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Maßgeschneidert für die Wälderin – Juppenwerkstatt Riefensberg – Bregenzerwald

„Maßgeschneidert für alle Wälder“ steht auf einem Plakat des öffentlichen Landbus im Bregenzerwald. Darunter strahlt eine Frau in Tracht. Sie trägt das Kleid der Wälderin: eine schwarze „Juppe“ aus Leinen.

Was  spielerisch eingesetzt ist, hat einen bedeutsamen Hintergrund. Die Juppe ist eines der wenigen traditionellen Kleidungsstücke, welche noch vom ersten bis zum letzten Schritt von Hand angefertigt werden. Das Leinen wird gefärbt, appretiert, geglästet (glänzend gemacht), gefältelt und dann von Hand zum Kleid genäht. Und: es wird tatsächlich auf Maß angefertigt. Ausschließlich für eine Wälderin.

Das Recht, eine solche Juppe zu erwerben und zu besitzen, obliegt nur einer echten Wälderin. Ausnahmen werden nicht gemacht. Blut zählt mehr als Geld und wenn man den Schilderungen zuhört, dann möchte man dies sofort glauben. Niemanden sonst beliefern die geschickten Kunsthandwerkerinnen der Region, die ihr Wissen in der Juppenwerkstatt Riefensberg freundlich den Besuchern weitergeben. Und dadurch ist dieses Kleidungsstück  etwas besonderes: maßgeschneidert für die Wälderin, die ihre Juppe ein Leben lang trägt und mit Glück sogar an ihre Kinder vererbt.

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Geschichte der Juppenwerkstatt Riefensberg – Bregenzerwald

Lange war es nur noch schwer möglich eine neue Juppe zu bekommen. Die Juppenfärberei, geht auf das klassische Färberhandwerk zurück. Seit dem 17.Jahrhundert färbte die Wälderin ihr Kleid schwarz. Orientiert an der spanischen Mode, entwickelte sie eine hochgeschlossene Tracht aus einem stark gestärktem und plissiertem Leinen.

Da das Leinen ursprünglich nur in schmalen Bahnen gewebt werden konnte, musste es zusammengesetzt werden. Auf die Saumnaht kam ein blaues Band und dieses Merkmal ist bis heute so geblieben.

Es gibt heute schwarze und weiße Juppen und darunter trägt die Wälderin ein blusenartiges Jüppchen mit Ärmeln. Dieses konnte und kann bei Bedarf gewechselt werden. Getragene Juppen werden aufgearbeitet und neu in Form gebracht. Da ein Kleid ab 3000 € aufwärts kostet, ist es eine Anschaffung für’s Leben und nicht zuletzt ein Statussymbol. Wer eine besitzt gehört dazu.

Auf dem Kopf sitzt das goldfarbene Schapperle, was mannigfaltig verziert wurde oder alltagstauglicher: ein schwarzer Hut.

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Foto: Peter Breuer

Die Werkstatt

Wer die Juppenwerkstatt in Riefensberg besichtigen möchte, findet sie im ehemaligen Gasthaus Krone. Ein geschichtsträchtiger Ort, der bereits 1648 urkundlich erwähnt wurde.  Heute hat man das Haus komplett entkernt und mit moderner Architektur zu einer Ausstellungsfläche, die gleichzeitig Platz für die vielfältgen Arbeitsschritte der Juppenherstellung gibt, umgebaut.

Während sich im unteren Bereich, die Räume für die Aufbereitung der Textilien befinden, ist im oberen, zur Straße hin sichtbaren Bereich, eine Schaufläche und ein Nähatelier untergebracht.

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Außenansicht – Juppenwerkstatt Riefensberg im ehemaligen Gasthaus Krone

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Fertigung einer typischen Tracht der Wälderin

Für eine Juppe müssen 5-6 Meter Leinenstoff vorbereitet, eingefärbt und appretiert werden. Früher, als das Leinen noch schmaler lag, war es sogar noch mehr. Da der Gebirgsflachs sehr kurzfaserig ist und daher kaum fein versponnen werden konnte, begann man früh das Reinleinen zu importieren.

