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Eine Nacht in Berlin – Spontan zur Lichtgrenze

Hamburg. 08.11.2014  – Ein ganz normaler Samstag. Wochenende: Bummeln, Wochenendeinkäufe.

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18.30 Uhr Eine Freundin postet ein Video von der Lichtergrenze in Berlin.

19:30 Uhr Im Auto. Wir müssen nach Berlin. Jetzt!

22.30 Uhr Wir stehen an der East-Gallery. Unmengen von Menschen. Die Lichterkette zieht sich an den verbliebenen Mauerelementen entlang.

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00:00 Uhr Mariannenplatz: Der Mond leuchtet malerisch über der Stadt. Menschen laufen die Lichtgrenze entlang. Immer wieder stehen Schaukästen, die Geschichten zur Mauer dokumentieren. Einige Lichterballons fehlen. Es sieht beeindruckend aus. Ein Gesamtkunstwerk.

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Wir folgen der Mauer, die immer wieder Haken schlägt und durch einsame Straßen, Parks oder Grüngelände läuft.

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01:30 Uhr 15 km Lichtgrenze sind endlos lang. Wir nehmen ein Taxi zum Potsdamer Platz. Diese Stadt schläft heute nicht.

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02:00 Uhr Auf der Westseite des Brandenburger Tors steht eine riesige Tribüne. Gitterelemente , die wie Zäune aussehen werden hin und her geschwenkt. Das Licht wechselt zwischen grell weiß, blau, violett und dunkelrot. Lasestrahlen schießen grün in den Himmel. Nebel und andere Effekte erscheinen gigantisch.

Unendlich viele Menschen sind noch immer hier unterwegs und mischen sich mit Fotografen, Ordnungshütern in orangenen Westen und Eventveranstaltern.

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02:30 In Richtung Reichstag geht es stiller zu. Menschen folgen der Lichtgrenze. Ein schmaler Weg durch die seitlichen Gänge des Brandenburger Tores ist geblieben.

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Ich bleibe einen Moment im Tor stehen. Das ist der schönste Moment. Freudentränen.

02:45 Uhr Auf der Ostseite des Brandenburger Tores. Keine Bühne, ein paar Zäune. Ruhe. Es ist leer hier.

Die Party findet im Westen statt. Ich wundere mich.

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03:00 Uhr In der Oranienstraße hat ein Dönerladen auf. Hell, sauber, einladend. Der türkische Wirt freundlich, es ist ein würdiger Abschluß dieses spontanen Ausfluges.

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Um 5:30 Uhr fallen wir in Hamburg ins Bett.

Es hat sich gelohnt.


Ich danke meinen Eltern, die mutig genug waren, sich dem System zu widersetzen und mit mir im Jahre 1986 die DDR zu verlassen.

Ein Teil von Wohlgeraten ist  ihr Mut etwas zu riskieren und die unbändige Lust auf Freiheit, die sie mir stets vermittelt haben.

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Charis

Inhaberin bei wohlgeraten
Ich bin Charis, Inhaberin von wohlgeraten | Wir lieben Berge! Das ist mein Blog. Ich berichte über Reisen und Erlebnisse unterwegs - vielfach in den Alpen oder in Bergregionen, über Handwerk und Traditionen, lasse mir in den Kochtopf schauen oder teile Erfahrungen, die ich im Alltag mit wohlgeraten mache.
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4 Kommentare

  1. kuechenmonster sagt

    Es freut mich, dass nicht nur mir aufgefallen ist, dass die Party „im Westen“ stattgefunden hat. Zumindest sah es im TV auch so aus, nicht mal irgendwas von der ganzen Lichterwelt, den Strahlern etc. ging beim Brandenburger Tor in die andere Richtung. Okay, ist ja etwas die Frage, wo Platz zum Feiern ist, aber einiges an Platz ist auch auf der anderen Seite des Tores!

  2. Wunderbar Eure Spontaneität! Wir saßen in Südtirol vor der Glotze und waren auch den Tränen nahe. Wir hatten den 9.11.1989 ebenfalls in Südtirol erlebt und freuten uns über die Italiener in unserem Hotel, die uns Deutschen aufrichtig gratulierten während man von den französischen und englischen „Freunden“ nur lange Gesichter sah, die ganz unverhohlen ihre Furcht vor einem wieder erstarkenden Deutschland ausdrückten. Der damalige italienische Ministerpräsident Andreotti meinte allerdings auch: er liebe Deutschland so sehr, dass er gerne zwei davon habe.
    Fremd geschämt habe ich mich allerdings über den leider immer noch Regierenden Bürgermeister von Berlin („schwul? und das ist gut so!“) Wowereit, der in seiner weithin hallenden Ansprache Michael Gorbatschow so ganz nebenbei als Gorbi bezeichnete und die drei anderen wichtigsten „Architekten“ der Maueröffnung nicht erwähnte: Kohl, Genscher und Schewardnadse. Genscher hat mir erzählt, dass durch seine Freundschaft mit dem ehemaligen russischen Außenminister er die Nachricht von ihm erhalten habe, dass die Sowjetunion nicht eingreifen werde, wenn ein Volksaufstand in der DDR stattfände. Das gab schließlich den Ausschlag für die Maueröffnung.
    Dass es immer noch Leute gibt, die der DDR nachweinen… naja, vielleicht waren das alles Stasispitzel, die ihre Nasen gerne in das Leben anderer steckten.
    Andreas

  3. Tobias Mandelartz sagt

    was für ein schöner Bericht mit einem noch schöneren Fazit! Und das Schönste: Er kommt ohne das überstrapazierte Wörtchen „Wahnsinn“ aus.

Jeder Kommentar freut mich!