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In Großvaters Fußstapfen: Fenkart Schokoladenmanufaktur Hohenems

Hohenems. Vorarlerg. Sieht köstlich aus – oder?

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Das dachte ich, als ich die Schokolade von Fenkart zum ersten Mal sah. Harald Schobel, bei dem ich in Vorarlberg das köstliche Trockenobst für wohlgeraten kaufe, brachte eine Tafel mit in den Raum.

Ich war begeistert vom Zusammenspiel der Farben. Früchte, wie auch Schokolade fand ich köstlich und wollte diese am liebsten sofort einkaufen. Leider war es November. Zu spät für den Shop und für Weihnachten. So musste ich warten.

Nun, bei unserem Besuch in Vorarlberg, gab es die Möglichkeit Fenkart zu besuchen. Die Schokolade verkaufen wir, wenn der heiße Sommer vorbei ist. Die Eindrücke von dort gibt es jetzt schon hier.

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Über Ägypten nach Hohenems

Wie führt man ein 1948 eröffnetes Schloßcafé erfolgreich und rentabel in eine Zeit, in der fertige Torten aus Tiefkühlregalen geangelt werden? Eine Frage, die sich Gunther Fenkart mit seiner Frau stellen musste, als er vor wenigen Jahren das Schloßcafé in Hohenems in dritter Generation übernahm.

Hohenems liegt nicht weit von Bregenz. 15.000 Einwohner sind keine Metropole. Besucher kommen nur in überschaubarem Maße. Fenkart brauchte eine Idee.

Der Großvater hatte das Café 1948 als Kaffeehaus am Marktplatz von Hohenems eröffnet. 1939 hatte die Familie das Gelände erworben, aber der Krieg hatte die Baumaßnahmen verzögert und so dauerte es fast zehn Jahre, bis die Konditorei ihre Pforte zum erste Mal öffnete.

Hinter Josef Fenkart lagen weite Reisen. In vielen europäischen Großstädten u.a. in Paris und Venedig hatte er sich Wissen angeeignet, bis es ihn sogar nach Ägypten verschlug. Dort lernte er als fünfte Fremdsprache Hebräisch und buk mit an der Hochzeitstorte des König Faruk. Angefüllt mit Elan und Wissen aus aller Welt, kehrte er  ins beschauliche Hohenems zurück. Der Krieg war vorüber, die Leute hatten Freude an Torten und allerlei Süßkram. Das Geschäft florierte. Unterschiediche Gußformen zum Beispiel für die Schokoladen-Osterhasen stammen aus dieser Zeit.

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Von Josef Fenkart ging das Geschäft an den Sohn und von diesem wiederum an den heutigen Inhaber Gunther, der die Aufgabe hatte, das Unternehmen in ein neue Zeit zu führen. Und der hatte den Mut, Schokoladen herzustellen, die in dieser Form auf dem Markt immer seltener werden. Fenkart Schokolade wird handgemacht vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt.

Die ersten Tafeln wurden gefüllt. Zum Beispiel mit der roh ungenießbaren Subirer Birne, aus der die Vorarlberger einen Schnaps brennen und mit Walnüssen. Eine teuflische Leckerei, der sich meine Begleitung nur schwer entziehen konnte. Kaum da, waren die ersten Stücke bereits verzehrt. Später, als Schobel die Trockenfrüchte perfektioniert hatte, kamen die Tafeln mit den aufgelegten Früchten hinzu. Diese Tafeln sind größer und ungemein dekorativ. Je nach Frucht werden die Früchte mit heller oder dunkler Schokolade unterlegt. Die Früchte stammen aus der Gegend rund um den Bodensee.

Ein dekorativer Dragierkessel aus Kupfer erweiterte das Programm. Das ist eine Besonderheit, denn diese Kessel findet man immer seltener. Gunther Fenkart musste viel probieren und eignete sich nach und nach die erforderlichen Fertigkeiten an.

Jede Menge Eigeninitiative – nur eines sucht man bei Fenkart vergeblich: Das BIO-Siegel auf den Produkten. Und das hat einen Grund: die Vermarktung von Bio-Produkten wird immer undurchsichtiger. Die weiten Transportwege des Kakaos sind kritisch betrachtet, kein signifikantes Merkmal eines Produktes, welches die Gütebezeichnung BIO verdient. Also bleibt der Konditor und Schokoladenfabrikant ehrlich und lässt es einfach weg. Dafür setzt er auf die Kooperation mit Produzenten und Produkten aus der Region und bleibt bescheiden.

Meinen Respekt hat er!


In einer Schauwerkstatt neben dem Café kann man die Schokolade verkosten und bei der Herstellung zusehen.

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Schlosscafé Hohenems

Familie Fenkart KG
Schlossplatz 10
A-6845 Hohenems
T: 0043(0)5576-72356
F: 0043(0)5576-723566

http://www.schokoladengenuss.at/

 

Und wie enstehen die Schokoladen-Hohlkörper?

Ich habe es mir erklären lassen:

Die Hohlkörper werden zuerst „geschminkt“. Das bedeutet die Stellen für Augen oder ähnliches werden mit einer hellen Schokoladenmasse gefüllt. Erst wenn diese fest sind, wird der Hohlkörper mit dunkler Schkolade ausgegossen.

Die Schokolade setzt sich an der Wand der Form fest. Der Rest der Schokolade wird wieder ausgegossen. Beim Erkalten der Schokolade schrumpft diese ein wenig und löst sich dabei automatisch aus der Form.

Am Ende setzt man die unten noch geöffnete Form einfach auf einen flüssigen Schokoladenspiegel: die Form ist nun geschlossen. Fertig.

 

 

 

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Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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4 Kommentare

  1. beeindruckende Familiengeschichte und Schokoladenfotos, die auf der Zunge zergehen – da würde man schon gern mal heimlich den Finger oder einen Apfelring in die Schokomasse stecken…………..

  2. sonja sagt

    Das sieht so lecker aus, ich würde am liebsten gleich mal kosten.
    Viele Grüße

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