Das Leinen wird in der Färberei in großen Bottichen in einen schwarzen Farbsud eingelegt. Ist die Farbe wie gewünscht, folgt das Einlegen in die Appretur, welche dem Stoff die erforderliche Festigkeit verleiht.

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Alte Juppen, die aufgearbeitet werden, müssen säuberlich aufgetrennt werden und von diesem Arbeitsschritt an, erneut bearbeitet werden.

Aus 16 kg Abfallleder kochen die Handwerkerinnen eine leimartige  Appretur. Das ist ein aufwendiger Prozess, denn der Sud muss immer wieder erkalten und ruhen. Erst am dritten Tag kann das Leinen in den Sud getaucht werden. Der Appretur-Sud ist dann für wenige Wochen haltbar, ehe er erneut angesetzt werden muss.

Am Tag der Appretur, dem sogenannten „Leimtag“ wird das Leinen in den Sud, welcher mit schwarzer Farbe vermischt wurde, eingetaucht. Wichtig ist, dass es sich um einen Schönwettertag handelt, denn zum Gelingen braucht die Appretur die Einstrahlung von Sonnenlicht. Die Stoffbahnen werden auf der Wiese vor dem Haus ausgebreitet und sind nach dem Trocknen tatsächlich „knochenhart“. Der Stoff wird vorsichtig zusammengelegt, um ein Brechen zu vermeiden. Dann bearbeitet man ihn erneut.

Es folgt das Glästen, durch welches die Juppe ihren charakteristischen Glanz bekommt.

In der Juppenwerkstatt wird der Raum gewechselt. Wir gelangen zu einer großen gußeisernen Maschine, die an eine Wäschemangel erinnert. Durch Rollen und Reiben wird die Oberfläche des Materials immer glänzender gemacht. Ein aufwendiger Prozess, der Erfahrung und Geduld voraussetzt. Durch diesen Vorgang gewinnt der Stoff wieder etwas mehr an Geschmeidigkeit, bleibt jedoch dennoch steif.

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Bevor zugeschnitten werden kann, muss der Stoff nun gefältelt werden. Auch hierfür gibt es eine Maschine. Falte für Falte wird in den Stoff gepresst. Für die Geduld, die hierfür von Nöten ist, bewundere ich die Damen der Werkstatt.

Interessant für diesen Vorgang: damit der Stoff die Form behält benötigt er eine minimale Feuchtigkeit. Die Wälderinnen legen ihn daher in eine feuchte Bodenkuhle, die sich inmitten des Hauses befindet. Nicht zu lang darf das Material liegen, denn dann verliert es den Glanz. Nur die jahrelange Erfahrung garantiert, das das Vorhaben gelingt. Eine spannende Tradition!


Leicht aufgerollt erreichen nun die Stoffbahnen das Schneideratelier im ersten Stock des Hauses.

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Es wird zugeschnitten und von Hand genäht. Borten werden geknüft und Hauben gestrickt.

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Näherinnen (bis 3500 Handstiche!), Stickerinnen und Knüpferinnen sind an einer Juppe beschäftigt. Die Handwerkerinnen, allesamt aus der Region, arbeiten zum Teil von daheim und bis zu zwei Jahren an einem Teil. Nachwuchssorgen gibt es keine.

Die lange Produktionszeit entschuldigt den Preis. Junge und alte Frauen tragen noch heute diese Tracht und ich konnte mich in Gesprächen davon überzeugen, wie ernst und wie lieb es ihnen ist. Ein wunderbares Stück Tradition!

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Juppenwerkstatt Riefensberg

Dorf 52
A-6943 Riefensberg

Tel +43 (05513) 83 56-15
Fax +43 (05513) 83 56-6

Email: info(at)juppenwerkstatt.at
Internet: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.juppenwerkstatt.at

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Dank an den  Vorarlberg Tourismus der mir diese Besichtigung organisierte!
Gerne gebe ich weiterführende Auskünfte!

Einige Fotos stammen von Peter Breuer. Auch dafür: Danke!

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Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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