Allgemein, Museen, Salzburger Land, Top 5 Museen
Kommentare 2

Montanmuseum Alt-Böckstein – Dem Salzburger Gold auf der Spur

Gasteinertal. Alt-Böckstein. Unauffällig liegt Altböckstein weit hinten im Gasteinertal. Kurz bevor man den Berg linkerhand Richtung Heilstollen abbiegt oder weiter bis Sportgastein hindurchbraust, liegt zu rechten die kleine Siedlung bunter Häuser, die doch einen so großen Teil der Gasteiner Geschichte erlebt und geprägt hat. Einige dieser Häuser sind sehr alt und dort, wo früher Goldbarren gegossen wurden, ist heute ein Museum: Das Montan Museum Altböckstein! Ein vor allem in den Sommermonaten lohnendes Ausflugsziel im Gasteinertal!

alt-boeckstein-gasteinertal

Nachdem ich es besucht habe, ist mir klar, wieso das Hotel Goldberg in Bad Hofgastein Goldberg heißt und auch andere gedankliche Verbindungen schließen Kreise. Im Gasteinertal gibt es Gold!

Geschichte des Goldabbaus im Gasteinertal

Um es vorweg zu nehmen: Wer heute hofft, im Gasteinertal Gold finden zu können, hat eine minimale Chance. Die alten Halden, auf denen taubes Gestein von verwertbarem Erz getrennt wurden, gibt es noch. Weit hinten im Tal. Natürlich wurden Spuren übersehen und so kommt es vor, dass Klumpen mit Resten einer Goldader gefunden werden können. Aber wo sollte man sie herusschmelzen? Und wie? Das alles erklärt das Museum Alt-Böckstein.

montanmuseum-

alte-transportlore blick-in-stollen

erz

Der Goldbergbau im Gasteinertal hat seinen Ursprung im Jahre 1342.  Der Landesfürst Erzbischof von Pyrnbrunn erstellt damals die erste Bergordnung für das Gebiet. Noch ist der Bergbau klein, aber er wächst schnell und im Jahr 1557 werden 830 kg Gold und rund 2733 kg Silber gefördert. (Quelle Montan Museum) Insgesamt sind es etwa 60 Tonnen, die über die Jahrhunderte zusammenkommen.

Das Museum zeigt auf eindrucksvolle Weise die schlichten Gerätschaften, die damals und in den folgenden Jahren im Bergbau verwendet wurden. Ein Eingang in einen Stollen ist nachgebaut und zahlreiche Fundstücke zeigen Bekleidung und Arbeitsmaterialien der Bergleute.

Vieles klingt so giftig und gefährlich, dass ich mir gar nicht vorstellen mag, wie man unter diesen Bedingungen arbeiten musste. Von Quecksilber und Säuren ist z.B. die Rede. Viele Schritte, die benötigt wurden, um die einzelnen Substanzen voneinander zu trennen, bis das reine Gold in Barren geschmolzen werden konnte.

Auch die Bekleidung ist nach heutigen Maßstäben eine Katastrophe. Interessant ist eine Rutsche, die sich Original Knappenroß nennt und als Vorläufer der heutigen Snowboards bezeichnet werden könnte.

gold-wuerfel-montanmuseum

Ein Kilogramm Gold ist etwa so viel, wie der im oberen Bild gezeigte 4 x 4 cm Würfel.

oellampe grubenhunt

knappenross

Das Leben der Bergleute in Alt-Böckstein

Der Weg des Erzes ins Tal war lang.  Die Goldvorkommen fand man über 2000m . Das bedeutete, dass die Bergleute Montagmorgen aufstiegen, die Woche über oben blieben und von einem Stützpunkt dort in den Berg einfuhren. Mühsam brachte man das Gestein aus dem Berg heraus. Zu Beginn gab es noch nicht einmal fahrbare Loren. Auch lebte man vor der Errichtung des jetzigen Böcksteins etwas höher am Berg in „Alte Pöck“, welches jedoch von einer Lawine vernichtet wurde und zur Errichtung Böcksteins 1741 führte. Böckstein war also praktisch das Basislager.

Da das Gestein zu schwer war, um es ins Tal zu tragen, wurde es gezogen und heruntergerutscht. Das gelang am besten im Winter, weshalb der Transport ins Tal auf die kalte Jahreszeit verlegt wurde.

