen von der fragwürdigen Vergeudung von Trinkwasser für künstliche Beschneiung mit kleinen Eiskügelchen statt mit weichen Schneeflocken. Noch nie gab es so viele Verletzungen wie heuer wo nur knallharter Kunstschnee liegt. In der Traumatologie von Brixen bilden sich Schlangen und der Hubschrauber ist ständig im Einsatz.
    Andreas

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