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Käsekeller Bregenzerwald – Tradition und moderne Technologie in Lingenau

Lingenau. Kellerhöhe 7 m. Kellerlänge 70 m. Kapazität: 32.500 Käselaibe auf Fichtenholzbrettern.
Die Eckdaten des Käsekellers des Bregenzerwaldes am Ortseingang von Lingenau klingen beeindruckend. Noch spannender wird es, wenn man selbst vor den meterhohen Regalreihen steht und auf die Käselaibe schaut.

kaesekeller-bregenzerwaldKäsekeller in Lingenau – Käse aus dem Bregenzerwald

Über eintausend bäuerliche Familien gibt es derzeit im Bregenzerwald. Sie verfüttern nach wie vor nur Heu und frisches Gras an Ihr Vieh und können so einen Käse aus silofreier Rohmilch anbieten. Sie produzieren mit Ihrer Dreistufenlandwirtschaft nicht nur wunderbare Milchprodukte, sondern tragen damit zur Erhaltung der wunderbaren Kulturlandschaft des Bregenzerwaldes bei. Ihr Käse ist bei uns in Deutschland in aller Munde. (Ein Beispiel für hervorragenden Käse aus dieser Region habe ich hier beschrieben: Jamei ) Deswegen wollte ich bei meinem letzten Besuch unbedingt einen Abstecher in diesen Käsekeller machen, nachdem ich bereits im Herbst letzten Jahres mehrfach daran vorbei gefahren war.

Käsekeller Bregenzerwald Frontansicht

Warum Dreistufenlandwirtschaft?

Mit der Bewirtschaftung der hofeigenen Almen wäre es den Bauern nicht möglich die Tiere ganzjährig mit frischem Gras und Heu zu versorgen. Nur so kann aber die frische Heumilch erzeugt werden, die für den Käse aus dem Bregenzerwald unerläßlich ist.

Daher besinnen sich die Bauern auf ihre Almen und treiben das Vieh vom Haupthof, der meist direkt im Dorf angesiedelt ist, zunächst auf ein Vorsäß. Dieses befindet sich auf mittlerer Höhe und kann im Frühjahr und Herbst bewirtschaftet werden. Im Sommer, ab Anfang Juli, zieht das Vieh für einige Wochen auf die Hochalpen, wo es auf frischen Bergwiesen Futter findet. Die Wiesen im Tal werden in dieser Zeit gemäht, das Heu für die Wintermonate eingelagert. (Ein Beispiel ist der Bergbauernhof von Ingo Metzler, den ich zu einem späteren Zeitpunkt noch beschreiben werde.)

Auf über 90 Melkalpen wird im Bregenzerwald handgeschöpfter Käse produziert. Da die Lagerung der Käse die größere Herausforderung an den Bauern stellt, haben sich im Jahre 2002 Bregenzerwälder Bauern zusammengetan und eine Reife- und Lagerungsmöglichkeit geschaffen: den modernen Käsekeller am Ortseingang von Lingenau.

Der Käsekeller – Schnittstelle zwischen Tradition und Technologie

Langgestreckt aus grauem Beton liegt er seitlich der Straße. Unauffällig in grauem Beton und nach hinten flacher werdend, ohne das Landschaftsbild wirklich zu stören. Der Käsekeller des Bregenzerwaldes ist vor allem ein riesiges Lager. Die Landwirte der umliegenden Regionen bringen ihre Käselaibe hierher, lassen diese reifen und immer wieder prüfen.

Von den langen Holzregalen werden die Käselaibe mittels Technik herunter gehoben und mit einer Salzlauge gewaschen. Mit einer Art Pipette werden Reifeproben entnommen. Dann werden diese Stellen wieder sorgfältig ausgefüllt, bis der Käse endgültig reif ist.

Im Käsekeller ist möglich, die Laibe durch die riesigen Glasfronten anzusehen. Lange Tische laden zum degustieren ein. Auch kann man nur schwer dem großen Angebot an Molkereiprodukten entgehen. Vom normalen Bergkäse, über Ziegenfrischkäse, bis hin zum Molkepulver ist hier alles vereint, was die Senner auf den Vorarlberger Alpen produzieren.

Ich selbst war am Ende eine langes Tages hier, habe mir einen Film angesehen und natürlich Käse gegessen. Ein Besuch den ich auf Reisen nach Vorarlberg ganz sicher wiederholen werde.

Käsekeller Bregenzerwald Seitenansicht

kaesekeller-bregenzerwald-gastraum

Käsestrasse Bregenzerwald GmbH
Zeihenbühl 423 | 6951 Lingenau
Tel.: +43 (0)5513 42870-41 | Fax: +43 (0)5513 42870-40
Mail: info@kaesestrasse.at

www.kaesestrasse.at/

Käsekeller Bregenzerwald - Blick in die riesigen Regale

 

Dank an den  Vorarlberg Tourismus, der mir den Besuch des Käsekellers organisierte. Meine Eindrücke entsprechen meinen Erfahrungen.
Gerne gebe ich weiterführende Auskünfte!

Einige Fotos stammen von Peter Breuer. Auch dafür: Danke!

Die Dreistufenlandschaft ist übrigens ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen worden


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2 Kommentare

  1. KomR. Prof. Hans HAMMERER sagt

    DANKE für diesen tollen Bericht über die „KäseStrasse Bregenzerwald“.
    Es ist eine Besonderheit, in einer der noch silofreien Zonen ein derartiges Käse-Produkt genießen zu dürfen. Der Blick in eine Alpsennerei, wie auch in die Mitgliedsbetriebe der „KäseStrasse Bregenzerwald“ zeigen diese Einzigartigkeit dieses Naturproduktes.
    Als Moderator führe ich gerne die Gästegruppen (Studenten & Jugendgruppen; Reisegruppen; Senioren; Organisationen; Firmenausflüge; Vereine..) im KäseKeller Lingenau durch die KäseKultur von einst & jetzt mit Verköstigung. Lassen sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Wir freuen uns auf EUCH!

  2. dieStreunerin.com sagt

    Danke für den tollen Bericht. Schön, dass der Käse sehr naturnah hergestellt wird, die Kühe ihren Auslauf haben und die Bauern davon leben können. :)
    Beeindruckend wie hoch die Käselaib-Halle ist. Der Duft nach Käse ist mit Sicherheit verlockend. Ich mag besonders den würzigen Käse.
    Viele Grüße
    Conny

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