Im Montanmuseum kann man besichtigen, wie das Gestein gerüttelt und zerkleinert wird, in einzelne Bestandteile zerlegt und schließlich in Barren gegossen werden kann. In einem der Gebäude ist ein großes Schauwerk untergebracht.

schauwerk

Die Erträge wurden geringer und zu Beginn des letzten Jahrhunderts war der Goldabbau nahezu eingestellt. Erst 1938 startete die Firma Preuß AG (aus der später durch Umfirmierung die bekannte TUI wurde – man wechselte nämlich in die Tourismusbranche) einen erneuten Versuch. Bis 1945 setzte man zum Teil Zwangsarbeiter ein. Diese gruben den berühmten Gasteiner Heilstollen, in dem man kein Gold, aber durch Zufall Wärme und Radon für Therapiezwecke fand. Heute ist der Heilstollen ein wunderbarer Erholungsort für Menschen mit Gelenkerkrankungen oder einfach für jemanden, der sich einmal vollkommene Ruhe und Entspannung wünscht!

Heutige Zeit

Das Museum ist im alten Salzstadl und einem weiteren Gebäude untergebracht. Ringsherum befinden sich noch alte Wirtschaftsgebäude aus der „Goldgräberzeit“. Eindrucksvoll ist die leicht erhöht stehende, 1764 erbaute Knappenkirche mit einem farbenfrohen Deckengemälde und wunderbarer Sicht auf die Landschaft der Tauern.

Zu ersten Mal habe ich verstanden, dass den armen und von viel Dunkelheit und harter Arbeit umgebenen Bergarbeitern, ein Deckengemälde dieser Art wirklich wie das Himmelreich vorgekommen sein muss. Was für uns heute nur ein Puzzleteil in einer fröhlich bunten Welt, stellte für Menschen der damaligen Zeit einen der wenigen farbenfrohen Ausblicke dar. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Vom Gold ist in Böckstein nichts geblieben. Der gesamte Goldschatz wurde stets unter strenger Bewachung ins nahegelegen Salzburg transportiert, wo es den Erzbischöfen zum Aufbau Ihrer Kirchen und Paläste diente.

Was bleibt ist der Blick auf eine interessante Geschichte und der heute weltweit anerkannte und viel besuchte Heilstollen.

chillen-mit-blasmusik

altboeckstein bergbausiedlung-altboeckstein-gasteinertal

kapelle-altboeckstein

kirche-alt-boeckstein 

blick-von-der-kirche

In diesem Haus wurden die Goldbarrren gegossen und mit streng bewachten Kurieren nach Salzburg gebracht.

goldbarren-giesserei

Das Montanmuseum ist einen Zwischenstopp wert. Nehmt Picknicksachen mit. Die Umgebung dort ist wunderschön!


 INFO

Montan Museum Altböckstein

Verein Montandenkmal Altböckstein
Karl Imhof Ring 12
A-5645 Böckstein
Telefon +43(0)6434-5414
montanmuseum_boeckstein@aon.at
www.montanmuseum-boeckstein.at

Geöffnet 10.5.2015 – 4.10.2015 
Öffnungszeiten: Täglich von 15.00 bis 18.00 Uhr
Führungen
Dienstag: 15 Uhr vor Museum (Kraftwerk, Samerstall, Salzstadl)
Donnerstag: 15 Uhr vor Museum (hist. Spaziergang, Samerstall, Salzstadl)
Sonderführungen: ab 7 Personen

Eintritte:
Salzstadel: € 4,00  |  Ermäßigt: € 2,00  |  Führung:  € 5,00

emailleschild

Der Tourismusverein des Gasteinertals hatte mich zu einem Besuch des Symposiums Anständig essen eingeladen. Das Museum Alt Böckstein war der Tipp eines aufmerksamen und ortskundigen Taxifahrers. Herzlichen Dank dass man mir die kleine Führung so unkompliziert und kurzfristig organisiert hat!

Folge mir!

Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
Folge mir!

2 Kommentare

  1. Regine Sch. sagt

    Kannte ich noch nicht. Das werden wir uns mal für den nächsten Besuch in Gastein merken.

  2. Rosi sagt

    Im nächsten Dolomiten Urlaub werden wir das Museum auf jeden Fall besuchen. Das klingt wirklich sehr spannend. Und vorher oder nachher die Umgebung erkunden ist sicherlich auch eine tolle Idee, den Tag zu füllen. :)

Jeder Kommentar freut mich!