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Gmundner Keramik: Österreichs Geschirr-Manufaktur am Traunstein

Salzburger Land. Gmunden. Die markanten Konturen des Traunsteins stechen mir zuerst ins Auge, als ich auf Gmunden zufahre.
In Gmunden ist die Keramik zuhaus. Erste Erwähnungen sind auf das Jahr 1492 datiert. Bis ins 17. Jahrhundert geht das bekannte Muster „grün geflammt“ zurück und 1905 wird das Gebäude erbaut, in welchem noch heute die Fertigungsräume liegen und deren Besuch ich hier kurz beschreiben möchte.

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Gmunder Keramik ist ein variantenreiches Geschirr, welches zu 100% in Österreich gefertigt wird. Jedes Teil wird im Haus gegossen, gebrannt, bemalt und verpackt. Jedes Stück ist ein Unikat. Die Geschirrserien sind traditionell und aufgrund moderner Fertigungstechniken dennoch zeitgemäß im Design und in der Ausrüstung.

Alle Teile Gmundner Keramik sind seit 2003 spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Nach schwierigen Zeiten ist es gelungen den Traditionsbetrieb auf neuen Kurs zu bringen. Nicht ganz leicht war es, denn zahlreiche Inhaberwechsel und die starke Konkurrenz von Billigimporteuren drohten dem alten Unternehmen, welches 87% der Österreicher kennen und wovon in fast jedem Haushalt Österreichs ein Teil steht, das Wasser abzugraben.

Im Folgenden beschreibe ich meine Eindrücke von einer Betriebsführung vor Ort – eine Werksführung, wie ich sie Besuchern des Salzburger Landes nur empfehlen kann und für mich eine prima Möglichkeit, Interessenten bessere Auskünfte über dieses Geschirr geben zu können, welches aus meiner Sicht Wertschätzung verdient hat!

Nach einer freundlichen Begrüßung betreten wir die hellen und zahlreich unterteilten Werkräume, die sich über mehrere Stockwerke verteilen. Zuerst besichtigen wir die Formengießerei.

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Jedes Teil Gmunder Keramik wird in eine eigens angefertigte Gipsform gegossen (Hier sieht man zum Beispiel eine Form für die kleinen herzförmigen Pralinenschalen mit dem grauen Hirsch). Diese Form kann bis zu 90 Mal verwendet werden. Dann wird sie erneuert. Die Teile werden vorsichtig von Hand herausgelöst und gereinigt.

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Jedes Teil wird sorgfältig von Rückständen befreit und auf fahrbare Ständer zurückgestellt. So durchrollen die Geschirrteile Abteilung für Abteilung.

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Besonders gefällt mir, dass alle Arbeitsplätze hell und freundlich sind. Die Firmenmitarbeiter machen einen entspannten Eindruck und immer wieder finden sich kleine gemütliche Ecken wie hier für Pausen.

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Bevor jedes Teil eine erste Glasur erhält und vorgebrannt wird, werden einzelne Elemente wie die Henkel der Tassen von Hand angebracht.

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Alles wird dann ein Stockwerk höher gefahren und ein erstes Mal glasiert und gebrannt, bevor die Teile in der Porzellanmalerei mit den Dekoren verziert werden.

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Auf Regalen, die mich an das Märchen von König Drosselbart erinnern, warten die Teile nun darauf bemalt zu werden.

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Wir gehen weiter und betreten einen hellen Raum, an dessen hohen Fensterfronten Männer und Frauen sitzen, die wahlweise Geflammte-, Hirsch- oder Streublumenmotive aufmalen. Jeder von Ihnen hat Regale mit Geschirrteilen um sich, eine Drehscheibe vor sich und eine Vielzahl an Pinseln und Wassertöpfchen in die immer wieder eingetaucht wird.

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Der Dekorationsprozess geschieht auf unterschiedliche Art und Weise. Das traditionelle Dekor „Geflammt“ wird mit einer Düse Linie für Linie aufgemalt. Die Arbeiterin ist schnell und geschickt. Für einen Teller braucht sie 25 Sekunden.

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Das Dekor Gmunder Variation, welches einen schlichten breiten Rand aufweist, geht ebenso zügig. Die Scheibe dreht sich und die Malerin zieht den Pinsel geschickt über die Tellerfahne (der äußere, leicht erhöhte Rand des Tellers.)

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Nun wird es komplizierter: Der graue Hirsch! Jedes Geschirrteil bekommt zunächst einen Stempel. Dieser wird dann von Hand Strich für Strich ausgemalt, was dazu führt, dass Tassen und Teller oft eine leichte Unterscheidung in den kleinen Hirschgeweihen haben. Mal ein wenig länger, mal ein wenig kürzer.

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Auf die Rückseite jedes Gmundner Teiles kommt der hauseigenene Manufakturstempel.

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Am Ende landen die Teile wieder auf den fahrbaren Regalen und werden nun in die Brennerei geschoben, wo sie ihren abschließenden Glasurbrand erhalten. Hierhin haben wir als Besucher keinen Zutritt.

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An den Wänden hängen Stempel, die seit Jahren für Gewürzdosen verwendet werden. Eigentlich könnte ich noch stundenlang hier herumstöbern.

gewuerzstempel-gmundner-keramik

Die Führung ist beendet und wer mag, kann im fabrikeigenen Shop ein paar Teile erwerben. Ich begrüße eine Mitarbeiterin von Gmundner und lasse mir Neuheiten zeigen. Zur Weihnachtssaison hin wird es den Hirsch in Violett geben. Und einen wunderschönen grau geflammten Krug werden wir nun auch anbieten – für Wasser, Saft und Blumen.

gmundner-keramik -geflammt

Inzwischen ist Mittag. Ich muss ein wenig warten. Punkt zwölf fliegen alle zum essen aus. Oder schlurfen in Socken durch das angebundene Bürogebäude. Ich fühle mich wohl, weil keine Hektik aufkommt. Von Gmundner Keramik werde ich nun erst recht ganz in Ruhe meine Käsebrote essen. Es hat mir Spaß gemacht!

 

Charis

Ihr möchtet sehen, wie das mit dem Bemalen funktioniert? Hier gibt es einen kleinen Film!

Gmundner Keramik

Und hier sieht man, wie die Espressotassen Ihren Henkel bekommen.

Henkel befestigen – Gmundner Keramik

Unter allen, die bis zum 01.09.2013 ein Beweisfoto zur Gmundner Keramik zur Veröffentlichung einsenden, verlose ich eine kleine herzförmige Snackschale mit dem Grauen Hirsch. Das Los entscheidet. Der Gewinn wird nicht in Bargeld ausgezahlt.  Viel Glück!

Eingesandt von Bettina

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Eingesandt von Steffi

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***Update: Gewonnen hat das Bild von Steffi. Herzlichen Glückwunsch.

Wir werden uns mit Ihr in Verbindung setzen! Allen vielen Dank für’s mitspielen.

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Charis

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Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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